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Bezirksliga 12

Schluss, Aus, Ende: Dass Christof Brüggemann nochmal als Trainer arbeiten wird, ist ziemlich unwahrscheinlich. Berufliche und private Gründe zwingen den 37-jährigen Coach des SV Wilmsberg zum jähen Ende einer erfolgreichen Laufbahn.

"Ich brauche kein Hintertürchen"


Von Christian Lehmann

(29.05.20) Einen nicht unbeträchtlichen Teil seiner 37 Lebensjahre hat Christof Brüggemann auf dem Fußballplatz oder an dessen Seitenlinie verbracht. Der Stürmer war noch A-Junior, als ihn Uwe Leifeld, damaliger Trainer des TuS Laer 08, in die erste Mannschaft hievte, wo er auf Anhieb zum Goalgetter avancierte. Beim SV Mesum feierte er anschließend mehrere Aufstiege. Auch mit dem SC Preußen Borghorst, für den er zwischenzeitlich eine Saison lang kickte, hätte es um ein Haar zum Landesliga-Aufstieg gereicht. Als (Spieler-)Trainer führte Brüggemann den SV Wilmsberg in die Bezirksliga und entwickelte die erste Mannschaft dort zu einem Spitzenteam. Zuletzt begleitete er den Prozess der Fusion mit dem SC Preußen Borghorst mit und stabilisierte die Piggen nach komplizierter Hinserie im Tabellenmittelfeld.

Nun gibt er die Mannschaft mit einem guten Gefühl in die Hände von Florian Gerke und Michel Straube. Nur eines hat der Alles-Möglich-Macher nicht hinbekommen: Eine gebührliche Abschiedsfeier wird es aufgrund der weiter unser Leben beherrschenden Corona-Verordnungen und -Einschränkungen wohl vorerst nicht geben. Mit kaum einem habe ich in den vergangenen Jahren intensiver über den Amateurfußball gefachsimpelt als mit dem Trainer des SV Wilmsberg. In unserem ausführlichen Abschieds-Interview habe ich das ein vorerst letztes Mal getan und hoffe, dass sich unsere Wege irgendwann wieder kreuzen.


Christof, das war's also jetzt mit deiner Trainer-Tätigkeit. Kannst Du nach diesem komischen Saison-Ausklang ganz locker einfach 'Tschüss' sagen?
Brüggemann:
Mir wird ja leider nichts anderes übrig bleiben. Als sich herausstellte, dass die Saison mit großer Wahrscheinlichkeit abgebrochen wird, war für mich das Schlimmste, dass es keinen emotionalen Abschluss geben wird. Für Markus Heckmann in Hauenhorst oder Musi Sommer in Greven gilt das ja genauso. Du hast dir über Jahre den Allerwertesten aufgerissen und man schafft es nicht, eine vernünftige Verabschiedung auf die Beine zu stellen. Als klar war, dass das alles weg fällt, muss ich zugeben, da hatte ich schon 'ne kleine Träne im Auge. Das ist irgendwie unfair. Wir machen sicher noch eine Verabschiedung, aber sie wird lange nicht so emotional sein wie an einem letzten Spieltag. Das ist aber nicht nur für mich persönlich schlimm, sondern auch für viele langjährige Mitglieder des Vereins. Es ist schließlich auch für den SV Wilmsberg und den SC Preußen Borghorst die letzte Saison als eigenständiger Verein gewesen.

Die Verschmelzung beider Klubs ist von außen betrachtet letztlich sehr reibungslos vonstatten gegangen. Hattest Du auch diesen Eindruck?
Brüggemann:
Ja, auf jeden Fall. Das wurde ganz gut weg moderiert und klappt ziemlich gut. Es entstehen jetzt zum Beispiel endlich neue Duschkabinen im Waldstadion. Dafür habe ich jahrelang mit gekämpft. Jetzt bin ich weg, und es wird was (lacht). Am Samstag stehen die Abbruch-Arbeiten der alten Räumlichkeiten an, auch Michel Straube und Florian Gerke helfen dann mit. Daran sieht man, dass das immer mehr zusammen wächst. Natürlich gab es ein paar Anpassungs-Schwierigkeiten, aber es darf einfach einer gewissen Zeit, bis sich das Ganze harmonisiert. Ich glaube, die machen da alle einen guten Job.

Welche Erfolge und Highlights aus deiner Laufbahn - egal ob als Spieler oder Trainer - sind bei dir hängen geblieben?
Brüggemann:
Der größte Erfolg war sicherlich der Westfalenliga-Aufstieg mit dem Mesum 2009. Im letzten Spiel der Aufstiegs-Relegation waren wir spielerisch eigentlich hoffnungslos unterlegen, aber ein paar glückliche Fügungen haben uns dann geholfen. Der Gegner war durch eine Rote Karte früh dezimiert, es war wahnsinnig warm, und dann hatte Flo Reckels einen Geistesblitz... Das geilste Spiel überhaupt war aber das Derby mit dem SC Preußen Borghorst in der Saison darauf gegen den SV Burgsteinfurt. Da haben wir vorknapp 1000 Zuschauern gespielt, auch da waren wir eigentlich nicht die bessere Mannschaft, haben aber dank einem Tor von mir mit 1:0 gewonnen. Daran kann ich mich noch extrem gut erinnern.

Die Niederlage gegen Rot-Weiß Deuten in der Bezirksliga-Aufstiegsrelegation mit dem SV Wilmsberg 2016 war sicherlich eine der bittersten Niederlagen. Es gab aber noch eine schlimmere Pleite, oder?
Brüggemann:
Die Partie gegen Deuten war zwar kein entscheidendes, aber dafür das für mich als Trainer lehrreichste Spiel. Da habe ich zwei klare Fehler gemacht. Marius Wies war mit Ellenbogenproblemen angeschlagen und hat mit Schmerztabletten gespielt, Sebastian Wehrmann hatte zuvor stundenlang in der prallen Sonne gearbeitet und war völlig gar. Das habe ich vorher gesehen, aber nicht reagiert. Schlussendlich hat Deuten völlig verdient gewonnen, deswegen tat das nicht ganz so weh. Der Nichtaufstieg mit Preußen Borghorst 2010 war da schon viel schlimmer. Da haben wir am letzten Spieltag in Hopsten Punkte liegen lassen und der SV Burgsteinfurt ist aufgestiegen. Da waren wir alle extrem enttäuscht.

Was hat sich für dich als Trainer in den vergangenen Jahren verändert?
Brüggemann:
In meinen Anfangsjahren war es so, dass ich viele Freunde und engere Vertraute trainiert habe, zum Beispiel Fabian Baumeister, Ron Konermann, Jannick Hagedorn, Jojo Wesselmann, Maxi Langer, Marius Wies oder meinem Bruder Matthias. Da war ich deutlich dicker mit den Jungs und war auch privat häufiger mit ihnen unterwegs. Heute kommt es eher selten vor, dass wir zum Beispiel zusammen Bundesliga gucken. Ich glaube, dadurch bin ich auch in der Beurteilung der Spieler ein bisschen neutraler geworden. Es war aber eigentlich immer so: Wenn ich auf einen Spieler setze, dann auch in schlechteren Zeiten. Ich glaube immer noch daran, dass man Leistung zurück erhält, wenn man jemandem in einer schlechten Phase den Rücken stärkt.

Welche Trainer haben dich besonders geprägt?
Brüggemann:
Zu Beginn war das sicherlich Uwe Leifeld, weil er einfach ganz anders tickte, als man es auf so einem kleinen Dorf wie Laer kannte. Mit dem unbedingten Siegeswillen, den er vorgelebt hat, konnte ich mich unheimlich gut identifizieren. Er hat mir immer vermittelt, dass ich als Stürmer 90 Minuten so schlecht sein kann wie nur irgendwie, aber gib' mir eine Torchance, ich mach' ihn rein, und alles ist in Ordnung. Die Fähigkeit, nicht zu lamentieren, selbst wenn mein Gegenspieler schneller ist als ich und mich immer abgrätscht, sondern immer von mir selbst überzeugt zu sein, hat er mir wie kein anderer eingeprägt. Und natürlich Uwe Laurenz. Ihn habe ich ewig als Trainer gehabt. Bei ihm weißt Du als Spieler, wenn er auf dich setzt, hat er ein gewisses Urvertrauen und rückt nicht so schnell von dir ab. Wenn er gesagt hat: 'Junge, ich habe dich lange genug geschützt, jetzt wird es Zeit, dass Du zurück zu deiner alten Stärke findest', dann hast Du geliefert.

Mit wem hast Du besonders gerne zusammen gespielt?
Brüggemann:
Flo Reckels, weil er einfach überragende Bälle gespielt hat - sowohl lange als auch Pässe in die Schnittstelle. Er war einfach ein Spielgestalter, wir haben uns extrem gut verstanden auf dem Platz. Bei ihm wusste ich genau, wo der Ball hinkommt.

Welche Spieler sind dir als Trainer besonders ans Herz gewachsen?
Brüggemann:
Bei Jannick Hagedorn liegen Genie und Wahnsinn sehr eng beieinander. Wenn er mal einen schlechten Tag erwischt, denkst Du dir 'Warum hast Du den überhaupt aufgestellt?'. Er ist eine Reizfigur, aber wenn er bereit war, dann war er ein Spielentscheider. Solche Jungs kannst Du einfach gut gebrauchen. In den letzten Jahren habe ich dann bei Alex Hesener gesehen, wie gut sich ein Spieler entwickeln kann. Er kam mit einer guten Torausbeute von Preußen Borghorst, hat in einer spielstarken Mannschaft zu Beginn lange gebraucht, um sich zurecht zu finden. Nachdem einige Meinungsführer den Verein verlassen hatten, mussten sich andere positionieren und aus der Deckung kommen, auch Alex. Am Ende hat er dann genauso gespielt, wie ich mir das vorgestellt habe. Ich bin der Meinung, dass wir in dieser Saison durch seine Verletzung am ersten Spieltag längst nicht so konkurrenzfähig waren, wie wir es hätten sein wollen.

Was traust Du deiner Mannschaft, die zu großen Teilen in den Kader des Borghorster FC übergeht, in der kommenden Spielzeit zu?
Brüggemann:
Ich glaube, dass sie einen sehr ausgeglichenen Kader beisammen haben werden und gute Jungs dazu kriegen. Wenn Max Rengers fit bleibt, ist er eine richtige Kanone. Bei Simon Kaminski konnte man schon sehen, dass er eine richtige Stütze für die Mannschaft sein kann. Paul Teupe bringt vorne Wucht und Körperlichkeit mit. Eines ist eminent wichtig: Dass Du nicht nur Bock hast, gemeinsam Fußball zu spielen, sondern auch nach dem Training mal zusammen sitzt und die Gemeinschaft hoch hälst. Wenn Du das nicht beherzigst, wirst Du meiner Meinung nach in der Bezirksliga nicht erfolgreich sein. Das habe ich für mich in dieser Saison auch als Fehler analysiert, dass wir nicht genügend Teamspirit rein bekommen haben. Nicht, weil irgendwer dem anderen nichts gönnt, sondern weil nicht genug aktive Jungs dabei waren, die die Dinge in die Hand genommen haben. Wenn die das ein bisschen besser hinbekommen - und die Charaktere dafür haben sie - dann glaube ich, dass sie eine gute Rolle spielen können, auch wenn die Liga extrem gut und ausgeglichen sein dürfte.

Bleibt es dabei, sehen wir dich nie wieder als Fußballtrainer? Oder gibt es ein Hintertürchen?`
Brüggemann:
Ich brauche kein Hintertürchen. Es ist einfach so, dass das nicht funktionieren wird, weil ich diese intensive Belastung, die man als Trainer hat, einfach nicht mehr stemmen kann und will. Natürlich könnte ich irgendwie immer zweimal wöchentliches Training gewährleisten, aber nur das ist nicht mein Anspruch. Ich möchte regelmäßig für die Jungs da sein, mir Gegner angucken und die Mannschaft im Training weiterbringen. Der Fußball ist für mich nicht nur ein Zeitvertreib, sondern Leidenschaft. Das würde zeitlich einfach nicht funktionieren. Es kann aber immer mal Situationen geben, in denen mir was fehlt. Wenn einer kommt und fragt 'Hast Du nicht Bock, das Projekt mit anzugehen?', würde ich das nicht ausschließen. Im Moment würde mir aber nichts einfallen, dass mich so reizen würde, zu sagen, ich bin auf jeden Fall dabei. Vielleicht gibt es ja irgendwann mal eine andere Position als die des Trainers, die reizvoll ist...



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