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Umso skurriler liest sich der weitere Spielverlauf. Denn nach der Pause entwickelte sich das Spiel endgültig zu einem Fiebertraum. Angeführt von der Erkenntnis, dass man auf dem kleinen Platz an der Pleistermühle vermutlich auch aus einem Einwurf an der eigenen Eckfahne eine Großchance kreieren kann, kämpften sich die Nullfünfer zurück. Leo Fenner verkürzte nach einem Standard zum 4:2 (50.), Nils Wesselborg stellte per Foulelfmeter nach einem Vergehen von Maxi Achnitz auf 4:3 (55.), Pascal Lange schloss einen Konter zum 4:4 ab (57.). Die Gastgeber tobten, hatten zuvor ein Foulspiel an Pieper im Mittelfeld gesehen. Plötzlich war das Momentum wieder bei den Gästen, zumal Eintracht Knipser Jahndorf mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ebenso rausnehmen musste wie Niclas Schulz.
Mehr Bolzplatzkick denn Meisterschaftsspiel
Spätestens jetzt schmissen beide Teams die taktischen Fesseln endgültig über Bord, das Ganze erinnerte vielmehr an einen Bolzplatzkick denn ein Meisterschaftsspiel. Fehlte eigentlich nur noch der Eistee am Torpfosten. Es ging hin und her. Boris Petkovic, der zuvor aus fünf Metern an Nullfünf-Schnapper Ben Nesseler gescheitert war, brachte die Hausherren mit einem Volleyschuss aus 20 Metern plötzlich wieder nach vorn - mit seinem schwachen Fuß schweißte er das Leder zum 5:4 ins lange Eck (68.). Inzwischen war auch eine Delegation von Borussia Münster II am Platz aufgetaucht. Bei einem Eintracht-Sieg wäre der Tabellenführer Meister gewesen.
Doch Nullfünf hatte etwas dagegen und antwortete: Innenverteidiger Thies Schäper hielt es schon lange nicht mehr hinten aus und drückte den Ball im Anschluss an einen Standard über die Linie. Er feierte beim Treffer zum 5:5 (77.) seine Torpremiere in dieser Saison. Kein ganz so schlechter Zeitpunkt. Eintracht hatte Pech bei einem Lattenkracher von Tyczewski, auf der Gegenseite verhinderte zunächst Eintracht-Schnapper Henry Kurzhals das 5:6. Wenig später war er dann wieder am Ball, doch gegen den Nachschuss von Wesselborg war kein Kraut gewachsen (82.). Eintracht machte hinten komplett auf — und fing sich mit dem Schlusspfiff noch das 5:7. Ole Johenneken knipste als Joker - den Hausherren das Licht aus.
"Die ganze Zeit das Gefühl, dass wir es noch drehen können"
Münster-05-Coach Nico Stuhldreier wirkte danach erstaunlich gefasst für jemanden, der gerade einen Kreisliga-Actionfilm gewonnen hatte: "Ich war zum ersten Mal auf der Anlage von Eintracht. Das ist der kleinste Platz, den ich je gesehen habe. Wir haben Eintracht zu Beginn in die Karten gespielt, weil wir nicht klar genug waren. Wir hatten aber die ganze Zeit das Gefühl, dass wir es noch drehen können. Die Niederlage gegen Borussia im Topspiel war ein kleiner Dämpfer. Ich finde es gut, wie wir damit umgegangen sind."
Am Ende bleiben zwölf Tore, zwei völlig erschöpfte Trainer und die berechtigte Frage von Daniel Wienker: "Reicht das eigentlich als Bewerbung für nächste Saison mal für ein Spiel der Woche...?"
Wenn nicht dieses Spiel — welches dann? Wir fragen Tino Wermeling mal...
Eintracht Münster - FC Münster 05 5:7 (4:1)
1:0 Jahndorf (10.), 2:0 Jahndorf (20.),
3:0 Jahndorf (22.), 3:1 Wenning (27.),
4:1 Pieper (39.), 4:2 Fenner (50.),
4:3 Wesselborg (55./FE), 4:4 Lange (57.),
5:4 Petkovic (68.), 5:5 Schäper (77.),
5:6 Wesselborg (82.), 5:7 Johenneken (90.+3)




































