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Landesliga 2

Eine Frage des Brötchens


Von Andreas Teipel

(01.11.20) Es gab Zeiten, da waren Derbys noch eine Frage den Broterwerbs. "Wenn Du noch vor zwanzig Jahren als Warendorfer in Everswinkel gespielt hast, musstes du dich schon gut erklären. Sonst gab's auch mal keine Brötchen beim Bäcker", sagt Stefan Hamsen pointiert. Der heutige Trainer des Landesliga-Aufsteigers Warendorfer SU hat es noch erlebt. Er hatte 1999 den Schritt ins rivalisierende Everswinkel gewagt. Und tatsächlich "herrschte damals absolute Rivalität zwischen beiden Klubs vor. Da kochten die Emotionen vor bis zu 650 Zuschauern ganz schön hoch", bestätigt auch Timo Soszynski, der damals in der Jugend auch Mitspieler von Hamsen wurde. Am vergangenen Wochenende hätte es auch eigentlich mal wieder eine Duell zwischen beiden Klubs geben sollen. Es wäre sogar das "Spiel der Woche" bei Heimspiel-online geworden. Die Auswirkungen von Corona machten uns aber allen einen Strich durch die Rechnung. Dennoch ist dieses Pärchen auch so einen Hingucker wert.

Zwei Ikonen in Everswinkel und Warendorf: Timo Sosynski (l.) und Stefan Hamsen. Fotos: Teipel

Schauen wir also zunächst nochmal zurück. Ganz früher, vor 30 Jahren waren sich Warendorf und Everswinkel sogar noch deutlich näher, die Konkurrenz und Nähe förmlich auch mit dem Geruchssinn wahrnehmbar. Weil es vor 1991 nämlich die schöne Kehlbachhalle in Everswinkel noch nicht gab und die Grundschule vor Ort viel zu klein war, um das Zuschaueraufkommen auch nur annähernd zu befriedigen, trug der SC seine Heimspiele nämlich in Warendorf aus. Vergleichbar ist das in der Landesliga 2 von heute mit der SpVg. Hesselteich und den SF Loxten II, die ebenfalls beide dieselbe Halle nutzen. Damals also war ein Derby auch ein doppeltes Heimspiel. Hamsen, der bis einschließlich zur B-Jugend immer für die WSU auflief, wechselte 1998 dann nach Everswinkel. Warendorf hatte zwar eine Halle, aber keine A-Jugend, in die Hamsen hätte wechseln können. Und der damals 17-Jährige tauchte in Everswinkel gerade dann auf, als sich ohnehin ein goldener Jahrgang anschickte, Everswinkel aus seinem Dornröschenschlaf in der Bezirksliga aufzuwecken. Seit rund 15 Jahren war der SC in dieser Spielklasse beheimatet. Kein Weg rauf, aber auch kein Weg runter.

Everswinkels Aufstieg der Nullerjahre

Hier kreuzten sich dann auch die Wege von Hamsen und Soszynski. Bereits 1997 war Soszynski unter Trainer Frank Mester in die A-Jugend-Oberliga aufgestiegen, im Jahr darauf gelang das auch unter Coach Ingo Wissmann - und mit Hamsen im Kader. Beide wechselten dann zusammen in die erste Herren der Senioren, wo es auch gleich zur Sache ging. Gleich im ersten Anlauf wurde die junge Truppe Meister und stieg in die Landesliga auf und etablierte sich. Richtig heiß wurde es dann ab 2005. Dreimal in Folge verpasste Everswinkel die Meisterschaft, wurde Zweiter und stieg dadurch nicht auf. 2009 aber war es so weit. Mit Frank Mester als Trainer wurde der SCE Landesliga-Meister und betrat erstmals in der Klubgeschichte Verbandsliga-Parkett. "Ich kann mich noch gut erinnern, als wir damals aufgestiegen sind", so Kreisläufer und Mittelblocker Soszynski, "da haben die Warendorfer Spieler sogar auch noch mit uns gefeiert." Was zeigt, dass die Schärfe dieser Rivalität keinesfalls bis aufs Blut ausgetragen wurde. Man muss auch gönnen können.

Hamsen galt zu der Zeit laut Soszynski als begnadeter Mittelmann und Spielgestalter, "aber schreib' das bitte nicht so, sonst hebt der noch ab :D". Das Lob kann man aber stehen lassen, zumal es gleichwertig von Hamsen erwidert wird: "Ein knochiger und unangenehmer Abwehrspezialist mit gutem Handballverständnis. Timo konnte gut antizipieren und stand meistens an der richtigen Stelle." Doch irgendwann wurden auch sie älter und mit ihrem jugendlichen Schwung ließ allmählich auch der sportliche Erfolg nach. Der Abstieg bis in zurück in die Bezirksliga ging einher mit der Übergabe an eine neue Generation. Damals waren Spieler wie Marvin Sand oder Raphael Wierbrügge die Küken. Heute bilden sie den Pool der erfahrenen Spieler, um die sich nun eine neue junge Truppe formiert. Wieder mit gut ausgebildeten Jungendspielern und Eigengewächsen.

Vom Spieler zum Trainer

Ganz ähnlich verlief der Weg der Warendorfer. Auch sie schafften irgendwann den Sprung hoch in die Landesliga. Und auch dieses Kapitel ist am Ende verknüpft mit dem sportlichen Werdegang von Hamsen. 2013 wechselte er nämlich zurück in die Heimat, spielte dort unter Trainer Rob de Pijper und stieg auch prompt mit in die Landesliga auf und hielt im zweiten auch die Klasse. Im dritten aber (inzwischen hatte Hamsen die aktive Laufbahn beendet) ging alles schief. Nur drei Punkte standen nach der Hinrunde auf dem Konto. Pijper musste gehen - und Hamsen übernahm. Den Abstieg verhinderte zwar auch er nicht. Doch mit ihm begann der Wiederaufbau und letztlich auch der Wiederaufstieg - per Wildcard.

Und nun stehen beide Klubs wieder Seite an Seite. Voraussetzungen und Ziele sind ähnlich. Everswinkels Ambitionen sind aufgrund der starken Nachwuchsarbeit vielleicht etwas aussichtsreicher, doch das Abenteuer Landesliga wollen beide unbedingt nutzen. "Wir wollen in diesem Jahr noch mehr lernen", so Hamsen, "und was gerade die jungen Spieler in der Landesliga lernen, dass kann ich ihnen in keinem Training beibringen." Das würde auch SCE-Trainer Thomas Steinhoff so ein-zu-eins unterschreiben. Und dieser Lerneffekt wird nun auch wieder durch das Derby auf Augenhöhe versüßt. Um seine Brötchen muss sich Hamsen übrigens schon lange keine Sorgen mehr machen. Die gibt es bei Heimspiel um die Wurst herum. Und in Everswinkel reichen sie immer Mini-Salamis und Süßigkeiten.



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