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Bezirksliga 12

Rasheed Aileru (am Ball) traf doppelt für den SC Greven 09, der sich jedoch in einer unfassbaren Schlussphase vom TSV Handorf noch die Butter vom Brot nehmen ließ - auch dank eines Doppelpacks von Niklas Annegarn (rotes Trikot, l.). Fotos: Lehmann

Lüttmann bedient: "Wir schmeißen in zehn Minuten die ganze Saison weg!"


Von Christian Lehmann

(30.11.25) Diesen Plot Twist hat in der Schöneflieth wohl niemand kommen sehen. Bis zur 82. Minute führte der SC Greven 09 gegen den TSV Handorf mit 4:1, hatte darüber hinaus vor allem zu Beginn der zweiten Hälfte Chancen en masse versiebt. An dem, was dann kam, wirkte völlig surreal und erfreute neben Öffnet externen Link in neuem FensterJonathan Frakes vor allem die Gäste aus Handorf. Nullneun-Coach Julian Lüttmann war nach der 4:5 (3:1)-Schelle gegen sein Team kurzzeitig sprachlos. Dann polterte er allerdings richtig los.

"Eine Mischung aus Arroganz und fehlender Qualität - das waren die Gründe dafür, dass wir dieses Spiel noch aus der Hand gegeben haben. Wir müssen eigentlich mit 7:1 oder 8:1 führen. Der Deckel war eigentlich längst drauf. Bisher haben wir in der ganzen Saison 15 Gegentore kassiert, hatten die Möglichkeit, mit Nullacht gleichzuziehen. Wir schmeißen in zehn Minuten die ganze Saison weg. Das ist ein extremer Schlag ins Gesicht. So schlimm haben wir noch nie die Ordnung verloren. Das darf uns einfach nicht passieren!"

Uthmeier: "Eine Willensleistung"

Auch TSV-Coach Mats Uthmeier tat sich schwer, den Wahnsinn in der Schlussphase sachlich einzuordnen: "Ich habe so etwas bisher weder als Spieler noch als Trainer erlebt. Wir haben eigentlich das ganze Spiel über sehr ordentlich gespielt, hatten aber zu Beginn der zweiten Hälfte unsere Probleme und etwas Glück, dass sich das Spiel nicht in eine ganz andere Richtung entwickelt. Am Ende war es eine Willensleistung der gesamten Mannschaft. Greven hat eine wahnsinnige Qualität. Wir hatten es verdient, hier etwas mitzunehmen - aber dass wir hinten raus das Ding sogar noch gewinnen, ist schon glücklich. Das war ein versöhnlicher Abschluss nach schwierigen Wochen."

Wer - so wie ich - mit drei Minuten Verspätung in der Schöneflieth eintraf, der hatte bereits die erste vogelwilde Phase dieses Matches verpasst. Die Gäste hatten nach einem guten Spielaufbau über Nils Wegmann und Liam Jürgens Niklas Annegarn ins Spiel bekommen, der mit einem herrlichen Schnittstellenpass Niklas Wemhoff bediente - 0:1 (2.). Es dauerte allerdings keine 60 Sekunden, ehe die Nullneuner zurückschlugen. Nach einem langen Ball wollte TSV-Schnapper Tom Hoffmann das Leder ins Toraus rollen lassen, doch Rasheed Aileru setzte nach, stibitzte das Leder und bediente Lukas Dinkels, der zum 1:1-Ausgleich abstaubte (3.).

Abseitsfalle schnappt mehrfach zu

Handorf agierte in der Folge mutig, ging beherzt in die Zweikämpfe und schob die gesamte Abwehrkette immer wieder so hoch, dass meist drei oder vier Grevener ins Abseits liefen. "Das war unsere Idee", verriet Uthmeier. "Du kannst nach Greven fahren und dich hinten reinzustellen, aber das ist nicht unser Spiel. Wir wussten, dass es ein gewisses Risiko birgt." Nach einem Ballverlust im Spielaufbau kassierten die Handorfer dann auch das 2:1. Lukas Dinkels dribbelte von halbrechts in die Box und schloss ab, Aileru holte sich nach Hoffmanns Parade den Rebound (29.). Nur fünf Minuten verlagerten die Hausherren nach einem Einwurf das Spiel, Luke Reincke traf per Vollspannstoß zum 3:1-Pausenstand (34.).

Nach Wiederbeginn besorgte dann erneut Aileru nach einem tiefen Zuspiel das 4:1 (52.). Bernd Lakenbrink, Malte Drewes und weitere Grevener ließen weitere Hochkaräter aus. Handorf musste den eingewechselten Julian Austermann mit einem dicken Auge wieder rausnehmen und brachte Jo Maffenbeier, dessen Hereinnahme sich bezahlt machen sollte. Nach einem hohen Ballgewinn von Wemhoff gegen Jeremias Wiethölter steuerte der Oldie frei aufs Tor zu und vollstreckte cool zum 4:2 (82.). Als dann Annegarn nach Halbfeld-Flanke von Theo Hille gegen die Laufrichtung von Fynn Hoefer zum 4:3 einnickte (84.), glaubten die Gäste wieder an das Wunder. Annegarn, der nach einem heftigen Foulspiel gegen Grevens Keeper in Durchgang eins durchaus Glück hatte, noch auf dem Platz zu stehen, legte sogar noch einen drauf. Nach einem Ballgewinn aus der linken Seite bekam er das Leder von Liam Jürgens serviert, setzte sich stark durch und nagelte die Murmel unters Dach (4:4/90.+2).

Wemhoff nimmt die Einladung an

Die Gäste, die zwischenzeitlich all ihre Offensivpower mobilisiert hatten, waren nun mit dem Punkt zufrieden, stellten wieder defensiv um. Derweil hatten die Hausherren schon fünfmal gewechselt, der angeschlagene Reincke schleppte sich nur noch humpelnd über den Platz. Nach einem Ballgewinn schlugen die Handorfer das Leder nochmal lang, Wemhoff ging mit letzter Kraft hinterher, setzte sich im Laufduell durch und lochte zum 4:5-Endstand ein (90.+6). Referee Marvin Gieseking legte noch zwei weitere Minuten Nachspielzeit drauf, die jedoch die Gäste irgendwie überstanden. Im Handorfer Jubel ging die Rote Karte gegen Grevens Kaan Karakoc, der nach einem Wortgefecht seinen Gegenspieler beleidigt hatte, fast unter (90.+10).

SC Greven 09 - TSV Handorf     4:5 (3:1)
0:1 Wemhoff (2.), 1:1 Dinkels (3.),
2:1 Aileru (29.), 3:1 Reincke (34.),
4:1 Aileru (52.), 4:2 Maffenbeier (82.),
4:3 Annegarn (84.), 4:4 Annegarn (90.+2),
4:5 Wemhoff (90.+6)
Rote Karte: Grevens Karakoc (90.+10/Beleidigung)

Vincent Osterhaus (l.) fährt Paul Klee in die Parade.


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