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Landesliga 2

Das ist Hesselteich. Also: das Zentrum von Hesselteich. Kaum zu glauben, dass hier eine Handball-Hochburg entstanden ist. Foto: google maps

Hesselteich: Winzig-großer Sport 


Von Andreas Teipel

(10.11.20) Hesselteich ist ein Dorf, das es eigentlich gar nicht gibt. Wer den Fehler macht, nicht die Adresse der Sporthalle des Landesligisten ins Navi einzugeben, der landet entweder an einem Bauerhof mitten im Nirgendwo oder - wenn er mehr Glück hat - auf einem winzigen Dorfplatz an einer winzigen Kirche in einem winzigen Dörfchen, dessen Hauptstraße sowie die einzigen beiden Nebenstraße "Hesselteich" heißen. Rein sportlich gesehen müsste der Ort jedoch mindestens "Hesselsee" heißen. Denn seit seinem Aufstieg in die Landesliga im Jahr 2016 behauptet sich die Spielvereinigung nämlich in der Landesliga. Und das hat seine Gründe. 

Doch zunächst nochmal kurz zur Geschichte eines Dorfklub, der mehr Mitglieder (600) als Einwohner (540) hat - und der natürlich streng genommen SpVg. Hesselteich-Siedinghausen heißt. Aber Siedinghausen ist ja nochmal viel kleiner als Hesselteich, eine Ansammlung gut einem halben Dutzend Häusern plus die umliegenden Höfe. "Ja, Hesselteich ist als Dorf nicht besonders viel", gibt der Klubvorsitzende Markus Bohnemeier gerne zu, "aber der Handball ist seit der Gründung 1958 ein großes Thema geworden." Als der Klub 1980 erstmalig Kreismeister wurde, hatte der Ort vor lauter Freude sogar plötzlich einen rot-schwarzen Zebra-Streifen. Richtig ernst aber wurde es im neuen Jahrtausend: 2004 stieg der Klub erstmals in die Bezirksliga auf, drei Jahre später in die Landesliga. Das war schon was, auch wenn der Abstieg unmittelbar folgte.

Grund 1: Die JSG

Die Grundlage für den heutigen Erfolg aber legte Hesselteich 2012. Durch die Gründung einer Jugendspielgemeinschaft begann die Ausbildung der Spieler, die vier Jahre später maßgeblich am Wiederaufstieg in die Landesliga mitwirkten - und bis heute in der Landesliga Führungsrollen hatten. Spieler wie Yannik Mithöfer, Jonas Mittendorf, Jannik Fromme, Andreas Kattenbaum oder Janis von Ameln tauchen bis heute in den Kaderlisten der ersten Mannschaft auf und bilden das Grundgerüst im Team. Die A-Jugend der abgelaufenen Saison wurde Meister der Oberliga, nahm in dieser sogar an der Quali zur Bundesliga teil. Welche Früchte das einbrachte war am Beispiel Aaron von Ameln zu sehen. In seinem ersten A-Jugend-Jahr war er der Topscorer auch bei den Senioren, wechselte im laufenden zweiten Jugendjahr stracks zum Oberligisten SF Loxten. Sicher ein Verlust für die Spielvereinigung, "aber das muss man in Kauf nehmen - und wenn es die Grünen sind, die abwerben, ist der Schmerz nicht ganz so groß", zeigt die Haltung von Andreas Wehmöller, Sportlicher Leiter der JSG und treibende Kraft auch in seinem Heimatverein Hesselteich. 

Grund 2 - Der Trainer

Die JSG war also ein Segen für Hesselteich, denn auch in dieser Saison sind Spieler wie der wurfstarke Rückraumspieler Julius Uhlmann, Linkshänder Jan Mescher oder der talentierte Torwart David Staniek gesetzt. Auch Kilian Rüschhaupt auf Linksaußen mischt in seinem ersten Jahr als A-Junior schon mit. Doch Hesselteich wurde noch ein zweites Mal gesegnet. Nach dem Aufstieg vor vier Jahren suchte der Aufsteiger einen neuen Trainer. Der alte, Michael Bohnemeier, wechselte als Co-Trainer nach Loxten. Gefunden wurde Dennis Laumann - liebevoll "Apu" genannt, was optisch animiert ist durch die gleichnamige Simpsons-Figur. Eigentlich kein wirklich erfahrener Trainer. Doch als ehemaliger Landesliga-Spielmacher der EGB Bielefeld hatte er jetzt auch erste Erfahrungen als Trainer in Gadderbaum auf dem Kerbholz. "Es hat sich schnell gezeigt, dass Apu auch noch einen anderen Vorteil hat", so Wehmöller, der ihn nach Hesselteich holte: "Von Beruf ist er ein klassischer Vertriebler und leitet ein Team von 16, 17 Leuten. Das hilft ihm, auch eine Mannschaft zu führen und zusammenzuschweißen." Das tut Laumann mit einer schier perfekten Mischung aus Kumpel und Respektsperson - der darüber hinaus auch handballerisch das richtige Händchen hat für die Mannschaft.

Grund 3 - Die Mannschaft

Die hatte sich in den letzten Jahren auch selbst die nötige mentale Stärke für die Liga geholt.  Nach zwei geglückten Ligaverbleiben war Hesselteich 2018/19 in höchste Abstiegsnöte geraten, musste am Ende gegen den HC Ibbenbüren in die Relegation. Im ersten Spiel lag man schon 4:10 hinten, gewann aber am Ende mit 27:25 und holte schließlich auch das Rückspiel. Klassenerhalt gesichert. Auch hier schon zu sehen war die typische 5:1-Deckung von Laumann, die auch heute Hauptbestandteil des eigenen Spiels ist. Die Mannschaft hatte gelernt, dass es sich lohnt, nicht aufzugeben. Und das galt auch, als ein nicht so schönes Kapitel begann, dass vor allem von bösen Verletzungen geprägt war. Laumann schaffte es aber Woche für Woche eine konkurrenzfähige Mannschaft zu stellen, füllte seinen Kader mit A-Junioren auf und holte Jan Wagemann ein letztes Mal aus der zweiten Mannschaft hoch. Zusammen mit den Fähigkeiten von Aaron von Ameln war das Thema Abstieg so auch ohne Corona KEIN Thema mehr. 

Fazit

Hesselteich ist sicher einer der Klubs, die es geschafft haben, einen pulsierenden Organismus für sportlichen Erfolg zu schaffen und dadurch ein Maximum für seine Mitglieder herauszuholen. Die eigene Jugend erfährt eine erstklassige Ausbildung, wird schon ab dem ersten A-Jugend-Jahr bei den Senioren mit eingebunden und erlebt ein Vereinsumfeld, dass es einem leicht macht, den Verein NICHT zu wechseln. "Hier bei uns im Altkreis ist schon eine harte Konkurrenz und die Vereine liegen leistungsmäßig und geografisch schon eng beieinander", eröffnet Laumann sein Schlussplädoyer, als Heimspiel ihn fragt, ob Verbandsliga mit diesem Verein und diesen Strukturen auf Sicht möglich wäre. Nur um dann eine Fußball-Metapher anzubringen: "Hesselteich in der Verbandsliga ... das wäre wie Champions League für Arminia Bielefeld." Okay, demnach ist Landesliga wie Bundesliga; und Hesselteich wie Hoffenheim. Hm ... dann ist Heimspiel-online ja wie der Kicker! Naja, man sollte im Amateursport Vergleiche dieser Art besser lassen und die winzige Kirche im winzigen Dorf lassen.



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