Bezirksliga 12
Wer ist denn jetzt der Babo?
von Christian Lehmann
(05.11.25) Ein Spitzenspiel mit Ansage! Wenig überraschend haben sich nach 13 Spieltagen der SC Münster 08 und der SC Greven 09 ein wenig von der Konkurrenz abgesetzt. Beide waren vor Saisonbeginn in der Bezirksliga 12 mehrheitlich auf den Favoritenschild gehievt worden. Am Sonntag kreuzt Tabellenführer Nullacht (34 Punkte, 43:11 Tore) nun endlich die Punkte mit dem Tabellenzweiten aus Greven (33 Punkte, 35:13 Tore). Im ewig jungen und oft extrem engen Duell setzten sich am Ende der Vorsaison noch die Nullneuner durch und eroberten am letzten Spieltag Relegationsplatz zwei, aktuell geht's sogar um Rang eins - und die Nullachter haben die Nase vorn.
Wir haben uns im Vorfeld natürlich die Frage gestellt, wer jetzt eigentlich der Babo ist - und diese natürlich auch an die beiden Trainer weitergeleitet. Im Doppel-Interview sprechen Nullacht-Coach Klas Tranow (38) und sein Grevener Pendant Julian Lüttmann (43) über die Favoritenrolle vor dem Gipfeltreffen, aber auch über die bisherige Saison ihrer Teams, ihre Vorbereitung auf das Spiel sowie über Stärken und Schlüsselspieler des Gegners.
Moin Klas, moin Julian! Wie ist Stimmung vor dem Spitzenspiel? Überwiegt die Vorfreunde oder die Anspannung?
Tranow: Ich freue mich auf jedes Spiel, weil ich meiner Mannschaft gerne beim Fußballspielen zuschaue. Mir ist bewusst, dass das eine Paarung ist, die für viele besonders interessant ist. Ich bin da aber jetzt eher weniger emotional, nur weil es gegen Greven geht. Wir Trainer müssen das eher rational angehen. Es muss betrachtet werden wie jedes andere Spiel auch. Wir haben erst den 14. Spieltag. Wenn es ein Finale wäre, dann wäre das etwas anderes. Wir wissen aber, dass am Sonntag nicht die Meisterschaft entschieden wird.
Lüttmann: Wir haben sicherlich ein paar Highlights gehabt in den vergangenen Monaten - aber dieses Spiel ist von der Konstellation her natürlich extrem. Wir haben in den vergangenen Wochen darauf hingearbeitet und sind extrem heiß. Es ist aber nicht so, dass am Sonntag irgendwelche Entscheidungen fallen werden. Wir freuen uns auf ein schönes Spiel.
Wie bewertet ihr die Saison eures Teams bisher?
Tranow: Wir sind mit der Punkte-Ausbeute total zufrieden, wissen aber natürlich auch, welches Potenzial in der Truppe steckt. Wir sind keine Übermannschaft, müssen uns jeden Punkt hart erarbeiten. Aktuell leidet bei uns die Art, Fußball zu spielen, leider ein wenig. Da ist sicherlich noch Luft nach oben. Es gab einige richtig gute Spiele, aber auch einige Tiefen. Es spricht aber auch für die Qualität der Mannschaft, dass wir auch in den Matches, in denen wir nicht so gut gespielt haben, unsere Punkte geholt haben.
Lüttmann: Wir hatten eine spezielle Situation in der Vorbereitung dadurch, dass wir in der Relegation so brutal gescheitert sind. Das hat schon etwas gemacht. Wir hatten ja auch am Ende der regulären Saison ein Do-or-Die-Spiel nach dem nächsten, mussten immer nur liefern, liefern, liefern. Dann kommst Du in der Vorbereitung automatisch irgendwann in den Modus 'Wir kicken jetzt mal ein bisschen'. Wir haben teils hohe Niederlagen einstecken müssen. Das kam nicht überraschend, aber wir mussten lernen, damit umzugehen und uns ein anderes Mindset erarbeiten. Als wir hier vor eineinhalb Jahren angefangen haben, war die Mannschaft fast abgestiegen. Wir hatten einen großen Umbruch, haben auf viele junge Spieler gesetzt und sind damit durchaus ein Risiko eingegangen. Wir haben Vertrauen in die Jungs und wissen um die Qualität, das ist nach wie vor so. Wir haben die Messlatte Stück für Stück höher gelegt, das steigert die Ansprüche. Auch in der Vorsaison hatten wir gute Ergebnisse in den Topspielen, da haben wir aber oft Punkte gegen vermeintlich schwächere Teams liegen gelassen. Das galt es zu verbessern - und das ist uns gut gelungen. Die Mannschaft ist erwachsener geworden. Die Niederlagen gegen Hauenhorst und Borghorst waren ärgerlich und vermeidbar, aber auch nicht ungerechtfertigt. Im Umkehrschluss haben wir auch Spiele wie gegen Wacker durch späte Tore für uns entschieden. Wir sind damit absolut im Soll.
Was für ein Spiel erwartet ihr am Sonntag?
Tranow: Ich erwarte die stärkste Mannschaft der Liga. Ich habe Greven schon vor der Saison ganz oben gesehen. Sie werden wahrscheinlich aufsteigen, weil sie eine extrem hohe Qualität haben. Greven hat ganz andere Mittel als wir, das darf man nicht vergessen. Wir wissen, dass wir auch was können, aber sie sind das Topteam der Liga. Wir wollen uns aber natürlich nicht kampflos ergeben, sondern dem Gegner Paroli bieten. Wir werden uns wehren, sind aber tiefenentspannt. Die haben den Druck, die wollen hoch.
Lüttmann: Das ist eine entscheidende Frage (lacht). Manchmal laufen Fußballspiele komplett anders, als man es im Vorfeld erwartet. Man hat am Dienstagabend in der Champions League gesehen, dass auch Dinge, die im Spielverlauf passieren, die Statik massiv verändern können. Es treffen zwei Mannschaften aufeinander, die auch im Defensiv-Verbund zu den besten der Liga zählen - trotzdem gibt es auf beiden Seiten auch brutal gute Offensivspieler. Ich erwarte vor allem ein Fußballspiel auf einem sehr hohen Niveau. Es kann vieles passieren. Es kann auch ein Abnutzungskampf werden. In jedem Fall aber wird es sehr interessant.
Welche Stärken hat der Gegner? Wo seht ihr Ansatzpunkte?
Tranow: Die Stärken der Grevener liegen in der Qualität jedes einzelnen Spielers. Da sind viele dabei aus dem ganz oberen Regal in der Bezirksliga, sie können auch Ausfälle sehr gut kompensieren und verfügen über eine enorme Breite im Kader. Ich habe ein, zwei Ansätze gefunden, wie man sie bespielen kann - aber die werde ich hier nicht preisgeben. Ich glaube aber nicht, dass es ein echtes Offensivspektakel wird. Dafür sind beide Defensivreihen zu stark.
Lüttmann: Nullacht ist eine Mannschaft, die einen fußballerischen Ansatz verfolgt und gerade im Offensivbereich auch sehr gute Einzelspieler hat. Wir sind in der Lage, unterschiedliche Ansätze zu verfolgen, das gehört auch zu unserer Entwicklung in den vergangenen Monaten. Ich glaube, dass wir uns auch anpassen können - was aber nicht heißen muss, dass wir uns hinten reinstellen werden. In der vergangenen Saison sind wir's im Hinspiel etwas defensiver angegangen, im Rückspiel eher offensiv, um dann während des Spiels noch etwas zu verändern. Es ist vieles möglich.
Wird der Meistertitel nur zwischen Nullacht und Greven entschieden?
Tranow: Ich war gestern zufällig bei Ivo (Mauritz-Coach Kolobaric, Anm.) und weiß, dass auch er sehr gespannt auf den Ausgang des Spiels ist. Wir spielen eine Woche später gegen Mauritz. Das wird auch ein mega-schweres Spiel. Wir wissen, dass wir viel Arbeit haben und demütig sein müssen. Wenn man jetzt die Tabelle liest, mag man vielleicht glauben, dass es ein Zweikampf wird. Wir werden aber sicherlich nicht durchmarschieren, haben Rückschläge eingeplant. Mal gucken, wie stabil Greven ist... Ich kann mir schon vorstellen, dass da oben noch ein drittes Team reinrutscht. Ich fand Hauenhorst bärenstark. Generell ist die Qualität im oberen Tabellendrittel sehr hoch. Um ganz oben zu bleiben, brauchst Du nicht nur Qualität, sondern auch einen großen Kader, das nötige Spiel- und Schiedsrichter-Glück. Du darfst keine großen Verletzungsprobleme haben. Es kommen ganz viele Komponenten zusammen, die am Ende entscheidend sein können.
Lüttmann: Ich glaube auch, dass es noch andere Mannschaften gibt, die eine Serie starten und da oben reinrutschen können. Es kommen noch einige direkte Duelle auf uns zu - wir starten nach der Winterpause direkt mit einem Auswärtsspiel in Hauenhorst... Wie schon gesagt, es wird am Sonntag keine Vorentscheidung fallen, dazu hatten beide in dieser Saison auch zu viele knappe Spiele.
Wer könnte zum spielentscheidenden Faktor werden? Welchen Spieler des Gegners habt ihr besonders im Fokus?
Tranow: Wir haben krankheitsbedingt noch ein paar Fragezeichen. Bei einigen wird es bis zum Sonntag ganz eng. Wir werden sicherlich den einen oder anderen Ausfall haben. Chris Klaas ist sicherlich ein Spieler, der auf der Sechserposition enorme Erfahrung mitbringt und sehr wichtig für Greven ist. Jeremias Wiethölter ist eigentlich viel zu gut für diese Liga. Am Ende des Tages wird es vor allem das Kollektiv sein, das entscheidet. Und das ist auch bei Greven enorm stark.
Lüttmann: Wir hatten am Dienstag eine sehr gute Trainingseinheit, in der 30 von 32 Spielern auf dem Trainingsplatz standen. Es war extremes Feuer drin, die Jungs sind topfit, gierig und wollen sich beweisen. Für uns im Trainerteam wird es nicht einfach, wir werden wieder einigen Spielern sagen müssen, dass sie nicht im Spieltagskader stehen. Es ist in den letzten Wochen schon vorgekommen, dass Spieler, die in der Zweiten gespielt haben, eine Woche später in der Startelf standen. Wir gucken immer, was am Ende das Beste ist, damit wir dieses Spiel gewinnen. Es gibt auf beiden Seiten etliche Spieler, die in der Lage sind, dem Spiel ihren Stempel aufzusetzen. Dass Robin Wellermann nochmal so zurückgekommen ist so viele Hütten macht, zeigt seine Qualität. Über außen haben sie mit Rui Guimares oder Kebba Touray richtig gute Leute. Wir wissen aber auch, dass wir gute Spieler haben. Am Ende zeichnet beide Teams auch eine richtig gute Teamchemie aus - das ist vielleicht auch der Grund dafür, dass beide da oben stehen.
Wollt ihr einen Ergebnistipp abgeben?
Tranow: Ich bin beim Tippen so eine Niete, daher lasse ich das lieber...
Lüttmann: Hat Klas einen abgegeben? Nein? Dann tippe ich auch nicht. Ich freue mich auf ein tolles Spiel mit vielen Zuschauern. Vor uns spielt unsere Zweite gegen die Zweite von Nullacht. Wir versuchen aktuell wieder, viele Grevener heiß zu machen, damit wir wieder eine richtig gute Unterstützung von außen bekommen. Ich finde, dieses Spiel hätte eine richtig gute Kulisse absolut verdient - dafür haben beide Mannschaften in den letzten Wochen viel getan.
Spiel der Woche
Besondere Spiele erfordern besondere Maßnahmen. Das Topspiel am Sonntag wird wieder von unserem hochgeschätzten Kollegen Tino Wermeling begleitet, der in dieser Saison aus beruflichen Gründen den hohen Aufwand, den die Video-Berichterstattung mit sich bringt, nur noch bei ausgewählten Partien leisten kann. Die ausführliche Zusammenfassung in Bild und Ton könnt ihr voraussichtlich ab Dienstag auf unseren Kanälen abrufen.








































