Kreisliga A - Doppelpass
"...die kriegen das auch ohne mich hin"
Von Fabian Renger
(06.06.24) "Das ist eine geile Truppe, wir haben coole Charakter drin, das werde ich definitiv vermissen." Sebastian Kuschel fällt eventuell demnächst in ein kleines Loch. Der 34-Jährige hat sein letztes Spiel als Aktiver von Cheruskia Laggenbeck hinter sich gebracht. Und das ist tatsächlich mehr als nur eine Erwähnung wert. Seit 1994 (!!!) war Kuschel spielberechtigt für die Cheruskia - und seitdem hat er ausschließlich in Laggenbeck gekickt. Das ist inzwischen sicherlich eine Seltenheit. Neulich beim letzten Saisonspiel gegen den TuS Recke wurde er verabschiedet. "Das ist mir leid abgegangen", so Kuschel. "Ich war die ganze Zeit entspannt damit. Aber das war dann doch was anderes, zu wissen, dass es das jetzt wirklich war."
Unter Nico Fehlhauer stieg er einst in die Bezirksliga auf, unter Heiko Becker enterte er die Kreisliga A. Er hat so einiges erlebt in all den Jahren. Doch nicht ist nicht aller Tage Abend. Am vorigen Wochenende feierte Teamkollege Fabian Harte seine Hochzeit, samstags stand eine teaminterne Planwagenfahrt als Saisonabschluss an und am Wochenende geht der Flieger gen Malle. Danach war's das für Kuschel. Er wird Altherren-Leistungsträger. Und in Laggenbeck "wurde schon gefragt, wer sich bei mir auf den Platz setzen darf." Jetzt fragen wir ihn den Routinier, der die gesamte rechte Bahn stets zuverlässig beackerte, aber erstmal aus.
Wie fühlt sich das denn jetzt an, Fußball-Rentner zu sein?
Kuschel: Bislang ist's ganz entspannt und man sieht sie ja auch noch jedes Wochenende. Jetzt geht's auf Mannschaftsfahrt nach Malle. Dann wird es erstmal ein bisschen ruhiger und es wird wahrscheinlich erst komisch, wenn die wieder anfangen mit dem Training.
Aber du könntest ja locker noch ein paar Jahre machen. 26 Spiele waren es in dieser Saison, 29 im letzten Jahr, davor in der Zweiten auch 26. Bist ja eigentlich gut drauf für dein Alter...
Kuschel: An der körperlichen Fitness hat's nicht gelegen...
...woran denn dann? Konntest du die alle nicht mehr sehen?
Kuschel (lacht): Ne. Ich hab für mich immer ein bisschen gesagt, ich wollte früh genug aufhören und nicht dann, wenn ich nur noch so durchgezogen werden muss. Das hat geklappt. Vor anderthalb Jahren habe ich eine Tochter gekriegt, die auch mehr Aufmerksam bekommen möchte. Da hab ich für mich gesagt: Es reicht jetzt auch. Wir haben so viele gute Jungs, die kriegen das auch ohne mich hin.
Das wird demnächst dann vermutlich eine Umstellung für dich.
Kuschel: Meine Frau hat schon zu mir gesagt: Ich weiß gar nicht, wie das ist, wenn du nicht jede Woche zwei- bis dreimal zum Fußball fährst - nicht, dass dir die Decke auf den Kopf fällt.
Darüber müssen wir uns keine Sorgen machen. Im Jugendbereich engagiert sich Kuschel als Kassenwart, beim Altherren-Training wird man ihn demnächst auch regelmäßig sehen. Sport wird er weiter machen. "Mir ist es einfach zu viel Aufwand. Erst vollzeit arbeiten, dann komme ich um fünf nach Hause, eben Tasche packen und dann auf zum Platz. Mit Mitte 20 fand ich das geil, mittlerweile denke ich mir aber: Wenn ich dienstagabends nicht zum Training muss, habe ich da auch keinen Stress mit."
Gab es denn in all den Jahren mal Anfragen von außerhalb?
Kuschel: Konkrete Anfragen gab es nie. Ich hätte auch niemals einen Grund gehabt, zu sagen: Okay, Laggenbeck, das ist nichts mehr für mich. Ich hab nie was anderes gesehen und wollte auch nie was anderes sehen.
Klassikerfrage, die dir bestimmt zuletzt nie jemand gestellt hat: Was war so dein Highlight, wenn du mal auf die 30 Jahre zurückblickst?
Kuschel: In der Jugend gab es mal ein Kreispokalfinale gegen die ISV, das wir aber sang- und klanglos 0:3 verloren haben. Im Herrenbereich, als ich gerade hochgekommen bin, sind wir unter Heiko Becker direkt in die Kreisliga A aufgestiegen. Das war schon echt cool, das als 18-Jähriger mitzuerleben. Dann haben wir uns in der Liga etabliert und sind unter Nico Fehlhauer relativ unerwartet in die Bezirksliga aufgestiegen.
2018 war das.
Kuschel: Genau. Mit einer Riesenparty nachher, damit hatte ja auch so keiner gerechnet im Vorfeld. In der Bezirksliga wurde es ein bisschen weniger mit meinen Spielanteilen.
Dann bist du ja in die Zweite runtergegangen.
Kuschel: Das war auch ganz cool, wir sind direkt in die A-Liga aufgestiegen mit der Zweiten. Dann bin ich unter Vladan Dindic wieder hochgekommen in die Erste. Das war immer eine stimmige Truppe und hat immer Spaß gemacht.
Welchen Mitspieler wirst du denn am meisten vermissen? Doofe Frage, alle natürlich, aber gibt's da einen speziellen?
Kuschel: Seitdem ich in den Herren spiele, gibt's nur noch einen, der das tatsächlich länger macht als ich: Sascha Klumpe. Er ist nochmal drei Jahre älter und macht noch ein Jahr weiter. Er kriegt nicht genug. Über die Jahre ist er einer meiner besten Kumpels geworden, das ist echt Wahnsinn, wir kennen uns quasi in- und auswendig. Wir haben uns über die Jahre immer gegenseitig gepusht und miteinander auf die Saison vorbereitet, dass wir beide körperlich fit sind. Weil uns auch klar war, dass wir immer ein bisschen mehr machen müssen, um mit den 20-Jährigen mitzuhalten...
...ach...
Kuschel: Das hat aber immer ganz gut geklappt. Weggelaufen sind sie uns nicht.
Dürfen die dich denn anrufen im nächsten Jahr, wenn mal Not am Mann ist? Oder auf keinen Fall?
Kuschel: Dafür bin ich viel zu lange dabei gewesen. Wenn da wirklich Not am Mann ist und die keine elf Leute zusammenkriegen, könnten sie mich anrufen. Dann wäre ich der Letzte, der 'Nein' sagt.
Willi Fleck hat ja auch aufgehört und steigt als Trainer eurer Zweiten ein. Hast du Ähnliches auf lange Sicht vor?
Kuschel: Trainer-Ambitionen habe ich keine. Ich wüsste auch nicht, was ich denen über Fußball beibringen sollte. Da sind andere qualifizierter als ich.
Hast du eigentlich immer die '10' getragen?
Kuschel: Die '10' habe ich damals gekriegt, als ich in der Zweiten gespielt habe. Als ich dann wieder hochgekommen bin, habe ich zu Vladan gesagt: 'Ich komme gerne hoch, aber ist ja klar, dass ich nur die Nummer 10 nehme...'
Vielleicht wird die ja nie wieder vergeben. Man weiß es nicht.
Kuschel: Da baggern schon so viele dran. Ich glaube, das wird nichts.








































