Kreisliga A
Die Bad Boys sind Geschichte
Von Fabian Renger
(02.05.24) Jahrelang hat es der SV Büren immer wieder versucht und galt verlässlich als Aufstiegsaspirant Nummer eins. Irgendwie hat es nie sein sollen. Der SVB scheiterte in den vergangenen Spielzeiten meistens ein stückweit an sich selbst. Das wird in den nächsten Tagen keine Sau mehr interessieren. Denn: Durch den 3:0 (1:0)-Heimsieg über SW Lienen am Donnerstag steigt die Truppe von Cheftrainer Marcel Czichowski und seiner rechten Hand Nino Lücke in die Bezirksliga auf - nach 31 Jahren Abstinenz. Der Meistertitel ist der Truppe drei Spieltage vor Schluss nicht mehr zu nehmen. Und das ist mehr als nur verdient. Das Erfolgsrezept: Die Bad Boys aus Büren sind Geschichte.
Der SVB funktionierte endlich mal als Kollektiv
"Der größte Unterschied in dieser Saison im Vergleich zu den letzten war einfach dieses Kollektiv", schaute Czichowski kurz nach dem Abpfiff zurück auf die vergangenen Monate. "Wir hatten viele große Namen hier, die alle tolle Fußballer sind, am Ende ist es uns aber nicht gelungen, dieses Kollektiv herbeizuführen." Das war in diesem Jahr anders. Und irgendwie stand auch das entscheidende Spiel gegen SWL genau unter diesem Motto: Scheißegal, wer fehlt, wir machen es einfach.
Gleich sieben Änderungen musste der SVB im Gegensatz zum Sieg über Hopsten vornehmen. Säulen wie Jeremy Karikari (es gibt wohl keinen clevereren wie durchdachter spielenden Fußballer in der Liga), Deni Alagic (eine Kante von einem Stürmer) oder Thomas Kildau (die Ruhe in Person hinten drin) fehlten. Drei Leute, die im Sommer neu dazu gekommen sind. Die Transfers saßen aber mal sowas von. "Wir sind einfach die geilste Truppe des Kreises. Wir sind reif, wir sind gut drauf, wir haben Qualität. Alles in allem hat es einfach gepasst: Von jung bis alt", sagte Lücke.
Die beste Offensive, die beste Defensive - überall top
Vor ein paar Wochen sprach er im Anschwitzen vom Bürener Vier-Säulen-Prinzip. Das traf den Kern des Erfolgs wohl auf dem Punkt. Der SVB hat seine Achse gefunden - endlich eine, die nicht nur individuell was am Ball kann, sondern eine, die auch funktionierte. Hinten mit Keeper Nick Gumenschaimer, vorne mit Jeff Weber. Gumenschaimer führt die beste Defensive der Liga an. Weber ist treffsicherster Torschütze der Truppe (20 Hütten) und Teil der mit Abstand stärksten Sturmreihe der Liga (78 Tore).
Auch gegen Lienen traf er wieder zweifach. Warum der SVB in diesem Jahr fällig war? "Weil wir gerade zum Ende der Hinrunde und zum Anfang der Rückrunde den besten Fußball gespielt haben, seitdem ich hier bin", befand der 32-Jährige, der 2022 zum SVB wechselte. "Es war hochverdient, wir haben da jeden Gegner dominiert. Im letzten Jahr hatten wir viele Nickligkeiten innerhalb des Teams. Wir haben es versucht, anders zu machen als im letzten Jahr...:" Das haute in den ersten drei Spielen nicht hin, die allesamt verloren gingen. Danach folgten 20 Spiele ohne Niederlage in Serie. Wie ging das? Webers einfache Erklärung: "Wir haben uns getroffen, zusammengesetzt, zusammengerauft und uns gesagt: Jungs, wir können es besser - und das haben wir bewiesen."
Weber: "Das haben wir bewiesen"
Kann man so sagen. Neben den passenden Neuzugängen als Gamechanger und dem neuen Wir-Gefühl müssen wir auch noch kurz über zwei weitere Dinge sprechen. Thema Nickligkeiten: Im Vorjahr lag der SV Büren auf Platz 18 von 18 in der Fairnesstabelle. In diesem Jahr war das ganz anders, zwischenzeitlich war der SVB die fairste Truppe der Liga. Aktuell ist's dort Platz sechs. Man könnte auch von "Bad Boys a.D." sprechen.
Und dann war da der Winter. Da musste Büren mal in keine Turnhalle ausweichen, sondern durfte bei den SF Lotte auf dem Kunstrasen ran. Durchtrainieren im Winter, das war wie ein Paradies. Auch das half natürlich. Dass Czichowski jetzt nach neun Jahren im Amt seinen Heimatverein nach oben brachte, macht ihn logischerweise mehr als nur happy. "Das Thema hier ist mir sehr ans Herz gewachsen, deswegen sind wir immer wieder dran geblieben", so der Cheftrainer. Lücke ergänzte: "Wir haben es geschafft und sind da, wo wir hin wollten. Da sind wir brutal stolz drauf. Was wir in diesem Jahr geleistet haben, ist überragend und das ist jetzt einfach ein richtig geiles Gefühl."
Klug, Ekicibil und "Pedrinho" kriegen ihre Saisondebüts
Was die Truppe in diesem Jahr ausmacht, zeigte auch das Lienen-Match hervorragend. Der über 40-Jährige Selahattin Ekicibil war stets Dauergast im Training und bekam noch seine ersten 20 Minuten der Kreisliga A. Patrick Klug musste verletzt das gesamte Jahr passen und durfte auch noch für ein paar Minuten ran. Ebenso der eigentlich mit einem Schienbeinbruch außer Gefecht gesetzte "Pedrinho". Da ist was entstanden. Blieb die Frage, was noch so gehen könnte in so einer Nacht? "Die Bude dahinten auseinander nehmen", deutete Weber aufs Vereinsheim. Und wer am längsten durchhält? Der Stürmer lachte: "Ich!" Auflösung folgt - vielleicht...
Zum 3:0-Sieg über Lienen
Es war ein mühseliger Abend für den SVB. Das Spiel gegen SW Lienen entwickelte sich von Beginn an zu einem regelrechten Geduldsspiel. Die Gäste machten hinten schön dicht und imponierten mitunter mit ihrem Einsatzwillen. Nach 20 Minuten schrie Bürens Tim Gumenschaimer beim x-ten, zu lang oder ungenau gespielten Ball laut 'oh man'. Sie waren so weit...
Torchancen? Gab es kaum. Zumindest keine so wirklich nennenswerten. Hier mal was Halbgares aus dem Rückraum, da mal ein misslungener Freistoß, da mal ein semigefährlicher Kopfball. Am gefährlichsten war wohl noch Gumenschaimers Versuch, den Lienens Luca Krüger am Fünfmetereck unnachahmlich klärte (35.). Erst mit dem Halbzeitpfiff brachte Ilijan Ridic die Hausherren in Front, ein Ball kam zu ihm auf der linken Seite und er hatte einmal Glück und Platz (44.). Der Bann und die tapfer kämpfenden Gäste waren im zweiten Abschnitt schnell gebrochen. Jeff Webers Doppelschlag zum 2:0 und 3:0 (56./59.) sollte auch den letzten Bürener Pessimisten zum Schweigen bringen. Leon Höfner traf zwischendurch noch den Pfosten (50.) und Selahattin Ekicibil scheiterte an SWL-Schnapper Joshua Heinze (75.).
Lienens Trainer Lars Falke konnte alles in allem mit dem Auftritt leben: "Ich denke, in der ersten Halbzeit haben wir uns ganz gut präsentiert - auch angesichts der personellen Lage, die schon prekär ist bei uns. Wir haben alles wegverteidigt bis zur 44. Minute. Ich glaube, gehen wir mit einem 0:0 in die Halbzeit, wird es hinten raus einen anderen Spielverlauf geben. Rein hypothetisch. Am Ende des Tages geht der Sieg aber schon in Ordnung."
SV Büren - SW Lienen 3:0 (1:0)
1:0 Ridic (44.), 2:0 Weber (56.)
3:0 Weber (59.)








































