Oberliga Westfalen
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Zum "Fußballgott" fehlt noch etwas
von Christian Lehmann
(04.03.25) Selbst Trainer Christian Hebbeler wunderte sich, dass ausgerechnet Tim Heger am Samstag beim Gastspiel in Ahlen für die entscheidenden Momente sorgte. Mit dem Tor zum 2:0 für sein Team in der 29. Minute und speziell dem erlösenden Treffer zum 3:1 (65.) half der Abwehr-Schlacks entscheidend dabei mit, dass sein Team drei ganz wichtige Punkte mit in die Emsstadt nahm und nun mit 35 Zählern als Tabellensechster richtig töfte dasteht. "Dass Tim trifft oder sogar zwei Tore schießt, passiert auch nicht alle Tage", sagte der FCE-Trainer nach dem 4:1-Auswärtssieg, der beim Gegner für große Misstöne und letztlich sogar zur
Entlassung von Chefcoach Björn Joppe führte.
Die Stimmung am Delsen ist dagegen nach dem ersten Oberliga-Sieg im neuen Jahr prächtig. Auch bei Tor-Debütant Heger, mit dem wir uns am Dienstag zum Interview verabredet haben. Im Doppelpass spricht der 20-jährige Abwehrspieler, der vor seiner Zeit beim FCE beim SC Altenrheine und Preußen Münster ausgebildet wurde, über seinen Doppelpack, die Leistungssteigerung seines Teams nach einer kleinen Delle im Spätherbst, seine Zukunftspläne - und den Hashtag #TimHegerFußballgott in den sozialen Medien.
Tim, Du hast am Samstag zwei Tore beim 4:1-Sieg deines FCE Rheine in Ahlen erzielt. Konntest Du das Karnevals-Wochenende danach besonders gut genießen?
Heger: Auf jeden Fall. Auf dem Rückweg im Bus haben wir noch ein Bier getrunken. Am Sonntag war ich dann beim Karneval in Hauenhorst. Allerdings mit der Familie und nicht so lange, weil ich am Montag früh raus und wieder arbeiten musste.
In den sozialen Medien habe ich den Hashtag #TimHegerFußballgott gelesen. Wie hört sich das an?
Heger (lacht): Das habe ich auch gelesen. Ich muss aber ehrlich gestehen, dass das ein Kumpel von mir im dicken Kopp geschrieben hat. Man sollte es jetzt auch nicht übertreiben. Zum Fußballgott fehlt mir dann vielleicht doch noch ein bisschen was...
Wie hast Du deine beiden Treffer erlebt? Es waren deine ersten beiden Tore in dieser Saison - und beide nicht mit dem Kopf, richtig?
Heger: Ja, es waren meine ersten beiden Tore überhaupt in der Oberliga. In Testspielen oder im Pokal hatte ich vorher schon mal getroffen. Mir ist echt ein Stein vom Herzen gefallen, dass es diesmal endlich geklappt hat. Ich gehe ja bei Standards fast immer mit nach vorn. Beim ersten Tor musste ich nach einer kurz ausgespielten Ecke am Fünfer nur noch einschieben, beim zweiten habe ich selbst den Ball erobert und einen Doppelpass mit Bennet (van den Berg, Anm.) gespielt. Der Ball ging raus zu Monta (Montasar Hammami, Anm.) und ist mir dann im Sechzehner wieder vor die Füße gefallen.
Das war insgesamt ein sehr reifer Auftritt von euch...
Heger: Ja, wir waren sehr zufrieden mit der Teamleistung. Wir hätten schon in der ersten Halbzeit höher in Führung gehen müssen und kassieren kurz vor der Pause den Anschlusstreffer. In der Pause haben wir uns dann schon Gedanken gemacht, dass die Anfangsviertelstunde der zweiten Halbzeit sehr intensiv wird und Ahlen über viele Flanke die kopfballstarken Spieler suchen wird. Wir sind sehr happy, dass wir letztendlich mal einen klaren Sieg eingefahren haben und nicht bis zur letzten Minute zittern mussten.
Erstmals stand nicht Ramon Büsken oder Corny Watta hinter dir im Kasten, sondern Marcel Pieper. Hat das euer Spiel verändert?
Heger: Ich finde, Marcel hat in den vergangenen Monaten eine tolle Entwicklung genommen - auch wenn er nicht gespielt hat. Sich in diesem Torwart-Dreikampf durchzubeißen und sich den ersten Einsatz zu verdienen, das war schon gut. Er hatte einen ruhigen Spielaufbau, hat klare Dinge gemacht und war darauf bedacht, sich keine Patzer zu leisten. Genau so muss man es machen in seinem ersten Spiel.
Beim 13:0-Testspielsieg gegen den SC Greven 09 unter der Woche warst Du nicht dabei. Hattest Du Bedenken, dass Du vielleicht nicht von Beginn an spielst?
Heger: Ich musste angeschlagen passen, habe auch am Dienstag nicht richtig trainieren können und war zweimal beim Physio. Der hat dann gesagt, dass es geht. Da es Leon (Niehues) und Ben (Wittenbernds) im Testspiel nicht verkehrt gemacht haben, dachte ich mir schon, dass es mich diesmal treffen kann. Wenn man nicht trainiert, muss man mit den Konsequenzen leben. Ich habe mich aber ganz normal vorbereitet.
Nach einer kleinen Delle Anfang im November habt ihr euch inzwischen wieder stabilisiert. Du hast selbst seit Jahresbeginn jedes Spiel über die volle Distanz bestritten. Was hat sich getan, dass es für den Verein und für dich nun so gut läuft?
Heger: Ich glaube, wir wurden ein bisschen wachgerüttelt. Inzwischen wissen wir, dass wir für jeden Gegner unangenehm sein können, wenn wir unsere Qualitäten auf den Platz bringen. Durch unsere guten Spiele bekommen wir nun einen Rhythmus rein, bekommen klare Aufgaben an die Hand. Außerdem wissen wir, dass wir bessere Chancen haben, wenn wir mehr Ballbesitz haben und unsere Torchancen ruhig herausspielen, statt uns auf ein wildes Hin und Her einzulassen.
Was hat es mit der Auswärtsstärke beziehungsweise der Heimschwäche auf sich?
Heger: Das ist schon ein kleiner Fluch gerade. Ich weiß nicht, ob die Jungs auswärts einfach weniger Druck verspüren. Das ist echt komisch. Eigentlich ist es für jeden von uns schön, am Delsen zu spielen. Ich bin zuversichtlich, dass wir die nächsten Heimspiele wieder erfolgreicher gestalten können.
Ihr liegt nur sechs Punkte hinter Tabellenplatz zwei zurück, habt aber auch deutlich mehr Spiele bestritten als etwa der Ligazweite Sportfreunde Siegen. Nun steht das Heimspiel gegen den ASC Dortmund an, danach geht's ins Leimbachstadion - für Siegen übrigens das fünfte Spiel in 17 Tagen. Was rechnet ihr euch in dieser mega-langen Oberliga-Saison noch aus? Die Regionalliga-Lizenz hat der FCE jedenfalls beantragt...
Heger: Nach der vergangenen Spielzeit, in der wir lange gegen den Abstieg gespielt haben, dieses Vertrauen vom Verein zu bekommen, ist echt cool. Wenn man uns vor der Saison gesagt hätte, wir landen unter den ersten zehn, dann hätten wir das wohl unterschrieben. Es wäre schon toll, irgendwann mal in der Regionalliga zu spielen - und sei es in zwei, drei Jahren. Zu den nächsten Spielen: Den ASC Dortmund haben wir im Hinspiel schon geschlagen, da sind Punkte drin. Siegen wird schon sehr hart. Die haben einen Kader, von dem andere in der Oberliga nur träumen können. Gerade nach der langen Anfahrt dorthin muss schon alles stimmen, wenn Du was mitnehmen willst. Die Busfahrt merkst Du schon. Aber auch das ist nicht unmöglich.
Du bist 20 Jahre alt, hast inzwischen in der Oberliga Fuß gefasst. Wie sieht dein Plan für die nächsten Jahre aus?
Heger: Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, diese Saison voll durchzuziehen. Da hat mir dann ein Muskelbündelriss, der mich zwölf Wochen außer Gefecht gesetzt hat, einen Strich durch die Rechnung gemacht. Für die kommende Spielzeit habe ich beim FCE ja schon zugesagt, da möchte ich mich gerne mal nicht verletzen und mindestens 20 Spiele machen. Als junger Spieler hat man natürlich immer die Hoffnung, mal in der Regionalliga oder höher zu spielen - aber darauf liegt nicht mein Hauptaugenmerk. Der schulische und berufliche Werdegang ist wichtiger. Ich möchte Ende Januar meine Ausbildung vernünftig abschließend. Wenn ich dann noch die Möglichkeit bekomme, einen Schritt weiter zu gehen, habe ich ja immer noch genug Zeit...







































