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Serie: Die Unbestechlichen

Michelle Pruß zeigt die Rote Karte - das allerdings nur für eine PR-Kampagne der Steinfurter Schiedsrichtervereinigung. Die Platzverweise, die sie auf dem Platz wirklich aussprechen musste, kann sie nach eigener Aussage an einer Hand abzählen.

Michelle Pruß träumt vom Frauen-Gespann


von Christian Lehmann

(05.05.20) Schiedsrichterinnen sind in Steinfurt rar gesät. Nur insgesamt zwei Frauen, Anne Möwes und Michelle Pruß, sind aktuell im Fußballkreis als Unparteiische gemeldet. Pruß ist 28 Jahre jung - und damit schon die Hälfte ihres Lebens Schiedsrichterin. Im März 2006, damals war sie noch als Spielerin und Trainerin bei Alemannia Salzbergen aktiv, machte sie gemeinsam mit einer Freundin den Lehrgang. Während die Kollegin nach einer Saison aufhörte, blieb Pruß am Ball - oder vielmehr an der Pfeife.

"Mich hat's irgendwie gepackt", sagt die Rheinenserin, die als Webentwicklerin in Münster arbeitet. Sie räumt aber auch ein, dass die ersten Spiele nicht nur ein Zuckerschlecken waren. "Am Anfang musst Du erstmal ein bisschen was aushalten und ein dickes Fell haben. Gerade bei den Männern geht's härter zur Sache, es wird auch mehr gemeckert. Man muss schon konsequent pfeifen, um sich Respekt zu verschaffen. Sonst kann es schnell in eine andere Richtung gehen..."

Neue Prioritäten gesetzt

Mit dem Wechsel von Salzbergen zum TuS Recke verschoben sich die Prioritäten, fortan konzentrierte sich die Torhüterin überwiegend darauf, selbst zu spielen. Das tat sie auch beim Bezirksligisten Germania Hauenhorst II mit viel Enthusiasmus. Ihr Schiedsrichter-Background war dabei nicht immer nur hilfreich. "Wenn ein Kollege dann gewisse Dinge nicht sieht, kann ich manchmal meinen Mund nicht halten. Teilweise nutzen die Schiedsrichter im Frauenfußball ihren Spielraum sehr weit aus und lassen das Spiel einfach weiterlaufen. Das entspricht nicht immer den Regeln." Pruß teilt die Ansicht vieler Fußballerinnen, dass die Schiris bei den Frauen durchaus auch mal härter durchgreifen dürften, sofern es erforderlich ist.

Gerne steht Pruß als Schiedsrichterin auf dem Feld, fast noch mehr Spaß macht es ihr aber, als Assistentin an der Seitenlinie zu stehen. In der Saison 2009/10 tat sie dies in Niedersachsen mit Schiedsrichterin Manal Harb und einem reinen Frauen-Gespann, das Spiele bis hoch zur Oberliga leitete. Das war seinerzeit ein Novum. "Das war eine sehr coole Zeit. Ich würde mir wünschen, dass wir das bei uns im Kreis auch mal in dieser Form hinbekommen", sagt Pruß. Dafür braucht es allerdings weiblichen Zuwachs in der Schiedsrichter-Familie. Es ist nicht so, dass Michelle Pruß keine Werbung gemacht hätte - bisher allerdings ohne nachhaltige Wirkung. "Es ist sehr schade. Ich kann das auch nicht ganz nachvollziehen. Ich kenne bei uns im Verein genug, die das Zeug dazu hätten."

Spielabbruch im Kreispokal-Finale

Davon, dass man auch als Unparteiische einiges erlebt, kann Pruß ein Liedchen singen. Als Leiterin des jüngsten Kreispokal-Endspiels zwischen Borussia Emsdetten und der SpVgg Langenhorst-Welbergen etwa musste sie das vielleicht prestigeträchtigste Spiel ihrer bisherigen Laufbahn wegen eines Gewitters abbrechen. Die Neuauflage konnte sie nicht selbst leiten, weil sie da im Urlaub weilte. In ziemlich guter Erinnerung hat sie auch das Kreisliga B-Spitzenspiel der Männer zwischen Vorwärts Wettringen und SW Weiner. "Da war richtig Feuer drin - und es waren richtig viele Zuschauer da. Das Spiel war nicht so leicht zu leiten - hinterher habe ich aber ein gutes Feedback bekommen." Das war auch nach einem turbulenten Kreispokalspiel in Leer der Fall, in dem Pruß einen strittigen Strafstoß pfeifen und sich anschließend von außen einiges anhören musste. 

Mit Michelle Pruß als Rückhalt blickt Germanias Frauen-Reserve auf eine erfolgreiche jüngere Vergangenheit zurück. Die aktuelle Saison lief allerdings nicht ganz so, wie es sich die Hauenhorsterinnen vorgestellt hatten. Womöglich rettet der Corona-bedingte Saisonabbruch dem aktuellen Schlusslicht jedoch den Bezirksliga-Verbleib. Denkbar ist auch, dass die Germania freiwillig in der Kreisliga startet. Fest steht, dass sich Michelle Pruß wieder vermehrt der Schiedsrichterei widmen möchte. "Ich möchte mich etwas zurückziehen. Ich werde sicherlich noch weiter aktiv sein, aber nicht mehr in diesem Maße. Meine fußballerische Laufbahn ist jetzt nicht mehr auf ihrem Höhepunkt", sagt sie mit einem Grinsen. Als Unparteiische würde sie gerne aber noch ein wenig höher hinaus. "Aktuell fühle ich mich bei den Männern in der Kreisliga schon recht wohl. Bei den Frauen könnte ich mir aber schon eine höhere Spielklasse vorstellen." Am liebsten natürlich als Teil eines reinen Frauen-Gespanns...



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