Kreisliga A
"Bevergern tut mir gut": Gashi über seinen anstehenden Rollenwechsel
Von Fabian Renger
(18.12.24) Aufgepasst, Kreisliga A Tecklenburg, da kommt etwas auf euch zu. Stella Bevergern wird in der nächsten Saison von einem interessanten Trainerstab betreut. Thomas Overmeyer hat weiterhin den Hut auf, Mirko Mensink ist weiterhin sein Co-Trainer (wir berichteten). Doch wer hätte gedacht, dass Ben Gashi ab dem Sommer nicht mehr als Spieler von Stella aktiv ist, sondern Overmeyers Co-Trainer wird? Wir jedenfalls nicht.
"Mir ist das nicht leichtgefallen, ich hab die Entscheidung aber jetzt getroffen und stehe da zu 100 Prozent hinter und werde auch an der Seitenlinie 100 Prozent geben", verspricht Gashi. Mit erst 27 Jahren ist es tatsächlich viel zu schade, dass er nur noch ein halbes Jahr kicken will. Die besten gehen halt immer zu früh. Doch er hat sich das gut überlegt. Zum 1.1.2022 kam Gashi seinerzeit nach Bevergern. Früher spielte er u.a. in der Junioren-Bundesliga beim VfL Osnabrück. In den vergangenen zweieinhalb Jahren traf er satte 59-mal (!) für Stella. Wahnsinn.
Wir mussten ihn daher mal selbst fragen, wieso er jetzt den Schlussstrich zieht. Eines können wir vorweg nehmen: Gashi ist ein verdammt sympathischer Kerl.
Ben! Ich war ein bisschen schockiert, als ich das gehört habe. Du hast die Faxen dicke und hörst als Spieler auf. Ist das wirklich so, oder ist das ein schlechter Scherz?
Gashi: Was heißt, die Faxen dicke. Ich bin ein Spieler, der immer 100 Prozent gibt. Ich habe aber gemerkt, es wird mir viel zu anstrengend. Ich bin verheiratet, habe zwei Kinder, meine Frau macht noch Reitsport und arbeitet selbst auch. Da hab ich mir gesagt: Es reicht erstmal, ich möchte eine andere Schiene fahren und es als Trainer probieren. Das habe ich Tommy [Thomas Overmeyer, d. Red.] gegenüber auch so geäußert. Er hat immer ein Ohr offen und hat mir gesagt, wir können das zusammen machen. Also ja, es ist wirklich wahr.
Du bist 27. Das ist ja eigentlich kein Alter, aufzuhören. Und du stehst ja eigentlich auch noch voll im Saft...
Gashi (lacht): ...das hast du gesagt...
...weiß ich nicht, von außen sieht's jedenfalls so aus, als hättest du keine Probleme. Ist das denn wirklich eine rein zeitliche Geschichte, oder tun dir die Knochen auch schon weh?
Gashi: Ich merke den Sonntag noch bis mittwochs beim Training. Ich bin ja kein stabiler Typ, der ein bisschen was aushalten kann. Jedes Mal, wenn so Spieler wie wir, die ein bisschen schneller auf den Beinen sind, den Ball an den Füßen haben, weiß man: Du kriegst gleich einen auf die Füße. Das ist schon anstrengend geworden, zuhause musst du dann auch funktionieren. Ich hab zwei wilde Kinder, die den ganzen Tag herum toben. Mit der Arbeit noch dabei wird mir das alles in allem einfach zu viel. Wenn ich sonntags in die Nachtschicht gehe, ist das nach anstrengenden Spielen schon hart.
Tommy sagte schon, als Spieler wird er dich vermissen. Aber er würde dich lieber als Co-Trainer behalten, als dass du ganz weg bist und du wärst ein menschlich überragender Typ. Dir scheint es ja in Bevergern auch gefallen zu haben und zu gefallen...
Gashi: In der Jugend habe ich in Hörstel und Dreierwalde gespielt. Dann bin ich weiter gereist, es ging zum FCE und nach Osnabrück. Ich war nie bei irgendeinem Verein gebunden, von dem ich sagen würde: Das ist mein Heimatverein, hier muss ich bleiben. Ich hab in den letzten Jahren aber gemerkt, dass Bevergern mir gut tut. Die Umgebung tut mir gut, ich wohne hier und der Verein ist super. Hier gibt es super Typen wie Henry Rohlmann oder Mike Holthaus aus dem Vorstand. Und mit Tommy komme ich super klar, er ist ein richtig korrekter Typ. Er hat früher auch meinen Bruder in der Jugend in Hörstel trainiert. Das hat einfach alles gepasst, um zu sagen: Ich gehe hier mit ihm auf die Trainer-Schiene, weil ich ihm einfach voll vertraue und er mir. Auch mit Mirko komme ich super klar. Ich glaube, das ist jetzt der passende Moment für mich.
Wird dann aber was anderes, wenn du nicht mehr der Spieler, sondern der Trainer bist. Vormachen ist ja kein Problem, aber auch mal Kommandos geben, Kritik üben, den Ton angeben. Kannst du dir das schon vorstellen, wie das wird?
Gashi: Ich schreie ja jetzt schon teilweise herum. (lacht) Ich bin ein Spieler, der immer möchte, dass seine Mannschaft 100 Prozent gibt. Daran wird sich nichts ändern. Vielleicht werde ich als Trainer etwas ruhiger, aber die Spieler kennen mich - und ich kenne die Spieler. Das ist vielleicht ein Vorteil. Da sind richtig gute Kicker bei. Vielleicht kann ich dem einen oder anderen dann noch mehr zeigen, wenn ich als Trainer an der Linie stehe.
Spielertrainer ist für dich dann absolut ausgeschlossen? Oder lässt du dir noch eine Hintertür offen und sagst: Wenn der allergrößte Notfall eintritt, dann kann ich doch nochmal die Stiefel anziehen am Sonntag....
Gashi: Ich hab das mit Tommy und Mike Holthaus besprochen, dass ich wirklich zu 100 Prozent Co-Trainer sein möchte und nicht mehr die Schuhe anziehe. Im Training werde ich wohl mitmachen, aber in den Spielen will ich erstmal nur der Co-Trainer am Rand sein und wirklich erstmal komplett aufhören.
Im Notfall muss man dann mal schauen...
Gashi: ...eigentlich nicht.
...eigentlich nicht?
Gashi: Nein, am besten gar nicht erst damit anfangen. Ich kann nach einem Jahr ja immer noch schauen, wie es ist. Vielleicht gefällt es mir ja auch gar nicht und ich möchte doch lieber wieder spielen.
Die Abwehrreihen der Liga werden sich jedenfalls drüber freuen. Ein halbes Jahr habt ihr aber ja noch. Jetzt schnell den Klassenerhalt sichern, wird das erste Ziel vermutlich dafür sein.
Gashi: Auf jeden Fall! Meine erste Priorität ist die Rückrunde, ganz egal, was da im Sommer passiert. Man hat gerade in den letzten Spielen das extreme Potenzial gesehen, da ist noch ganz viel Luft nach oben. Wir sind bereit für die Rückrunde, werden uns gut drauf vorbereiten und schauen, was noch so geht. Wir haben ja schon für ein paar Überraschungen gesorgt. Wir haben eine extrem gute, junge Truppe mit vielen jungen Spielern, die gerade aus der A-Jugend gekommen sind und auch vielen erfahrenen wie Henry Rohlmann, Marcel Spanier oder Aslan Altan.








































