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Ganz entspannt im Getümmel. Die tolle Atmosphäre beim Aufstiegsspiel zwischen dem Skiclub Rheine und Galaxy Steinfurt konnte auch Philipp Romahn als Schiri-Assistent genießen.

Ist Schiedsrichter sein wieder "in"?


von Christian Lehmann

(28.04.20) Meistens wird die Frage, ob etwas "in" ist oder nicht, ja von genau den Leuten gestellt, die von vorgestern sind. Wir mussten es trotzdem riskieren. Philipp Romahn (22) ist seit acht Jahren Schiedsrichter für den SV Mesum, pfeift Spiele bis hoch zur Bezirksliga und hat sich im Kreis-Schiedsrichter-Ausschuss der Aufgabe verschrieben, die Wahrnehmung der Referees in der Öffentlichkeit zu verbessern. Wir haben mit ihm im Interview über schöne und weniger schöne Momente seiner Laufbahn, Vorbilder sowie die Anfänge mit einer ziemlich verkorksten Feuerprobe gesprochen.

 

Hallo Philipp. Warum bist Du Schiedsrichter geworden?

Romahn (lacht): Das ist meine Lieblingsfrage. Ich war damals 14 Jahre alt, als es diesen Oster-Lehrgang gab. Mein Vater hat mich damals auf eine Zeitungs-Annonce hingewiesen. Ich habe damals noch nach einem Hobby gesucht, war auch fußballbegeistert, habe aber immer gedacht, um selber einzusteigen, fehlt es am nötigen Talent. Ich habe hier und da an einem Training teilgenommen, aber nie selber aktiv gespielt. Ich habe mich dann aus dem Bauch raus angemeldet und den Lehrgang mit Christian Schmees und Michael Reichert gemacht. In den ersten Spielen bin ich so ein bisschen durch den Scheuersack gegangen, danach habe ich dann aber Blut geleckt und Ehrgeiz entwickelt.

 

Erinnerst Du dich ganz konkret an dein erstes Spiel? Was ist da hängen geblieben?

Romahn: Ich habe das noch ziemlich genau vor Augen. Abläufe, die heute automatisch vonstatten gehen, waren mir damals überhaupt nicht klar. Ich wäre verloren gewesen, wenn ich nicht damals meinen Paten Christian Schmees gehabt hätte. Ich hatte kein eigenes Trikot, sondern habe ein altes bekommen, das mir viel zu groß war und dementsprechend aussah. Ich habe in diesem Spiel zigtausend falsche Entscheidungen getroffen. Das war ein C-Jugend-Spiel, und ich stand die ganzen 70 Minuten unter Voll-Adrenalin und war richtig angespannt. Nach dem Abpfiff wollte dann der Trainer der Gast-Mannschaft noch mit mir sprechen, da hat sich mein Pate in die Tür gestellt, ihn weg geschickt und gesagt: "Das war sein erstes Spiel, da sind deine Einwände für C-Jugend Kreisliga B absolut ungerechtfertigt."

 

Gab's danach noch irgendwelche schlimmen oder auch besonders schöne Momente?

Romahn: Nicht so schön war für mich persönlich eine Szene im Kreisliga A-Derby zwischen Matellia Metelen und Arminia Ochtrup. Danach gab es dann auch eine Spruchkammer-Verhandlung. Ich war mit 17 frisch in die Kreisliga A aufgestiegen. Das ist durchaus ein Privileg gewesen in diesem Alter. Es ging um ein Abseitstor, die Metelener waren der Meinung, dass der Abseitspfiff vor der Erzielung des Tors ertönt ist. Die Szene war sehr undurchsichtig, für mich als junger Schiedsrichter war das sehr undankbar - und das vor rund 500 Zuschauern! Ich hatte keinen Assistenten oder Beobachter dabei. Ich habe da sehr viel mitgenommen, wie man sich nach dem Spiel zu solchen Szenen stellt und verkauft. Es war sehr emotional, aber es ist niemand verletzt oder beleidigt worden. Wir befinden uns immer noch in einem Bereich, in dem die Leute mit Anstand miteinander umgehen. Damals fehlte es mir vielleicht auch noch etwas an Reife, heute würde ich das anders regeln. Ich habe lange daran geknabbert, aber rückwirkend habe ich sehr viel mitnehmen können. 

Was waren die schönen Momente?

Romahn: Das war zum einen ein Westfalenligaspiel zwischen dem TSV Marl-Hüls und dem FC Brünninghausen. Erster gegen Zweiter, da ging es um ziemlich viel vor über 1.200 Zuschauern in dem kleinen Stadion. Ich hatte die ganze Tribüne hinter mir, damals hat Philipp Holzenkämpfer gepfiffen. Ich war vor dem Spiel sehr angespannt, das war eine Nummer. Es war ein sehr gutes, schnelles Fußballspiel. Das größte Lob für mich war, dass mich Philipp nach dem Spiel zur Seite genommen hat und gesagt hat 'Was Du da heute in deinen jungen Jahren geleistet hast, war bockstark!' Das beflügelt einem und gibt einem das Gefühl, dass es die richtige Entscheidung war, Schiedsrichter zu werden.
Zum anderen erinnere ich mich gerne an das Entscheidungsspiel um den A-Liga-Aufstieg zwischen dem Skiclub Rheine und dem FC Galaxy, das Max Mendrina geleitet und wo Steffen Rauhs und ich assistiert haben. Vom Ergebnis her war das nicht so spannend, aber die Atmosphäre mit knapp 1.000 Zuschauern war einfach geil. Die Skiclub-Meute stand direkt hinter mir. Es hat auch etwas, wenn dann das Spiel abgepiffen wird und das ganze Publikum rastet aus.

 

Bei vielen Schiedsrichtern ist es offenbar nicht üblich, Vorbilder zu haben. Wie ist das bei dir?

Romahn: Da gibt es schon ein paar Kollegen. Ich habe mich in den Anfangsjahren sehr stark an unseren überkreislichen Schiedsrichtern wie Jan Lohmann oder Philipp Holzenkämpfer orientiert. Von Lennart Brüggemann habe ich mir viel angenommen, bei Christian Kadell habe ich meine ersten Spiele an der Seitenlinie gemacht. Ich habe lange kein Vorbild aus dem Profifußball gehabt wie zum Beispiel Collina. Die erfahrenen Leute hier wie Jan und Max Mendrina oder auch Christian Schmees und Jürgen Lütkehaus waren greifbar, man konnte sie ansprechen. Heute ist für mich Deniz Aytekin als Typ Schiedsrichter, wie er mit den Leuten spricht und Spiele leitet, ein Vorbild. Den finde ich sehr gut, auch, wie er sich in der Öffentlichkeit gibt.

 

In den vergangenen Jahren wurde stets über zu geringe Schiedsrichter-Zahlen geklagt. Inzwischen, das trifft auch auf die Besetzung des neuen Kreisschiedsrichter-Ausschusses zu, gibt es immer mehr junge Menschen, die sich engagieren. Ist Schiedsrichter sein wieder "in"?

Romahn: Unser Kreis-Schiedsrichter-Obmann hat in der Vergangenheit viele Appelle an die Vereine gerichtet und den Schiri-Mangel thematisiert. Ich bin jetzt seit einem Jahr im Ausschuss und bekomme natürlich die Diskussionen um dieses Thema mit. Wir haben Schiedsrichter, die in den nächsten fünf bis zehn Jahren sagen werden, sie packen es gesundheitlich nicht mehr. Oder solche, die ein Haus bauen, eine Familie gründen und deswegen pausieren oder aussteigen wollen. Das muss man mit einkalkulieren. In letzter Zeit hatten wir schon das Gefühl, es gewinnt wieder an Bedeutung. Es ist sehr bedauerlich, dass die Corona-Pandemie uns jetzt einen Strich durch den letzten Lehrgang gemacht hat. Es wären über 15 Anwärter dabei gewesen. Wir haben in den letzten Jahren sehr viele junge Schiedsrichter für uns gewinnen können. Uns fehlt ein wenig die goldene Mitte, also diejenigen zwischen 30 und 50 Jahre. Einer wie zuletzt Christian Arning oder aber auch Ralf Schipp waren für uns Gold wert. Daran mangelt es uns ebenso wie an Frauen. Wir haben mit Michelle Pruß und Anne Möwes zwei Frauen an der Pfeife, das ist einfach zu wenig. Damit könnten wir die Spiele im Frauen-Bereich besser besetzen, aber auch im Männer-Bereich sieht man, dass es super funktionieren kann. Bibiana Steinhaus in der Bundesliga ist ein gutes Beispiel dafür, dass Frauen einen ganz anderen Zugang zu den Männern haben. Vanessa Arlt ist bei uns in der Region ein Paradebeispiel dafür, dass man in diesem Hobby auch als Frau etwas reißen kann.

 

Wieso macht man freiwillig Öffentlichkeitsarbeit für die Schiedsrichter?

Romahn: Ich packe gerne mit an. Das Amt war zwei Jahre lang unbesetzt, ich habe eine Struktur vorgefunden, wo Optimierungs-Bedarf bestand. Es gab eine alte Internet-Seite, es gab einen Facebook-Account. Inzwischen  Es ist auch mit einem großen Zeitaufwand verbunden. Es war für mich ein Anreiz, unseren Kreis vom Schlusslicht zu einem guten Stand zu bewegen. Da habe ich auch immer nach Münster geschaut, wo die PR-Arbeit immer sehr ordentlich lief. Es braucht halt immer ein paar Bekloppte, die es tun. 

Der Kreis-Schiedsrichter-Ausschuss wurde im Vergleich zu den Vorjahren deutlich verjüngt. Ansetzer Christian Brackhues und Schiri-Obmann Jürgen Lütkehaus sind schon ein paar Jährchen dabei, Philipp Romahn (Beisitzer), Christoph Schulte (Ansetzer), Max Mendrina (Lehrwart) und Jan Lohmann (Lehrwart) vertreten aber die junge Generation der unter 30-Jährigen.


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2    TGK Tecklenburg 20    81:24 51  
3    SV Bösensell 19    49:10 49  
4    Neuenkirchen II 20    71:25 46  
5    Arm. Ibbenbüren 19    63:31 45  

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