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Landesliga 2

Gegen Hörste, gegen Münster 08 und jetzt gegen Telgte powert der TV Verl Rückstände weg. Trainer Thomas Fröbel (Bild) und sein Co Robert Voßhans verstehen es zur Zeit, ihr Team einzustellen. Foto: Teipel


Verl schickt Telgte ins Parallel-Universum


Von Andreas Teipel

(04.11.19) Es war auch schon am Ticker spannend genug. Am Ende dauerte es dann auch eine gefühlte Ewigkeit, bis das Endergebnis am Samstagabend endlich angezeigt wurde. Beim Spitzenspiel des TV Verl gegen den TV Friesen Telgte fiel die Kinnlade schon beim ersten Besuch des Tickers herunter. Führte Telgte beim Tabellenführer eine Viertelstunde vor Schluss doch tatsächlich mit 21:16. Die Gratulation an Telgtes Coach Björn Hartwig war schon so gut wie ausformuliert. 15 Minuten später - die Kinnlade war gerade erst wieder aufgehoben und eingehängt - fiel sie schon wieder herunter. Klong! Und diesmal blieb auch das Herz stehen. Verl führte plötzlich mit 24:23 und die Uhr stand bei 59:35. Aber der Ticker lief nicht weiter. Geduld, Zweifel, Empörung, Resignation. Der Ticker lief nicht weiter - erst deutlich später wurde der letzte Spielstand denn auch bestätigt. Verl hatte tatsächlich gewonnen. Unfassbar!

Die Dramatik dieser Entwicklung verschärft sich sogar noch, wenn man a) weiß, dass Telgte zwischenzeitlich sogar mit 17:9 geführt hatte und b) die Friesen in der letzten Aktion des Spiels noch einen Siebenmeter vergaben. Was da in der Halle los war, kann man sich denken. Man kann es sogar sehen, weil Verl ein Video auf seiner Facebook-Seite eingestellt hatte. Aber wie konnte das überhaupt passieren? Wieso lag Verl so deutlich zurück? Warum wurde Telgte ab Minute 40 derart lahmgelegt? Und ich als Schreiber frage mich: Wie soll ich all diese Infos in einen Text packen, ohne, dass er die Länge des New Yorker Telefonbuchs bekommt? Ich will es dennoch versuchen. 

Bloß nicht aueinanderbrechen

Zunächst waren die Gastgeber auch gar nicht so schlecht ins Spiel gekommen. Vorne trafen die Angreifer, hinten hielt Torwart Alex Greitens sehr gut. Verl lag rasch mit 4:1 in Front. Geschenkt, denn im Handball hat das nichts zu bedeuten nach sieben Minuten. Plötzlich aber wendete sich das Blatt. Verl unterliefen Fehlerchen und Unachtsamkeiten und Telgte zog herauf wie ein nahendes Gewitter. Die Friesen-Deckung stand, Keeper Robin Gerlach schaufelte jede Menge raus, das Tempospiel und die Positionsangriffe durchpflügten förmlich die Verler Deckung und "wir haben unseren vielleicht besten Handball bis dahin gespielt", verweist TVF-Trainer Björn Hartwig auf die folgende Paradoxie zu dieser Aussage. Alles fluppte für die Gäste, die hier insgesamt für sich vielleicht einen großen Durchbruch hätten erzielen können. "Robert Voßhans und ich haben auf der Bank auch schon gesagt: 'bloß nicht komplett auseinanderbrechen, bloß als Team diese Situation bestehen'", schildert Verls Trainer Thomas Fröbel.

Das Resultat war inzwischen also zweitrangig geworden. Das sind ja manchmal die besten Voraussetzungen, um wirklich ein Spiel zum Guten zu wenden. "Wir hatten viele ehemalige Spieler von Verl auf der Tribüne sitzen. Es war Revival-Day in Verl", meinte auch Verls Co-Trainer Robert Voßhans, "da war kein Mucks mehr zu hören. Aber die Jungs haben an sich geglaubt, und der Mut wuchs mit jedem einzelnen Tor." Telgte hingegen wurde plötzlich in ein fremdes Universum gebeamt. Verl verteidigte jetzt weniger offen als üblich, und die Telgte begannen plötzlich Fehler zu machen. Hartwig: "Es lief nicht wirklich scheiße, aber alles, was vorher funktionierte, tat es plötzlich nicht mehr." Auch diverse Spielerwechsel vermochten diese Entwicklung nicht zu bremsen.

Greitens zieht schneller

So nahm die Partie ihren Lauf. Bis zur hochdramatischen Schlussphase. Und auch hier wurde die Telgter Welt auf den Kopf gestellt. Verls Tormann Greitens - es steht gerade 24:23 - hält 20 Sekunden vor Schluss einen Schuss aus dem Rückraum. Verl hat also Ballbeseitz und es in der eigenen Hand, die Uhr runterzuspielen, verliert aber die Murmel an die manndeckenden Gegner. Telgte ist jetzt also wieder in Ballbesitz, Schuss aufs Tor, Foul, Siebenmeter. Im bekannten Universum versenkt Telgtes Christopher Kohl 19 Siebenmeter von 20 ohne auch nur einmal anzutäuschen. Mit verbundenen Augen, Zigarillo im Mundwinkel und eine Ein-Dollar-Münze um die Finger wirbelnd. In Telgtes Parallel-Universum aber stand da Greitens rechter Fuß. Und der verhinderte den Ausgleich. Abritt Verl in den Sonnenuntergang. Das Ding hatte sich tatsächlich gewendet.

Und was macht Verl jetzt mit diesem Prestige-Erfolg? "Das ist eine geile Momentaufnahmen da oben zu stehen", gibt Voßhans zu, "zumal wir gegen fast alle aus der oberen Tabellenhälfte gespielt haben. Aber die schwierigen Spiele sind in der Regel die gegen die Teams von unten. Da hatten wir letzte Saison ganz schöne Schwierigkeiten." Eine Aussage, die durchaus klingt wie aus dieser Welt.

Tore für Verl: Kreismann (7/5), Wiese (5), Jogereit (4), F. Trapphoff (3), Ottofrickenstein (2), Eliasmöller (1), Birkholz (1), Vogler (1)

Tore für Telgte: Dichtler (5/1), Petzold (4), Kortenbrede (3), Kohl (3/1), Flothkötter (2), Erpenbeck (2), Krause (2), Kostovski (1), Jung (1)



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