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Carlos Andrade (#3) mit den Mitabsolventen des Lehrgangs (von links) Christoph Metzelder, Sebastian Kehl, Oka Nikolov, Miroslav Klose und Partick Owomoyela. Foto: Carlos Andrade

Bereit für den ganz großen Sprung


Von Christian Kern

(15.02.18) Als Spieler kickte Carlos Andrade bereits auf professionellem Niveau, jetzt schickt er sich an, auch im Trainerbereich durchzustarten. Der 42-Jährige erwarb vor zwei Wochen die DFB Trainer A-Lizenz, die den Portugiesen für Trainerposten bis zur Regionalliga berechtigt. Momentan ist Andrade allerdings noch Coach von dem U19-Bezriksligisten Emsdetten 09. Doch dabei muss es nicht bleiben. Denn die bisherige Lebensgeschichte von Carlos Andrade zeigt: der Mann ist bereit für den großen Erfolg.

Das Bild des Textes stammt von Carlos Andrade selber und zeigt ihn mit einigen prominenten Mitabsolventen des A-Lizenz Lehrganges des DFB. Stolz hat er es auf seiner Facebook-Seite hochgeladen. Dabei dürfte es für Andrade schon zur Routine geworden sein, mit den Besten der Fußball-Szene Arm in Arm zu posieren. Schließlich spielte er selber in der zweithöchsten Liga Portugals professionell Fußball. Doch die Aufnahme ist mehr als nur ein Bild, sie ist auch ein Sinnbild für seine Karriere, denn Andrade war zwar immer bestens in der Weltklasse des Fußballsports vernetzt, er selber schaffte aber nie den ganz großen Sprung. Dies hängt vor allem mit einer Entscheidung aus dem Jahre 2005 zusammen.

Entscheidung zugunsten der Familie

Dort entschloss sich der damals 27-Jährige, seine Profikarriere zu beenden, um zu seiner Familie nach Deutschland zu ziehen. Damit wählte er einen anderen Weg als sein Bruder Jorge, der es in seiner Laufbahn zum FC Porto und Juventus Turin brachte. Trotzdem: Bereut hat der 42-Jährige seine damalige Entscheidung nie. Andrade spielte in der Folgezeit noch zwei Jahre lang für Eintracht Rheine in der Oberliga, ehe er zu SuS Neuenkirchen in die Verbandsliga (heute Westfalenliga) wechselte.

Nach zwei Spielzeiten in Neuenkirchen suchte Andrade im Jahre 2009 noch einmal nach einer neuen Herausforderung bei einem anderen Verein. Doch der Plan klappte nicht wie erwünscht und er stieg mit Borussia Emsdetten aus der Westfalenliga ab. Für den ehrgeizigen Portugisen ein Makel für seine Laufbahn. Was Andrade damals nicht wusste: Ohne diese sportliche Niederlage wäre er womöglich nie Trainer geworden. Denn im Anschluss an die Saison in Emsdetten ging er zu einem Verein, bei dem er eine komplette Ära prägte.

Andrade mischt Nordwalde auf

Dieser Verein liegt im 10.000-Einwohner Städtchen Nordwalde. Trotz der wenigen Bewohner hielt sich der 1. Fußballclub Nordwalde dort über Jahre in der überkreislichen Bezirksliga, in der Saison 10/11 kam es dann mit Andrade als Spieler aber zum Abstieg. Dies markierte eine ganz dunkle Stunde in der Geschichte des Dorfvereins. Andrade übernahm in dieser schwierigen Zeit Verantwortung und stellte sich als Spielertrainer zur Verfügung. Der ehemalige Profi setzte als Übungsleiter in Nordwalde seine langjährige Erfahrung ein, stellte die Abwehr auf eine Viererkette um und brachte so wichtige Stabilität in die Mannschaft. Der Innenverteidiger blühte in dem Amt so auf, dass er sich im Jahre 2012 dazu entschied, seine Fußballschuhe an den Nagel zu hängen und nur noch an der Seitenlinie zu stehen.

Mit Andrade als Trainer kehrte der Erfolg nach Nordwalde zurück, aber wieder blieb dem Portugiesen der ganz große Wurf verwehrt. So spielte der Fußballclub zwar immer um den Aufstieg mit, doch in den fünf Spielzeiten mit Andrade als Übungsleiter reichte es für Nordwalde immer nur zu Platz zwei und damit nie zum Aufstieg. 2016 zog Andrade die Reißleine und verließ den Verein, dennoch beteurt Andrade: "Es war eine super Zeit und ich habe bis heute nur postive Erinnerungen."

Das Missverständnis mit Broghorst

Nach Nordwalde hieß die nächste Trainerstation für Andrade Preußen Borghorst. Damit kam Andrade in eine größere Stadt zu einem größeren Verein und in eine höhere Liga. Was sich wie eine enorme Verbesserung anhört, gefiel Andrade gar nicht. "Die Strukturen des Vereins waren nicht optimal für mich", so der 42-Jährige. Das Resultat dieses Missverständnisses zwischen Trainer und Verein sah man auf dem Platz: Borghorst stieg mit Andrade sang und klanglos aus der Bezirksliga ab. Daraufhin beendete der Portugiese sein einjähriges Intermezzo mit Borghorst.

Danach wollte Andrade sich erstmal eine Auszeit nehmen und sich nach neuen Möglichkeiten umsehen. Doch Emsdetten 05 kam diesem Plan zuvor. Der Verein suchte nämlich im vergangenen Sommer nach einem Trainer für die A-Jugend und fragte Andrade, der mit seinen Kumpels oftmals auf dem Emsdettener Sportplatz kickte. Nach reichlichem Überlegen nahm der 42-Jährige das Angebot an.

Von Emsdetten nach Portugal?

Nun ist der ehemalige Profi also in der A-Jugend Bezirksliga Westfalen gelandet. Sein Arbeitgeber Emsdetten findet dort für ihn nur lobende Worte: "Er ist sehr engagiert und arbeitet akribisch", so der Jugendobmann von den Nullfünfern, Norbert Voß. Nicht zuletzt deswegen will der Verein den A-Lizenz Inhaber unbedingt halten. Dies lässt Andrade aber noch offen: "Ich habe mich für die kommende Saison noch nicht festgelegt." Dabei werde er auch potenzielle Angebote von anderen Vereinen genau prüfen.

Auf die Frage, ob er sich eine Rückkehr nach Portugal vorstellen könnte, zögert Andrade hingegen lange. Schließlich sagt er: "In den kommenden drei bis vier Jahren vermutlich nicht." Danach sei aber alles offen, auch weil er zum portugiesischen Profibereich noch beste Kontakte pflegt. Dort wäre für ihn auch eine Zusammenarbeit mit seinem Bruder denkbar, der momentan den Clube Oriental de Lisboa in der zweiten portugieschen Liga coacht. Und so könnte Carlos Andrade in naher Zukunft seine Mitabsolventen aus dem A-Lizenz-Lehrgang nicht nur nach einem Foto fragen, sondern diesen bei einem Spiel auf höchster fußballerischen Ebene als Trainerkollege die Hand schütteln. Dann hätte es Andrade nach mehreren Anläufen zum ganz großen Sprung geschafft.

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