Kreisliga A
Drei Hochzeiten sind eine zu viel
Von Fabian Renger
(02.12.25) „Die Mannschaft hat große Augen gemacht.“ Nicht nur die Mannschaft, Björn Bosse! Am Dienstagvormittag sprechen wir mit Cheruskia Laggenbecks Fußballsenioren-Obmann über eine überraschende Nachricht. Die Laggenbecker befinden sich ab sofort auf Trainersuche für die kommende Spielzeit. Nach Ablauf der aktuellen Saison wird Marc Wichmann die Segel als Cheftrainer streichen. Keine Pointe.
Laggenbeck führt die Kreisliga A ja an: 14 Spiele, ein Remis, keine Niederlage, aktuell zehn Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten. Wieso um alles in der Welt hörst du in so einer Situation auf, Marc? Die Antwort: Drei Hochzeiten sind dann doch eine zu viel. Beruf, Familie mit zwei Kindern, das zeitfressende Hobby als Trainer: Ein intensiver Dreiklang. "Der Trainerjob nimmt einiges an Zeit in Anspruch, die an anderen Stellen fehlt“, erklärt der Übungsleiter. „Drei Jahre sind für einen Trainer auch immer eine Zeit, in der man persönlich ein Fazit ziehen muss. Den Quatsch, den man erzählt, wiederholt man ja irgendwann.“
Bosse: "Was Marc gemacht hat, das hatte Hand und Fuß"
Offenbar ist es aber verdammt guter Quatsch. Bereits in der Vorsaison, seiner zweiten im Amt, spielte die Cheruskia lange oben mit und bot Falke Saerbeck als einziger Konkurrent die Stirn. Am Ende stand die Vizemeisterschaft. Seinerzeit wurde der doch etwas dünn gestrickte Kader den Laggenbeckern zum Verhängnis. Bosse und Wichmann sorgten vor: Mit Marcel Shehab, Louis Hagedorn, Till Strothmann und Keeper Hannes Hagedorn rückte im Sommer ein Quartett aus der eigenen A-Jugend nach oben. Lars Wulf kam von extern und erwies sich mit bisher neun Saisontoren als weitere Waffe und Glücksgriff der sowieso schon berüchtigten Offensive. „Der breitere Kader war notwendig“, findet Bosse. Der Altersschnitt liege aktuell bei 23,5 Jahren. „Wir sind, glaube ich, mit die heißeste Aktie in Ibbenbüren aktuell. Die Mannschaft ist noch nicht mal zu Ende entwickelt. Das, was Marc gemacht hat in den letzten Jahren, hatte Hand und Fuß.“
Die Bilanz spricht jedenfalls für den Übungsleiter. Der Club hätte gerne verlängert. Aber Wichmann wird’s halt zu viel. „Es ist vielleicht ein ganz guter Zeitpunkt, aufzuhören. Wenn’s in die Bezirksliga gehen würde, bräuchte es vielleicht auch einen Trainer mit einer B-Lizenz. Da kämen auch nochmal andere Aufgaben auf einen zu – da könnte ein neuer Mann wohl deutlich mehr helfen“, spricht der Noch-Trainer erstmals öffentlich über den Aufstieg. Im abschließenden Spiel vor der Winterpause bei Mettingen II gehe es nochmal klar um die drei Punkte. „Wenn wir die zehn Punkte Vorsprung mit in den Winter nehmen, kann das Ziel nur die Meisterschaft sein. Natürlich brauchst du eine gute Vorbereitung und natürlich darfst du kein riesiges Verletzungspech haben“, sagt Wichmann.
Wichmann: "Das war keine leichte Entscheidung"
Im Cast tut sich etwas: Arno Aschebrock und Tobias Abke kehren zur Rückrundenvorbereitung nach Lage der Dinge aus ihren Verletzungen zurück. Auch Hadi Shehab macht nach seinem Kreuzbandriss Fortschritte. Wichmann wird das letzte halbe Jahr genießen. „Es war auf jeden Fall keine leichte Entscheidung“, sagt er zu seinem anstehenden Aus. „Der Plan ist erstmal, ein längeres Päuschen zu machen.“ Der 43-Jährige ist Ur-Laggenbecker, spielte ausschließlich im Verein und coachte anschließend auch nur dort. Wichmann irgendwo anders an der Seitenlinie zu sehen? Das könnten wir uns gar nicht vorstellen.
Bosse geht’s auch so. „Ich wäre sauer gewesen, wenn er zu einem anderen Verein gegangen wäre“, berichtet der Funktionär lachend. „Ich kann Marcs Entscheidung zu 100 Prozent verstehen und nachvollziehen. Aber erstmal hat er ja jetzt noch eine Aufgabe – ein halbes Jahr lang.“ Die Nachfolge wurde freilich noch nicht so schnell geregelt. Am Montag führte Bosse bereits ein erstes Gespräch mit dem Mannschaftsrat. Bosse: „Es gibt eine Liste mit Namen, die wir abtelefonieren werden …“





































