Landesliga 4
Burgsteinfurt siegt trotz 70-minütiger Unterzahl
Von Malte Greshake
(19.10.25) Es gibt Siege, die schmecken einfach ein bisschen besser. Für den SV Burgsteinfurt war das 2:0 (1:0) bei Borussia Münster so einer - vielleicht sogar der bisher wertvollste der Saison. Zum einen, weil’s der zweite Dreier in Folge war. Zum anderen, weil’s für die Burgsteinfurt satte 70 Minuten lang in Unterzahl über die Bühne ging. Und: Damit schnappte sich der SVB sogar die Tabellenführung.
"Wir sind sehr zufrieden", meinte SVB-Trainer Christoph Klein-Reesink hinterher. "Wie die Jungs das mit einem Mann weniger wegverteidigt haben, war beeindruckend. Und so in Unterzahl zu gewinnen, ist natürlich nochmal geiler." Zunächst startet Burgsteinfurt - und da natürlich noch zu elft - mit ordentlich Dampf. Früh pressten die Gäste aggressiv, gewannen die zweite Bälle und wurden belohnt: Neriman Kocevic legte quer, Volkan Haziri schob zur Führung ein (19.). "Wir waren sehr agil und hatten ein gutes Gegenpressing", fand Klein-Reesink. "Da passte noch alles." Doch nicht mehr lange. Dann wurde es nämlich wild.
Exner muss runter
Ein langer Ball der Borussia, das Fähnchen ging hoch, es folgte aber kein Abseitspfiff von Schiri Christoph Fischer. SVB-Keeper Engin Shegaj nahm trotzdem den Ball außerhalb des Strafraums in die Hand und warf ihn Steffen Exner zu. Ja, und weil die Szene noch nicht abgepfiffen war, entschied Fischer auf Freistoß für die Hausherren. Exner sah zudem die Gelbe Karte, weil der den Ball anscheinend nicht schnell genug hergeben hatte. Shegaj hielt seinen Kasten beim anschließenden Freistoß zwar sauber, doch deswegen erzählen wir Euch das nicht. Das machen wir, weil Exner kurz darauf nach einem Zweikampf an der Mittellinie Gelb-Rot sah. "Für mich war das eine bodenlose Frechheit", wetterte Klein-Reesink. "Das war nie und nimmer eine zweite Gelbe."
Und ab dann wurde es eben ein anderes Spiel. Burgsteinfurt stand kompakt, verschob fleißig und setzte immer wieder kleine Nadelstiche. Die Borussia übernahm natürlich nun das Kommando, machte aber zu wenig aus der Überzahl. Auch nach dem Seitenwechsel nicht. Über Maxi Wüst und Hafani Bouraima ergaben sich vielversprechende Gelegenheiten, im SVB-Strafraum fehlte jedoch der letzte Punch. Oder Shegaj war eben zur Stelle. "Wir machen aus unseren Situationen einfach zu wenig", haderte Borussia-Coach Henrik Wegener.
Wegener: "Das unterscheidet uns gerade von den Topteams"
Auf der anderen Seite hätte Umut Berke aber auch schon eher auf 2:0 stellen können. Auch wurde Joshua Olden elfmeterwürdig im Strafraum der Hausherren gefoult. Ein Pfiff ertönte aber nicht. Doppelt bitter für den SVB: Olden musste mit dickem Knöchel runter. Doch Burgsteinfurt blieb beharrlich. Und Raul Prieto schickte schließlich Kocevic in die Gasse, der blieb eiskalt - das 2:0 (78.). "Verdient", fand Klein-Reesink. "Wir haben alles reingeworfen und waren bei den Umschaltaktionen immer gefährlich. Das hat dem Gegner gezeigt: Wenn wir Platz haben, sind wir weg."
Henrik Wegener, Trainer der Borussia, konnte seiner Mannschaft wenig vorwerfen. Außer vielleicht die fehlende Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Tor. "Da fehlte uns die Finalität", sagte er. "Wir sind zu halbherzig. Das unterscheidet uns gerade von den Topteams. So lange in Überzahl zu sein und trotzdem zu verlieren, ist natürlich ärgerlich."
Borussia Münster - SV Burgsteinfurt 0:2 (0:1)
0:1 Haziri (19.), 0:2 Kocevic (78.)
Gelb-Rote Karte für Burgsteinfurts Exner (23.)



































