SCR-Hünen bleiben im Schneegestöber standhaft
von Christian Lehmann und Fabian Renger
(14.01.16) Fehlenden Willen durften die 227 Zuschauer am Delsen dem FC Eintracht Rheine nicht vorwerfen. Stets bemüht, im Schneechaos den Überblick zu behalten, rannte die Elf von Uwe Laurenz im zweiten Durchgang der Partie gegen Roland Beckum einem Rückstand hinterher. "Stets bemüht" reichte jedoch bei der 1:2 (0:2)-Niederlage wie so häufig nicht, weil der Gastgeber es nicht vermochte, die Murmel auf einfachem Wege in Richtung Gefahrenzone zu befördern. Gelang dies doch mal, räumten Beckums rustikale Abwehrschränke das Spielgerät rigoros zur Seite.
"Die Bälle müssen hoch rein. Das ärgert mich kollossal", monierte FCE-Coach Laurenz auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. "Das sind Aktionen, die Du einfacher spielen musst." Was er meinte: Nach dem Anschlusstor zum 1:2 von Philipp Fontein - Eintrachts Zehner war von Philipp Brüggemeyer geschickt worden und hatte davon profitiert, dass die SCR-Defensive sich auf den im Abseits stehenden, aber nicht eingreifenden Timo Scherping fokussiert hatte (50.) - wurschtelte sich sein Team zwar zurück in die Partie und zeigte das nötige Herz. Was fehlte, war allerdings der Mut zur Hässlichkeit. Statt den nun in der Deckung nicht stabilen Beckumern die Bälle hoch um die Ohren zu hauen, versuchten es Fontein, Hölscher, Figueiredo häufig mit Kombinationsfußball und Kurzpassspiel. Auf dem in Durchgang zwei völlig matschigen und schneebedeckten Untergrund das völlig falsche Mittel.
Grewe gestoßen
Gefahr entstand immer dann, wenn der Ball in der Luft durch die Beckumer Box segelte. Den Kopfbällen des emsigen Luca Meyer (73.) sowie Kevin Grewes (77.) fehlten jedoch die Präzision. Die letzte Ausgleichs-Möglichkeit vergab dann Letzterer, der allerdings im Strafraum von Bernd Sumelka gestoßen worden war (90.). Der fällige Elfmeterpfiff - und seltsamerweise auch die Proteste vonseiten des FCE - blieben aus.
"Klar kann's auch unentschieden ausgehen", gestand Beckums Trainer Carsten Droll nach dem Spiel. "In der zweiten Hälfte war nur noch Kampf angesagt. Wir haben alles reingeschmissen. Der Platz war ja mit dem einsetzenden Schnee nachher fast nicht mehr bespielbar."
Zig Chancen zu Beginn
Als der Rasen noch grün und nicht weiß war, erwischte die Eintracht einen Sahnestart. In der bockstarken Anfangsviertelstunde verpassten es jedoch Timo Scherping (3.), Fontein (7.), Jule Hölscher (9./11.) und Philipp Röhe (14.), ihr Team in Führung zu schießen.
Was dann folgte, brachte Laurenz auf die Palme: Nachdem Temel Hop durchgesteckt hatte zu Rene Wessels, verließ FCE-Schnapper André Wiesch ohne Not seinen Kasten, im zweiten Versuch brachte Wessels den Ball an ihm vorbei zur Führung (0:1/30.). Wenig später servierte Samet Davulcu das Leder für Temel Hop, dem FCE gelang es nicht, die Situation zu klären. Letztlich nutzte Sotirios Stracacis die Orientierungslosigkeit Philipp Garmanns, luchste diesem den Ball ab und lupfte ihn frech über Wiesch hinweg ins Tor - 0:2 (43.); eine Hypothek, welche die Hausherren letztlich nicht mehr begleichen konnten.
Laurenz gefrustet
"Wir sind für zwei mehr als dumme Fehler bestraft worden", echauffierte sich Laurenz. "Wenn du dich sechs Wochen auf so einen Gegner vorbereitest und dann solche Tore kriegst, die du einfach verteidigen kannst, dann verärgert mich das maßlos. Wenn irgendwo die Lampen angehen müssen, dann doch fünf Meter vor dem Tor. Der Ball muss weg."
Wie gefrustet der Übungsleiter war, ließen seine letzten Aussagen erahnen: "Ich hoffe, dass es mir gelingt, in dieser Woche den Frust und die Wut in die Mannschaft hinein zu transportieren." Hört sich so an, als kämen unangenehme Tage auf die FCE-Akteure zu...
FC Eintracht Rheine - SC Roland Beckum 1:2 (0:2)
0:1 Wessels (30.), 0:2 Stratacis (43.),
1:2 Fontein (50.)
FCE: Wiesch - Röhe (75. Grabbe), Brüggemeyer, Garmann (75. Beckmann-Smith), Maug - Grewe, L. Meyer - Hölscher, Fontein, Figueiredo (75. Woltering) Scherping