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Landesliga 4 - Anschwitz History

Einer der vielen schönen Momente in der Laufbahn von Florian Reckels. Nach dem Sieg im Entscheidungsspiel gegen den SC Verl II in Beckum feierte er im Jahr 2016 als Co-Trainer des BSV Roxel die Rückkehr in die Westfalenliga. Hier umarmt er BSV-Chefcoach Carsten Winkler.

Landesliga 4

Thomas Rauen (v.) spielte vier Jahre lang in Mesum sowie fünf beim BSV Roxel.

Triumphe und Schockmomente


von Christian Lehmann

(16.04.20) Am Sonntag hätten sich der SV Mesum und der BSV Roxel in der Landesliga gegenüber gestanden - zwei Vereine, die eine Menge verbindet. Was angesichts der nicht unbeträchtlichen Entfernung beider Spielorte voneinander durchaus überrascht: Es gab da einmal ein Spielertrio, das die größten Erfolge des SVM und des BSV in der jüngeren Vergangenheit maßgeblich mitgeprägt hat. Dabei spielten Tim Wagner, Thomas Rauen und Florian Reckels fast zeitgleich für beide Mannschaften.

Als wir ihn bitten, beim Gedanken an diese Paarung in Erinnerungen zu schwelgen, muss Michael Gordalla, heute Sportlicher Leiter und früher Spieler im Hassenbrock, allerdings erstmal schlucken. "Die Szene, die mir als erstes durch den Kopf schießt, ist der schlimme Zusammenprall zwischen Ingo Beckmann und Maik Müller..." Es war der 21. April in der Saison 2007/08, der just eingewechselte Stephan Gerigk hatte kurz zuvor das vorentscheidende 2:0 für die Mesumer Gäste an der Tilbecker Straße erzielt. Nach einem langen Ball in den SVM-Strafraum gingen Roxels Stürmer Fabian Frönd, Mesum-Kapitän Maik Müller und sein Torhüter Ingo Beckmann zum Ball. Frönd schob leicht, duckte sich weg, während die beiden anderen übel mit den Köpfen zusammenprallten. Beckmann kostete der Crash "nur" einige Zähne, Müller erlitt schwere Gesichtsverletzungen, musste in der Uniklinik Münster behandelt werden und fiel später monatelang aus. "Ich weiß noch, dass da niemand hingucken wollte", erinnert sich Gordalla.

Zahnarzt rettet, was zu retten ist

Mittlerweile kann Ingo Beckmann - anders als Müller, der nicht mit uns über das Thema sprechen wollte - über die Geschichte lachen. "Ich erinnere mich jeden Tag daran, wenn ich in den Spiegel schaue. Meine Zähne liegen bestimmt immer noch irgendwo unter dem Rasen in Roxel verteilt." Nach dem Zusammenprall ("Das war eine Szene, die im Fußball ziemlich oft vorkommen kann") fuhr ihn die Schwägerin des damaligen Mesumer Coaches Uwe Laurenz nach Hause, am Abend rief er den Zahnarzt seines Vertrauens an, der in Emsdetten rettete, was noch zu retten war. Beckmanns Frau assistierte ihm dabei. "Er hat das ziemlich gut hinbekommen, dafür bin ich heute noch dankbar. So ganz ohne Zähne ist es ja auch doof." Mit Ausnahme dieses Schockmoments sind die Erinnerung des heutigen Torwarttrainers an den BSV eigentlich positiv. "Da haben wir in der Regel immer gut gegen ausgesehen. Außerdem spielen da ein paar nette Jungs."

Tim Wagner stammt gebürtig vom Niederrhein, inzwischen lebt er wieder in Krefeld-Kempen. Sein Herz schlägt aber immer noch für den SVM und die Kleeblätter.

In diese Wertung dürfte Beckmann sicherlich auch die drei "Überläufer" mit einbeziehen, die zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts die Fronten wechselten. Nach sechs Jahren im Hassenbrock verließ Florian Reckels den SVM im Jahr 2010 in Richtung Neuenkirchen, zwölf Monate später lotste ihn Gundolf Lorenz dann nach Roxel. Da war der künftige Trainer des 1. FC Gievenbeck in Mesum schon eine Legende. In einem dramatischen Entscheidungs-Spiel gegen den Hombrucher SV hatte der Doppeltorschütze sein Team 2010 im Gievenbecker Sportpark zum 2:1-Sieg nach Verlängerung und zum Aufstieg in die Westfalenliga geführt. "Das war ein Highlight, zumal wir als großer Außenseiter in dieses Spiel gegangen sind", erinnert sich der 37-Jährige, der unweigerlich grinsen muss, wenn er an die Zeit in Mesum und Roxel zurückdenkt.

"Das sind die beiden Vereine, bei denen ich die meiste Zeit verbracht habe. Zwei ganz besondere Klubs, weil sie sehr familiär sind und mit Weitsicht geführt werden. In Mesum habe ich viele tolle Jungs wie Thommy Feldkämper, Benni Brinkmann, Ingo Beckmann oder Christof Brüggemann kennenlernen dürfen, mit dem BSV-Allstars haben wir immer noch eine sehr aktive Gruppe, die sich regelmäßig in der Gorilla-Bar trifft. Die Zeit in Roxel war einfach unvergesslich, der Wechsel dorthin war eine meiner besten Entscheidungen", betont der gebürtige Wettringer. Beim BSV feierte Reckels sogar zwei Aufstiege, einen als Spieler unter Gundolf Lorenz 2012, einen als Co-Trainer von Carsten Winkler 2016. 

Entscheidungsspiel - und die halbe Truppe ist auf Malle

Als die Kleeblätter 2016 durch das goldene Tor von Frederik Fechner im Entscheidungsspiel gegen den SC Verl II den zweiten Westfalenliga-Aufstieg binnen zwei Jahren klar machten, hockten Tim Wagner und Thomas Rauen bereits auf Malle. Nach einer kuriosen Saison schnappt sich der BSV mit einem furiosen Schlussspurt unerwartet die Landesliga-Vizemeisterschaft vor - na klar - dem SV Mesum. Weil der potenzielle Gegner aus der Parallelstaffel eins, RW Maaslingen, auf die Teilnahme an der Relegation verzichtet, wähnt sich die Truppe schon in der Westfalenliga. Dass auch der Dritte SC Verl II nachrücken darf, hatten die Roxeler nicht bedacht - die Mannschaftsfahrt ist schon längst gebucht. Letztlich entscheiden sich Spieler und Verantwortliche, einen Teil der Truppe loszuschicken, beim Alles-oder-Nichts-Spiel in Beckum stehen 13 Namen - inklusive des reaktivierten Reckels - auf dem Spielberichtsbogen. Zu dieser verrückten Geschichte passt, dass ausgerechnet Freddy Fechner, in besagter Saison selten berücksichtigter Ergänzungsspieler, für Roxeler Extase sorgt.

Eine ganz schlimme Szene aus der Saison 2007/08: Im Landesliga-Spiel zwischen Roxel und Mesum rasseln Ingo Beckmann und Maik Müller (#5) nach einem Luftkampf mit BSV-Stürmer Fabian Frönd folgenschwer zusammen.

Tim Wagner, mittlerweile 38 Jahre alt, hat als Amateur-Fußballer so ziemlich alles mitgemacht. Drei Aufstiegen stehen auch drei Abstiege gegenüber. Die intensivste Zeit seiner Laufbahn erlebte der vom Niederrhein stammende Mittelfeldspieler im Münsterland. 2007 zog er der Liebe wegen nach Borghorst und spielte zunächst für den SuS Neuenkirchen, ehe ihn Laurenz nach Mesum lotste. Das Ziel: Der Westfalenliga-Aufstieg. Der glückte - wir erinnern uns an die Reckels-Gala - zwei Jahre später. Nach seinem zweiten Kreuzbandriss 2011 dachte "Timmy" erstmals über das Ende der Laufbahn nach - doch so ganz loslassen konnte er nicht. 2012 war er sich eigentlich bereits mit Borussia Emsdetten über einen Wechsel einig, doch als der Verein gerade in die Bezirksliga abgestiegen war, machte Reckels mithilfe von Gundolf Lorenz dem ehemaligen Kollegen einen Wechsel nach Roxel schmackhaft. Wagner wurde wieder richtig fit und hat die Entscheidung nicht bereut, auch wenn er beim Triumph 2016 nicht selbst auf dem Platz stand.

"Wie steht es?"

Allerdings gab es für ihn persönlich eine unschöne Anekdote aus einem seiner letzten Spiele für den BSV bei seinem Ex-Verein. Der Mesumer Moritz Uphoff hatte Wagner den Ball bei einem Freistoß so kraftvoll an den Kopf gepfeffert, dass bei diesem die Vöglein zwitscherten. "Ich habe Benni Brinkmann nicht mehr erkannt und meinen Mitspieler Martin Lambert gefragt, wie es steht." Am Abend beim Besuch im Krankenhaus wurde eine Gehirnerschütterung diagnostiziert - Christoph Kramer und das WM-Finale 2014 lassen grüßen.  

Nach seiner Rückkehr nach Krefeld-Kempen zockte Wagner noch ein wenig für den ASV Süchteln in der Bezirksliga - auch hier feierte er einen Aufstieg. Weil die Zwillinge noch nicht alt genug sind, um dem Ball hinterher zu jagen, widmete sich der frühere Sechser zuletzt vor allem dem Golfsport. Telefonischen Kontakt zu Reckels hat er noch immer, mit Mesums Noch-Coach und seinem ehemaligen Kegelbruder Cello Langenstroer verbindet ihn noch immer eine enge Freundschaft. "Über die Spiele meiner beiden ehemaligen Teams bin ich dank meines Heimspiel-Abos immer up to date", sagt Wagner.

Rauen, der "Unvollendete"

Aus dem Trio derjenigen, die sowohl für Roxel als auch für Mesum gezockt haben, könnte man Thomas Rauen spöttisch den "Unvollendeten" nennen. Als der heute 34-jährige Flügelspieler aus Wettringen zum SVM wechselte, war das Team gerade aufgestiegen. Auch 2012, als er nach Roxel rübermachte, kam er ein Jahr "zu spät". Als die Truppe dann 2016 in die Westfalenliga zurückkehrte, war er im entscheidenden Spiel verletzt und weilte mit den Kollegen bereits in Cala Ratjada, um aus der Ferne mitzuzittern. "Bei diesem Highlight nicht live dabei zu sein, hat schon weh getan", sagt er heute.

Rauens Schaffen bei beiden Klubs als erfolglos zu beschreiben, wäre allerdings völlig unangebracht, denn der Flügelspieler, der 2008 immerhin bereits mit Vorwärts Wettringen in die Landesliga aufgestiegen war, zählte stets zu den größten Leistungsträgern - auch beim Öffnet externen Link in neuem FensterSensations-Stadtmeistertitel im Jahr 2015. Wie viel ihm der BSV zu verdanken hat, unterstreicht ein Blick in die Saison 2016/17, seine letzte in Münster. Obwohl er mit seiner Freundin bereits nach Dortmund gezogen war, pendelte Rauen noch ein halbes Jahr zum Training in die Domstadt, um dem Team von Trainer Stephan Zurfähr im Abstiegskampf in der Westfalenliga helfen zu können. Mit dem Klassenerhalt am letzten Spieltag verabschiedete er sich gebührlich.

Hochzeit mit Hindernissen

"Ich habe mich Anfang des Jahres noch mit einigen der Mesumer Jungs getroffen. In meinen vier Jahren dort und den fünf in Roxel habe ich viele tolle Leute kennengelernt. Ich hatte immer das Glück, in Mannschaften mit einem besonderen Zusammenhalt spielen zu dürfen. Das war eine super schöne Zeit", sagt Rauen, der inzwischen in Werne lebt.

Roxel war übrigens nicht seine letzte Station: Von Anfang 2018 bis September 2019 trat er noch für den VfR Sölde (Bezirksliga) gegen den Ball. Dann riss er sich das Kreuzband - und das drei Wochen vor seiner kirchlichen Hochzeit. "Meine jetzige Frau war natürlich nicht begeistert, hat aber sehr cool reagiert. Es war trotzdem eine richtig schöne Feier." 

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