Landesliga 4
Einfach kein perfektes Match
Von Christian Lehmann
(20.11.25) "Ich kann dir keine Knaller-Story liefern", stellt Philipp Hölscher direkt klar. Wer hinter dem sofortigen Rücktritt des 38-jährigen Ibbenbüreners beim Landesliga-Vorletzten Vorwärts Wettringen böses Blut oder irgendwelche außersportlichen Querelen vermutet hatte, dem nimmt der Coach den Wind aus den Segeln. "Ich hatte einfach das Gefühl, dass es nicht zu 100 Prozent passt", erklärt der Übungsleiter, der in dieser Woche ebenso wie Co-Trainer Dirk Schnermann seinen Hut im Hiärtken nahm - nach nicht ganz einem halben Jahr im Amt.
Erst im Sommer hatte Hölscher, zuletzt Co-Trainer beim Westfalenligisten SuS Neuenkirchen, beim FC Vorwärts das schwere Erbe von Patrick Wensing angetreten, der nach acht erfolgreichen Jahren und dem Last-Minute-Klassenerhalt in der Landesliga zum FC Schüttorf wechselte. Mit nur acht Punkten aus 15 Spielen verlief die Hinserie sportlich alles andere als optimal - 13 Zähler beträgt der Rückstand der Wettringer auf einen Nichtabstiegsplatz. Trotzdem gab es von Vereinsseite eigentlich keine Bestrebungen, das Trainerduo vor die Tür zu setzen.
"Nicht die letzte Überzeugung"
"Das Ende der Hinrunde nutzt man ja in der Regel gerne als Zeitpunkt für ein Feedback und einen Austausch darüber, wie es weitergeht in der nächsten Saison. Wir waren da einfach nicht komplett auf einer Wellenlänge, ich hatte nicht die letzte Überzeugung", erläutert Hölscher. "In dem Zuge waren wir uns dann einig, dass es nichts bringt, die Saison trotzdem zu Ende zu bringen, sondern dass es mehr Sinn macht, wenn sich die Wege direkt trennen und jemand im Winter frischen Wind reinbringen kann, damit es in der Rückrunde besser läuft." Beim ihm bleibe nichts hängen, betonte Hölscher. "Es war mir auch wichtig, der Mannschaft meine Sichtweise mitzuteilen, damit wir offen, ehrlich und fair auseinander gehen."
Das ist nun geschehen. Wettringens Sportlicher Leiter Sven Kemper gesteht, dass er mit dem sofortigen Rücktritt des Trainerteams nicht gerechnet hatte. "Für uns ist das natürlich eine doofe Situation, die wir in Wettringen so noch nicht hatten. Unser Ziel ist es immer, dass der Trainer bei uns fest im Sattel sitzt - auch wenn die sportliche Situation mal nicht so rosig aussieht." Tatsächlich zeigt die Historie, dass nicht nur Wensing, sondern auch dessen Vorgänger wie Manni Könning oder Clemens Gude lange für Vorwärts tätig waren. "Wir gehen im Guten auseinander. Es hat einfach nicht so gematched wie erhofft - und dann war die Frage, ob es Sinn macht, unter diesen Voraussetzungen in die Rückrunde zu gehen. Oder ob vielleicht ein Neustart das Beste ist." Der Vereinsfunktionär hält Hölscher zu Gute, dass ihm mit Nils Bussmann, Hendrik Artmann sowie über weite Strecken der Hinserie auch Florian Kappelhoff-Rickert nicht zur Verfügung gestanden hatten. Für sie mussten überwiegend junge Spieler aus den eigenen Reihen in die Bresche springen. "Das merkst Du schon. Und wenn Du direkt gegen den Abstieg spielst, hast Du auch nicht viel Zeit, die Spieler an das Niveau zu gewöhnen."
Nachfolge-Lösung noch nicht fix
Ein Spiel steht noch an im Jahr 2025. Nächste Woche Samstag (29. November) treten die Wettringer beim SC Altenrheine an. Wer dann die Verantwortung trägt, ist noch nicht final geklärt. "Unser Plan ist, mit einem neuen Trainer in die neue Trainingswoche zu gehen. Ob der dann bis zum Saisonende oder auch darüber hinaus bleibt, werden wir sehen..."



































