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Serie: Die Unbestechlichen

Frohnatur: Philippe Najda gilt auf dem Platz als sehr kommunikativ und offen. Nicht zuletzt deshalb hat der Referee mit erst 21 Jahren einen steilen Aufstieg hingelegt.

Philippe Najda: Der Aufsteiger


von Christian Lehmann

(15.04.20) Nur auf der Couch rumlümmeln und Chips futtern? Das ist nichts für Philippe Najda  - auch nicht dieser Tage. Als wir ihn am Dienstagabend anbimmeln, um mit ihm über seine Laufbahn als Schiedsrichter zu quatschen, ist der 21-Jährige gerade auf dem Sprung. Referee-Kollege Max Mendrina hat sich zur Fahrradtour angekündigt - und zwar nicht zur Bummelfahrt mit der Holland-Leeze. Dennoch nimmt sich das Nachwuchs-Talent, das bereits jetzt in der Landesliga pfeifen darf und als Assistent in der Oberliga an der Linie steht, die nötige Zeit, um geduldig und freundlich Auskunft zu geben - über seine Anfänge als Schiedsrichter, seine Ziele und den Einfluss, den die Corona-Krise auf sein Schiedsrichter-Leben hat.

 

Hallo Philippe! Wie vertreibst Du dir die Zeit ohne Fußball? Muss man sich als Schiedsrichter besonders fit halten? 
Najda:
Aufgrund meines Studiums (Sport und Geschichte auf Lehramt, Anm.) versuche ich, mich so viel wie möglich in Bewegung zu halten - sei es mit kleinen Kräftigungs-Übungen oder Workouts zuhause, mit Laufen oder Fahrrad fahren. Ich bin unter der Woche in Münster, da gibt es ausgezeichnete Routen in den Vororten. Ich mache jeden zweiten Tag mindestens ein, zwei Stunden Sport.

Und darüber hinaus? Paukst Du nebenbei auch das Regelwerk?
Najda:
Da gibt es schon Möglichkeiten. Wir haben unsere Schiedsrichter-Zeitung, außerdem stellt der DFB aktuelle Regeländerungen und Regelfragen online zur Verfügung. Da nehme ich mir bei einer Tasse Kaffee ab und zu auch mal 20 Minuten für. Das ist aber eher selten im Moment, weil man die Dinge ja leider nicht in der Praxis umsetzen kann. Im Laufe der Saison oder während der Prüfungen beschäftigt man sich damit zwar intensiver, aber es kommt nicht zu kurz.

Der Kontakt und Austausch mit den Schiri-Kollegen ist trotz Kontaktverbots aber noch da?
Najda:
Ja, das Zwischenmenschliche kommt - im Sinne der vorgegebenen Regeln - nicht zu kurz. Ich bin jetzt fast acht Jahre dabei. Es hat sich zu vielen eine so große Freundschaft entwickelt, wenn das weg brechen würde, dann würde etwas fehlen.

Wie bist Du zur Schiedsrichterei gekommen?
Najda:
Ich bin Rheinenser, wohne nicht weit vom Uhlenhook entfernt und habe bis zur B-Jugend für den FCE Rheine gekickt. Ich habe schon vorher angefangen zu pfeifen, mich aber während der Abizeit fürs Pfeifen entschieden. Als ich 14 Jahre alt war, wollte ich vor allem mein Taschengeld aufbessern. Meine Mutter hat mir gesagt, wenn ich Geld verdienen möchte, soll ich den Hintern hochkriegen (lacht). Fußball ist meine Leidenschaft, ich wollte da einfach so viel wie möglich machen. Unser Schiri-Obmann Jörg Nitschke, den viele als "Mütze" kennen, war damals als Betreuer im Grömitz-Ferienlager. Dem habe ich dann irgendwann mal eine Mail geschrieben, dass ich das machen möchte. Für mich ist auch der kostenlose Eintritt in alle Bundesliga-Stadien ein Riesenplus. Das habe ich auch bis zuletzt regelmäßig genutzt. Samstags loszufahren und sonntags selber zu pfeifen und nicht die ganze Zeit zuhause auf der Coach zu sitzen - das ist für mich ein gelungenes Wochenende.   

Mit 21 Jahren in der Landesliga - das ging schnell. Wie war das möglich? Bist Du so ehrgeizig, hast Du Glück oder gute Förderer gehabt?
Najda: Ich bin sehr leistungsorientiert. Nach den ersten zwei, drei Jahren, in denen ich nur Jugendspiele leiten durfte, habe ich mich an unseren Kreis-Schiedsrichter-Ausschuss gewendet und gefragt, ob ich nicht Senioren-Spiele pfeifen dürfte. Jürgen Lütkehaus, Christian Schmees und andere erfahrene Kollegen haben sich dann meine Spiele angeschaut und mir Feedback gegeben. Mit 16 Jahren hatte ich dann mein erstes Senioren-Spiel (Anm.: Kreisliga C, Skiclub Rheine II - Eintracht Rodde III am 30. August 2015, Endstand 3:1). Ein paar Monate später habe ich die Nachricht bekommen, dass ich zur nächsten Saison in der Bezirksliga pfeifen darf. Da wurde ich dann mehrfach beobachtet und vom Kreis für das Verbandsteam gemeldet. Im ersten Jahr hat es nicht zum Aufstieg gereicht, in der darauffolgenden Saison schon, sodass ich seit dieser Saison in der Landesliga unterwegs bin. Das nennt sich offiziell Team C, die Westfalenliga wäre dann Team B und so weiter. Bisher sah es für mich eigentlich ganz gut aus, dann hat mir Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich weiß allerdings nicht, inwiefern jetzt die bisher benoteten Spiele auch gewertet werden. 

Wohin kann das noch gehen mit dir? In die Bundesliga?
Najda (lacht):
Das klingt jetzt kindisch, aber das ist immer der Traum. Man wünscht sich schon, irgendwann mal in ein großes Stadion einlaufen zu dürfen. Ich sage aber nicht, dass ich unbedingt in drei Jahren Regionalliga pfeifen will, sondern gucke, dass ich Saison für Saison einen Schritt weitergehe. 

Hast Du als Schiedsrichter schon Anfeindungen oder unschöne Geschichten erlebt?
Najda:
Nein, ich persönlich tatsächlich gar nicht. Natürlich bekommt man mal von Zuschauern gesagt 'Schiri, das hast Du falsch gesehen!' oder 'Das hast Du Sch... gemacht!', aber persönlich beleidigt oder sogar körperlich angegangen wurde ich noch nicht. Auch meine Freunde, mit denen ich häufig zu den Bundesligaspielen fahre und meine Assistenten haben so etwas noch nicht erlebt. Irgendwann gehen dir gewisse Trainer wiederholt auf die Nerven (lacht), aber das ist halb so wild.  

Glaubst Du, dass sich nach der Spielpause für euch als Schiedsrichter etwas ändert? Wird der Umgang mit den Spielern, Trainern und Zuschauern entspannter, weil alle froh sind, dass wieder gespielt werden darf?
Najda: Ich glaube schon, dass viele erkennen werden, dass der Fußball zum Sonntag einfach dazu gehört und dass die gegenseitige Wertschätzung steigen wird. Ich glaube fest daran, dass einige einsehen werden, dass es ein Miteinander ist und wir diese Gemeinschaft brauchen. 

 

In unserer Serie "Die Unbestechlichen" stellen wir euch mit Interviews, Portraits und kleinen Geschichten die Schiedsrichter im Kreis und in der Region näher vor. Gerade aktuell, wo im Amateurfußball nichts läuft, lohnt es sich, darüber nachzudenken, dass ohne unsere Unparteiischen ebenfalls kein Spielbetrieb möglich wäre. 



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Pl. MannschaftSp. TorePkt.
1    SC Münster 08 II 19    65:11 55  
2    TGK Tecklenburg 20    81:24 51  
3    SV Bösensell 19    49:10 49  
4    Neuenkirchen II 20    71:25 46  
5    Arm. Ibbenbüren 19    63:31 45  

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