Oberliga Westfalen
Das war irgendwie unerklärlich
Von Fabian Renger
(12.10.25) Wer bist du – und was hast du aus dem TuS Hiltrup gemacht? Die Hiltruper spielten am Sonntag ihr erstes Oberliga-Münster-Derby. Es ging für sie zur Zwoten von Preußen Münster. 320 Zuschauer kamen – und sahen etwas fast schon Unwirkliches: Die Preußen gewannen mit 5:4 (1:2). Bis zur 70. Minute hatten die Gäste noch mit 2:1 vorn gelegen – um sich dann dreimal (!) per Kopf überwältigen zu lassen. Allein das gegen den eigentlich robusten wie kopfballstarken Aufsteiger hinzubekommen, ist schon eine Kunst für sich.
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„Wenn du fünf Gegentore bekommst, können sich alle Beteiligten hinterfragen: Spieler und Trainer. Das war total wild. Ich hab uns ehrlicherweise auch nicht wiedererkannt“, suchte TuS-Coach Marcel Stöppel nach den richtigen Worten. Auch sich selbst nahm er in die Pflicht: Hätte er vielleicht früher noch mehr Größe reinbringen müssen – etwa Sören Jankhöfer von der Bank, der mit seinem Gardemaß die Flanken hätte abräumen können? Weiß man nicht.
Sechs Tore binnen 16 Minuten!!!
So oder so: Dreimal kassierte der TuS ein Tor per Kopf. Luca Steinfeldt traf zum 2:2 (70.) und zum 4:2 (74.), dazwischen markierte Michel Scharlau das 3:2 (72.). Satan. Da half weder Joschka Brüggemanns verwandelter Foulelfmeter zum 4:3 (79.) noch Dickens Tokas Anschluss zum 5:4 (86.). Zwischenzeitlich hatte Marvin Schulz zum 5:3 eingenetzt (84.). Sechs Tore binnen 16 Minuten – das sprach nicht gerade für die Defensivreihen.
Schulz' 5:3 nahm Stöppel auf seine Kappe, weil er da gerade auf Mann-gegen-Mann über den ganzen Platz umgestellt hatte. In Sachen Speed sind die Adlerträger den Osttor-Boys eben überlegen. War ihm egal – alles oder nichts. Doch in Sachen Robustheit, Zweikampfverhalten und Kopfballspiel hätten sich die Hiltruper nicht so leicht düpieren lassen dürfen. „Das waren Treffer, bei denen wir unfassbar schlecht bei der Mannorientierung in der Box agiert haben. Wir hatten da überhaupt keinen Zugriff, kein Timing bei den Flanken – das war viel zu luftig verteidigt.“
Erste Halbzeit ging an die Gäste
Dabei lief der Start perfekt. Die Anfangsphase sei „richtig gut“ gewesen, fand Stöppel. Preußens Verteidiger Ben Menke unterlief ein Eigentor zum 1:0 (6.), Alex Gockel legte das 2:0 nach (8.). Genau so hatte Stöppel sich das vorgestellt: Nach gegnerischem Abstoß den Ball erobern und dann mit Tempo umschalten. Marvin Schulz verkürzte zwar auf 2:1 (11.), aber Hiltrup blieb griffiger, stabiler, präsenter.
„Unsere erste Halbzeit war katastrophal“, räumte derweil Preußens Coach Kieran Schulze-Marmeling gegenüber den Westfälischen Nachrichten ein. Zur zweiten Halbzeit wechselte er gleich dreimal – und drehte damit den Spielverlauf. Der knappe Hiltruper Vorsprung hielt zwar lange, doch dann folgte das Kopfball-Desaster binnen vier Minuten. Der Rest war ein wildes Offensiv-Spektakel, das Stöppel sichtlich mitnahm. „Wenn man fünf Tore frisst, scheint einiges nicht gut gelaufen zu sein“, fasste er zusammen. Dieses Spiel dürfte ihn noch ein paar Nächte beschäftigen.
Preußen Münster II - TuS Hiltrup 5:4 (1:2)
0:1 Menke (6./ET), 0:2 Gockel (8.)
1:2 Schulz (12.), 2:2 Steinfeldt (70.)
3:2 Scharlau (72.), 4:2 Steinfeldt (74.),
4:3 Brüggemann (79./FE), 5:3 Schulz (84.)
5:4 Toka (86.)









































