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Kreisliga A - Anschwitz History

Bilder von der Meisterfeier des SV Dickenberg anlässlich des Bezirksliga-Aufstiegs 2004. Vorne mit der Schale: Ingo Wenzel. Foto: privat

Ein Märchen aus Mischung, Kette und Vertrauen


Von Stephan Meyer

(25.04.20) Blickt man auf das letzte Jahrzehnt im hiesigen Fußball zurück, verbindet man den SV Dickenberg eher mit B-Liga-Fußball. Den SC Preußen Lengerich hingegen stuft der Kenner dann doch schon in den überkreislichen Bereich ein. Beide hätten morgen ein Date in der A-Liga gehabt. Und man lese und staune: Das Duell gab es im Zeitraum 2004 bis 2007 gleich sechs Mal in der Bezirksliga. Wir blicken zurück auf eine Ära beim SVD, die in der Vereinshistorie einmalig ist und fast einem kleinen Märchen gleicht. Auch für die Protagonisten selbst kam das alles doch eher überraschend.

Alles begann im Sommer 2001, als ein gewisser Uwe Gatz Cheftrainer auf dem Berg wurde. Der in Spelle beheimatete Übungsleiter war im Tecklenburger Land bis dato noch ein unbeschriebenes Blatt. Der SVD flemmte in der B-Liga. Gatz fand damals nach eigener Aussage "eine Truppe mit erkennbar guten Fußballern, die Disziplinprobleme hatte" vor. Aber es war eine Bereitschaft vorhanden, dies zu ändern und voran zu kommen. Gatz ließ damals bereits - wohlgemerkt in der B-Liga - dreimal die Woche trainieren. Eigentlich war das nur für die ersten vier Wochen der Saison geplant. Es blieb jedoch dabei. "So hatte man auch viel Zeit für taktische Dinge", beschreibt Gatz den Hauptvorteil. Und alle zogen eben mit. "Es gab keinen Spieler, der in der Zeit nicht besser geworden ist. Jeder hat gesehen, dass sich der Aufwand lohnt."

Zweimal Nachsitzen für die A-Liga

Jahr eins endete in der B-Liga "nur" auf Rang drei. Das Torverhältnis spielte damals jedoch keine Rolle, sodass der SVD aufgrund der Punktgleichheit mit dem Zweiten Türkspor Lengerich ein Entscheidungsspiel um den zweiten Platz erreichte, dessen Sieger widerum sich für ein Aufstiegsspiel gegen den anderen B-Liga-Zweiten qualifizieren würde. In Laggenbeck bezwang Dickenberg Türkspor mit 3:1. Nun wartete der SC Dörenthe in Lotte. Ein Elfmeter von Markus Lange reichte. Der SVD war nach dem 1:0 zurück im Kreisoberhaus. "Ich kann mich noch erinnern, wie Uwe damals gefragt wurde, ob er mit der Mannschaft wirklich aufsteigen wolle", schmunzelt Rüdiger Gövert, der damals schon höherklassige Erfahrung (ISV) in die Truppe brachte. Man traute den Dickenbergern eben nicht viel zu. Noch ahnte niemand, in welcher Form jeder eines Besseren belehrt werden sollte.

Uwe Gatz war seinerzeit ein Pionier im Fußballkreis, was die Einführunug der Viererkette angeht. In der A-Liga sollte es nun final so sein. Als erster Verein trat der SVD mit der Kette an. "Das haben wir bis zum Erbrechen trainiert", erinnert sich André Altmann zurück, der 2002 von Preußen Lengerich 2 rüber auf den Berg machte. "Ingo Wenzel war sich damals sicher, dass sein jüngerer Bruder Daniel das System nie kapieren werde", erinnert sich Gövert amüsiert zurück. Doch es funktionierte. Weil die Mannschaft es wollte. "So konnten wir viel mehr Druck über außen erzeugen. Das war ein Schlüsselfaktor", sagt Altmann heute. Ein Schlüsselfaktor wohlgemerkt für das, was noch kommen sollte.

Mit Feuerwerk in die Bezirksliga

Denn entgegen aller Erwartungen mischte das Team von Beginn an ganz oben mit im Oberhaus. Im ersten Jahr war ihnen der große Coup aber noch nicht gegönnt. "Da haben wir am Ende Nerven gezeigt", blickt Uwe Gatz zurück. Zwei Spieltage vor Schluss lag Dickenberg noch zwei Zähler vor dem SV Halverde. Dann vergeigte man daheim 1:2 gegen Stella Bevergern. Der kleine HSV zog vorbei und stieg eine Woche später auf. Ein Jahr später war der SVD dann dran. Souverän sicherte sich die Elf am vorletzten Spieltag am Pfingstmontag 2004 durch ein 3:0 beim VfL Büren Meisterschaft und Aufstieg. In zwei Jahren also von der B-Liga in die Bezirksliga. Zünftig muss es danach zugegangen sein auf'm Berg, wie Florian Lürwer berichtet, der 2003 von der ISV zum SVD wechselte, auch wenn es dauerte bis es der Tross in den Bus von Büren zur Vereinsgaststätte Antrup schaffte: "Beim Stand von 2:0 wurden draußen schon die Aufstiegsshirts ausgepackt. Bei Antrup wurde dann vom Dach ein riesiges Feuerwerk abgebrannt. Hunderte standen Spalier."

Natürlich: Zu einer Aufstiegssause gehören auch Aufstiegsgruppenfotos - mit Kind und Kegel. Foto: privat

Nun also überkreislicher Fußball im Dickenberger Waldstadion. Spieltag Nummer eins führte die Gatz-Truppe in Münsters Norden zum späteren Meister 1. FC Gievenbeck. Munter und selbstbewusste legte die Truppe los, führte gar zur Pause 1:0. Wolfgang Przbylla gelang mit einem Traumtor aus der Distanz der erste Bezirksliga-Treffer der Vereinsgeschichte. Am Ende zahlte man dennoch Lehrgeld, ging 1:6 baden. Doch der SVD kam an in der neuen Liga. An Spieltag Nummer zwei wartete am Ibbenbürener Kirmesfreitag im ersten Heimspiel das Stadtderby gegen die ISV. Für Florian Lürwer war es wie für manch anderen das Duell gegen seinen Ex-Club. Er selbst traf früh zum 1:0, sah Mitte der zweiten Halbzeit aber auch Gelb-Rot, nachdem er seinen heutigen Schwager Guido Börgel im Zentrum foulen musste. Doch auch in Überzahl gelang der ISV, die seinerzeit vom heutigen Dörenther Chef Ralf Scholz gecoacht wurde, kein Treffer. René Scheidt machte kurz vor Schluss mit dem 2:0 den Deckel drauf. Hunderte Dickenberger feierten ihre Truppe, die im Anschluss den besseren Kirmesabend als die ISV gehabt haben dürfte.

Top-Teams lernen den Berg kennen

Die Partie war eine von vielen Highlightspielen, die das Team besonders zuhause auf die Platte brachte. Im Rückspiel lernte auch Top-Team Gievenbeck den Berg kennen, unterlag dort 1:3. Am Saisonende landete der Aufsteiger im ersten Jahr auf einem starken elften Rang mit acht Zählern Vorsprung auf die Abstiegsränge. In der folgende Saison steigerte sich das Team nochmals, wurde am Ende starker Zehnter. Am Ende ging der Mannschaft ein wenig die Puste aus. Fünf Wochen vor Saisonende schnupperte man gar noch an Rang zwei. Und auch in dieser Spielzeit lernte der spätere Meister den Berg kennen. Im Februar 2006 verlor der von Uwe Laurenz trainierte SV Mesum beim SVD mit 1:2. Carsten Wolff, heute Trainer der Zwoten von Arminia Ibbenbüren, ließ den Dickenberger Anhang kurz vor Schluss jubeln. Die ISV, mittlerweile von Bruno Graw trainiert, wurde in der Saison gar mit 5:1 aus dem Stadion geschossen. "In beiden Jahren haben wir eine gute Klinge gespielt", fasst Uwe Gatz die Zeit zusammen.

Aber was hat es denn nun eigentlich ausgemacht, dass dieses kleine Märchen Realität werden konnte. Die Mannschaft hatte natürlich ihre Eckpfeiler. In der Hütte stand mit Thomas Geers ein Schnapper, der nicht nur auf der Linie seine Stärken hatte, sondern damals nahezu prädestiniert wirkte für das Spiel mit der Viererkette. "Sein Torwartspiel war da schon modern. Er hat viele lange Bälle der Gegner mutig abgefangen und so oft verhindert, dass es gefährlich werden konnte. ", erinnert sich Florian Lürwer, der aktuell in Niedersachsen BW Merzen trainiert. Defensiv dirigierten der erfahrene Gövert und Markus Lange Kette und Spielaufbau. "Markus war eigentlich eher der Typ klassischer Vorstopper. Er hat sich in den Jahren fußballerisch enorm weiterentwickelt", beschreibt Gövert. Mit André Altmann beackerte einer die Außenposition, dem Lürwer eine "Pferdelunge" nachsagt und der von Uwe Gatz als "vielleicht der Außenverteitiger überhaupt zu der Zeit" betitelt wird. Im Zentrum nervten Benny Lange und Dirk Althaus ihre Gegenspieler mit großer Zweikampfstärke. Vorne zog zwischendurch mit Lürwer und Markus Klimke ein Sturm auf, der laut Gatz "für 35 Tore in der Bezirksliga gut war". Nennen könnte man sie alle. "Es war das Paket", wie Rüdiger Gövert klarstellt. "Das Mannschaftsgefüge, die Mischung aus alt und jung und der Trainer haben perfekt zusammengepasst."

Gatz ein "verrückter Trainer"

Uwe Gatz war bekannt dafür, an der Außenlinie ein Heißsporn zu sein, was ihm bei anderen Vereinen nicht nur Freunde brachte. "Uwe war vielleicht überehrgeizig, aber für uns genau der Richtige", sagt Gövert heute. Lürwer nennt Gatz zunächst schmunzelnd "einen verrückten Trainer", stellt dann aber heraus: "Als Spieler wusste man, man kann sich offen mit ihm streiten. Man hat sich immer offen und ehrlich die Meinung gesagt und es wurde einem nie übel genommen." Da ging es auch um Vertrauen. Und davon gab es reichlich in der Mannschaft. Lürwer: "Gegenseitig herrschte viel Vertrauen. Das hat man gespürt und dann auch zurückgegeben." Alle zogen eben an einem Strang. "Jeder hat andere Dinge hinten angestellt und jeder Spieler von außerhalb war ein Glückstreffer", ergänzt Gövert. Und dann war da ja auch noch die vielleicht besondere Atmosphäre, die zu der Zeit bei Heimspielen im Waldstadion herrschte. Als die Mannschaft sich auf den gut 100 Meter langen Weg von der Kabine Richtung Platz machte, wurde über die Stadionlautsprecher immer laut "Hells Bells" von ACDC gespielt. "Man stand schon mit Gänsehaut am Anstoßkreis. Da brauchte es fast keine Motivationsansprache vom Trainer", blickt Florian Lürwer zurück. Zuschauer waren ebenfalls immer zahlreich zugegen. "In der Kurve war immer richtig Radau."

Dass ein kleines Märchen aber eben auch endet, erfuhr der SV Dickenberg dann in der Saison 2006/2007. Erfolgscoach Gatz hatte den Verein im Sommer 2006 in Richtung SC Spelle-Venhaus verlassen. "Das Problem war, dass es keinen eigenen Nachwuchs gab", sagt dieser. Das sieht Rüdiger Gövert, der dann für Gatz als Spielertrainer übernahm, genauso: "Es fehlte der Druck von unten. Und es war klar, dass ein paar Pfeiler wegbrechen würden." Mit einem arg ausgedünnten Kader stieg die Mannschaft 2007 als Schlusslicht wieder in die A-Liga ab. Gövert beschreibt: "Da hatten wir nicht mehr die Qualität, haben das aber gelassen genommen. Wir wussten, dass die Bezirksliga bei uns dauerhaft nicht darstellbar ist. Das musste man akzeptieren." Die Erinnerungen bleiben so oder so: "Keiner hat damit gerechnet, dass wir so steil gehen würden."

Da war schon was los, als der Berg die Bezirksliga erklomm... Foto: privat

Für großes Aufsehen sorgte indes ein Personalcoup von Uwe Gatz Anfang 2004, der wohl seinesgleichen sucht. Plötzlich herrschte Zweitliga-Flair auf dem Berg. Gatz hatte seine Connections spielen lassen und konnte "aus alter Verbundenheit aus Stützpunktzeiten" einen gewissen Robert Thoben bis Saisonende für sein Team gewinnen. Der hatte von 1984 bis 1999 fast 450 Pflichtspiele für den SV Meppen bestritten und ist mit 61 Buden Zweitliga-Rekordtorschütze der Emsländer. Zwölfmal schnürte der nochmal die Schuhe für den SVD. Viele hielten die Verpflichtung anfangs für einen Scherz. Beim ersten Training, wo er angekündigt war, lagen ein paar Zentimeter Schnee. Rüdiger Gövert flachst: "Da haben wir alle zu Uwe gesagt, der kommt bestimmt nicht." Aber Thoben kam, packte mit an und erlebte im späten Fußballalter nochmal einen richtigen Aufstieg mit. Gövert teilt daher gern eine persönliche Erinnerung: "Ich werde nie vergessen, wie er bei der Meisterfeier mit Zigarre bei Antrup am Thresen saß. Er hat richtig mitgefeiert."

Vor fast genau zehn Monaten traf sich der Großteil der Truppe übrigens wieder. Mit André Altmann hing im vergangenen Sommer der letzte verbliebene Aktive aus der Ära seine Schuhe an den Nagel. Gövert und Co. organisierten ein Abschiedsspiel, in dem die Jungs von damals gegen die aktuelle SVD-Elf antraten. Man trennte sich bei heißen Temperaturen 2:2. Uwe Gatz, der heute sein erstes Pensionsjahr genießt und für das Telefonat mit der Heimspiel-Redaktion extra das heimische Rasenmähen unterbrach, war natürlich als Coach dabei und erzählt lachend: "Die Jungs haben sich achtbar aus der Affäre gezogen. Einige sind aber doch ein bisschen fülliger geworden."

Ach ja, wir sind vielleicht etwas abgeschweift: Von den Bezirksliga-Duellen gegen Preußen Lengerich gingen zwei an den SVD, dreimal siegten die Preußen. Aktuell deutet viel darauf hin, dass es das Duell weiterhin in der A-Liga geben wird. Ganz bald.

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