Landesliga 4 - Doppelpass
Zurückhaltend - aber mit maximalem Anspruch
von Malte Greshake
(03.02.25) Die Ibbenbürener SpVgg spielt bisher eine hervorragende Saison. Das zu sagen, ist keine Übertreibung. Nach dem Abgang von Steffen Büchter im vergangenen Sommer lief es bereits unter Neu-Coach Mike Schwering blendend. Und dass sich ebenjener Trainer bereits Ende Oktober wegen Differenzen mit der Mannschaft verabschiedete, warf die ISV auch nicht aus der Bahn. Unter David Lindemann und Alexander Lust, die bis zum Saisonende und der Übernahme vom neuen Chefcoach Kevin Gütt die Verantwortung tragen, hörte das fleißige Punktesammeln nicht auf. Nicht nur überwintern die Ibbenbürener auf dem vierten Tabellenplatz, auch sind sie zuhause weiter noch ungeschlagen und stellen mit erst 18 Gegentreffern die drittbeste Defensive der Liga.
Aber hoppla! In den bisher vier Vorbereitungsspielen haben die Ibbenbürener ungewöhnlich viele Gegentore hinnehmen müssen. Insgesamt elf Dinger waren es gegen Teuto Riesenbeck (3:4), SuS Neuenkirchen II (6:2), den SV Holthausen Biene (3:5) und den SSC Dodesheide (1:1). Muss sich der gemeine ISV-Fan etwa Sorgen um seine Mannschaft machen?
Lindemann wird es wissen. Der 30-Jährige war in dieser Spielzeit eigentlich als Spielertrainer eingeplant, muss derzeit aufgrund einer Verletzung aber mit dem Platz an der Seitenlinie vorlieb nehmen. Und es gab auch noch mehr Themen, mit denen wir ihn behelligt haben. Zum Glück hat sich der Lehrer nach seinem Sportunterricht für uns extra ein wenig Zeit genommen.
David, was ist anstrengender? Der Sportunterricht in der Schule oder das Bändigen Eurer Mannschaft?
Lindemann: Das kommt auf die jeweilige Klasse an (lacht). Nein, wohl eher der Sportunterricht, weil das Alter der Schüler dann doch eine Rolle spielt. Obwohl ich bei uns im Training auch häufiger als Schiedsrichter fungieren muss und da können die Jungs ziemlich gut diskutieren. Da bin ich mir manchmal nicht ganz sicher, ob ich im Sportunterricht oder Training bin. Es gibt also durchaus Sachen, die sich gleichen...
Das liegt aber natürlich auch am Ehrgeiz der Mannschaft...
Lindemann: Unbedingt. Ich will auch gar nicht so viel dazu sagen. Wäre ich anstelle der Jungs, würde ich genauso viel diskutieren. Ich kann das also nachvollziehen.
Verständlich. Sprechen wir jetzt mal über diese Gegentorflut in den Testspielen. Hat das eine Aussagekraft in der Vorbereitung?
Lindemann: Das würde ich nicht unbedingt sagen. Wir können das mal chronologisch durchgehen. Gegen Riesenbeck war es insgesamt nicht so gut. Das Ergebnis kann man von der Leistung her also ausklammern. Gegen Neuenkirchen war es hingegen ein top Spiel von uns. Zwar haben wir auch zwei Gegentore bekommen, da war aber ein individueller Fehler von unserem Torwart Tom Rüther dabei und eins nach einem Standard, was immer mal passieren kann. Nicht falsch verstehen: Tom hat es ansonsten richtig gut gemacht. Wir wollen mutig im Spielaufbau bleiben. Das ist uns einmal um die Ohren geflogen. Klar, und fünf Gegentore gegen Holthausen-Biene wirken dann auch erst einmal blöd. Auch da leisten wir uns wieder drei, vier individuelle Fehler...
Holthausen-Biene ist zudem nicht irgendein dahergelaufener Gegner.
Lindemann: Richtig. Die sind nicht umsonst Erster in der Landesliga Weser-Ems. Beim gestrigen Spiel gegen Dodesheide war ich aus beruflichen Gründen dann nicht vor Ort und will dazu nichts sagen. Insgesamt geht es für uns jetzt jedenfalls darum, die individuellen Fehler abzustellen. Das ist am Ende keine Systemfrage.
Wie lief es ansonsten in der Vorbereitung. Seid ihr soweit zufrieden?
Lindemann: Auf jeden Fall. Erst einmal ist es gut, dass wir von Verletzungen verschont geblieben sind. Nur Maxi Pelle hat seit einiger Zeit ein wenig Probleme. Da haben wir ein Auge drauf und das ist nicht optimal. Ansonsten ist aber nichts Schwerwiegendes dazugekommen. Die Trainingsbeteiligung war auch gut und wir hatten immer die entsprechende Intensität drin. Die Jungs scheinen fit zu sein und geben ein positives Bild ab. Die Motivation für die Rückrunde ist auf jeden Fall vorhanden. Keiner will sich auf dem bisherigen Ergebnis auszuruhen.
Woran habt Ihr zuletzt noch im Detail gearbeitet?
Lindemann: In den vergangenen Wochen haben wir immer wieder verschiedene Schwerpunkte gesetzt. Es ging um die Offensive, das Defensivverhalten oder auch das Umschaltspiel. In dieser Woche bereiten wir uns noch einmal spezifisch auf den SC Altenrheine vor. Das beinhaltet unter anderem den Spielaufbau durch das Zentrum. Es war jedoch bisher nichts dabei, bei dem wir gesagt haben, dass wir es zwingend aufgreifen müssen.
Was kommt da mit Altenrheine für ein Gegner auf Euch zu?
Lindemann: Wie in den vergangenen Jahren erwarten wir wieder ein enges Spiel. Die lokale Nähe bringt erst einmal eine Brisanz rein. Aufgrund des Hinspiels, das leider abgebrochen werden musste, hat die Paarung dann auch noch eine gewisse Historie (Nach Spielverlegung und Gewitter-Abbruch
siegte der SCA im dritten Anlauf, Anm. d. Red.). Daneben kennt man natürlich auch viele Leute aus Altenrheine. Es macht immer Spaß auch auf Marc Wiethölter zu treffen, mit dem man während seiner Zeit beim TuS Recke auch schon viele Schnittmengen hatte. Mit einem Heimspiel zu starten, ist sowieso immer richtig cool. Wenn es dann also noch gegen Altenrheine geht, freuen wir uns da besonders darauf.
Kurz vor dem Jahreswechsel habt Ihr mit Arton Balja einen Neuzugang vorgestellt. In Euren Testspielen stand er bis jetzt immer von Anfang an auf dem Platz. Den könnt Ihr also gebrauchen?
Lindemann: 'Tony' können wir sehr gut gebrauchen - in menschlicher und sportlicher Hinsicht. Er ist eine Bereicherung für die Truppe. Auf dem Platz ist er einer, der vorangeht, lautstark unterwegs ist und eine ordentliche Ausstrahlung mitbringt. Gerade für uns ist das positiv. Wir sind eher eine Truppe, die manchmal fast schon zu brav ist. Typische Schwiegersöhne eben. Das ist alles natürlich in Ordnung. Manchmal wünschen wir uns aber noch mehr Lautstärke und Führung. Das bringt er mit. Dazu ist er mittlerweile auch auf einem guten Fitnesslevel und hat sich im Team sowieso ganz schnell zurechtgefunden.
Schauen wir noch einmal ein wenig voraus: Mit was für einer Zielsetzung geht Ihr in die restliche Spielzeit? Eure Hinrunde war schließlich richtig stark...
Lindemann: Du wirst von mir keine Kampfansage bekommen (lacht). Wir bleiben weiter einigermaßen zurückhaltend, gehen aber mit maximalen Anspruch in die Sache hinein. Verschlechtern wollen wir uns definitiv nicht. Das bringt sportliche Ehrgeiz erst einmal mit sich. Unsere derzeitige Platzierung wollen wir beibehalten. Alles andere kann ich mit den Jungs auch nicht vereinbaren. Wir sitzen schließlich nicht zusammen und reden auf einmal über Platz fünf, sechs oder sieben. Das macht dann auch keinen Spaß. Wir wissen, dass wir eine richtig gute Hinserie gespielt haben und es eine große Herausforderung wird, das zu bestätigen. Trotzdem werden wir es versuchen. Ob uns das am Ende gelingt, wissen wir nicht. Vielleicht ist aber auch ein Platz unter den Top drei drin - um ein bisschen auch den olympischen Gedanken reinzubekommen (lacht). Unter den ersten fünf Spielen sind jedenfalls vier Heimspiele. Es wäre schön, wenn wir da gut abschneiden und gleichzeitig zuhause ungeschlagen bleiben.
Dann erwartet Ihr Ende März Tabellenführer FC Nordkirchen.
Lindemann: Genau. Wenn wir es da hinbekommen, sie zu ärgern und auf der Partie noch Spitzenspiel steht, dann hätte das schon was. Danach gucken wir in Etappen, wo es hingeht.
Und zuletzt noch zu Dir selbst. Du rückst ab dem Sommer unter Kevin Gütt wieder auf die Position des Co-Trainers zurück. Hast Du dich gedanklich schon darauf eingestellt?
Lindemann: Ja, das war am Ende auch zwingend mein Wunsch. Ich genieße das gerade mit den Jungs, aber ich bin immerhin als spielender Co-Trainer in diese Saison gestartet. Obwohl ich gerade leider noch verletzt bin, will ich das erst einmal noch nicht hergeben. Spätestens mit Beginn der neuen Saison bin ich hoffentlich wieder fit und darf mich Spieler schimpfen. Also weiter mit dem Zusatz des Co-Trainers. Mit dem Verein ist es so besprochen und eine gute Lösung. Kevin wird das als Cheftrainer dann sehr gut hinbekommen und ich ihn dabei unterstützen.
Für die weit entfernte Zukunft hast Du aber gemerkt, dass Dir das Trainerdasein liegt?
Lindemann: Auf jeden Fall. Mir war es schon vorher klar, dass ich das machen will. Noch bin ich aber erst 30 Jahre alt und habe vor, ein wenig zu zocken. Ich will das so lange ausreizen, bis es nicht mehr geht. Dass ich jetzt schon Trainer geworden bin, war nicht der Plan. So läuft das allerdings manchmal. Und dann schauen wir mal, was die Zukunft so bringt.





































