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Führte mit der Neuansetzung eigentlich Gutes im Schilde: Werner Zimmer, Staffelleiter der Frauen-Landesliga 3, Schiedsrichter und Ex-Trainer.

Der Fall Dorsten vs. Gronau – Zimmer: „Man muss doch menschlich bleiben!“


Von Lutz Hackmann

(27.05.13) Die Neuansetzung eines Meisterschaftsspiels sorgt in der Frauen-Landesliga 3 für Gesprächs- und Zündstoff. Die Partie zwischen RW Dorsten und Fortuna Gronau am Pfingstmontag war nach der schweren Beinverletzung der Dorstener Torhüterin Franziska Bandow beim Gegentor zum 1:2 in der 78. Minute vom Schiedsrichter Semih Güngör abgebrochen, und von Staffelleiter Werner Zimmer für Fronleichnam neu terminiert worden.

Soweit die nackten Tatsachen. Was für Brisanz sorgte, spielte sich mehr hinter den Kulissen ab. Denn RW Dorsten ist zwar am gestrigen Sonntag kurz vor 19 Uhr nach der 1:2-Niederlage bei Wacker Mecklenbeck definitiv in die Bezirksliga abgestiegen. Doch zum Zeitpunkt der Neuansetzung wären – einen RWD-Sieg im Wiederholungsspiel vorausgesetzt – auch die eigentlich geretteten Preußen aus Borghorst und Emsdettener Borussen wieder zusammen mit den Rot-Weißen in der Abstiegsverlosung gewesen. Und auch bei diesen Klubs sorgte die Entscheidung von Zimmer für Kritik und Unverständnis. Schaut man genau hin, dann wäre die Entscheidung des erfahrenen und verdienten Funktionärs aus Schapdetten tatsächlich durchaus anfechtbar.

„Instanz unterlaufen“

Wichtigste Person in diesem Gesamtpaket ist natürlich Werner Zimmer. Denn mit der Neuansetzung setzte sich Zimmer im Prinzip über die Spielordnung hinweg. Und zwar, weil der Unparteiische in den Spielbericht eintrug, dass der Abbruch erfolgte, da Dorsten sich nach der Verletzung und dem Erscheinen von RTW und Notarzt nicht im Stande gesehen habe, weiterzuspielen. Ergo ist RWD als Verursacher des Abbruchs sozusagen aktenkundig gemacht, trägt die Schuld. So war § 29 Absatz 4 der Spielordnung nicht mehr greifbar, der besagt, dass ein Spielabbruch, der aus Gründen entsteht, die beide Mannschaften nicht zu vertreten haben, und das Spiel somit neu anzusetzen ist. Die Spielordnung sieht für jeden anderen Fall vor, dass ein Spielabbruch automatisch an die zuständige Instanz, in diesem Fall die Verbandsspruchkammer (VSK), weiterzugeben ist. Dort wird über die Konsequenzen, in der Regel Wertung oder Wiederholung, nach Anhörung und Schuldfeststellung geurteilt. Zimmer räumte am Montag gegenüber Heimspiel-online ein: „Im Grunde hätte ich das Spiel für Gronau werten müssen. Und mit der Neuansetzung habe ich auch eine Instanz unterlaufen!“

„Dann nehme ich das auf meine Kappe!“

Doch hatte Zimmer seine Gründe: „Das war für mich eine menschliche, eine moralische Entscheidung. Ich halte nichts davon, immer nur die Paragrafen-Peitsche rauszuholen! Ich habe jedes Verständnis dafür, dass die Dorstener bei dieser schweren Verletzung nicht im Stande waren, weiterzuspielen. Man muss doch menschlich bleiben!“, so Zimmer. Im Übrigen hätten diese Paragrafen es zudem hergegeben, Dorsten als Abbruch-Verursacher mit einer Strafe von 200 € zu belegen. Und Zimmer handelt aus moralischer Überzeugung, was er mit folgendem Satz unterstreicht: „Wenn der Verbands-Fußball-Ausschuss mich dafür rüffelt, dann nehme ich das auf meine Kappe!“

Zudem berichtet Zimmer: „Ich habe mit Fortunas Obmann Harry de Wagt telefoniert, ihn gefragt: Was hättet ihr in so einem Fall gemacht? Herr de Wagt meinte, auch sein Team hätte bei so einer Verletzung nicht weitergespielt.“ Was dem Staffelleiter im Übrigen übel aufstieß: RW Dorsten wollte entweder am Mittwoch- oder am Freitagabend wiederholen, nicht aber am Donnerstag, weil es an Personal mangele. Zimmer: "Das können die mir nicht erzählen!" Eine Enttäuschung für den Schapdettener nach der auf dem Silbertablett servierten Chance.

Nur bei Beschwerde kommt die VSK ins Spiel

Wie ist also nun die Gesamtsituation? Das beantwortet Georg Schierholz (Lippstadt), der Vorsitzende der zuständigen VSK: „Treten die beiden Mannschaften am Donnerstag zum Wiederholungsmatch an, dann ist der Fall vom Tisch. Legt gegen die Neuansetzung eine der beteiligten Parteien Beschwerde ein, dann müssen wir als VSK entscheiden.“

Außerdem pikant: Beide Mannschaften haben am Donnerstag für diese nun völlig bedeutungslose Partie wegen des Feiertages nur ein Rumpfteam zur Verfügung, zudem stehen für die Fortunen von Trainerin Britta Röwer insgesamt 160 Kilometer Fahrt an – ein nicht zu verachtender Kostenfaktor. Röwer ist darüber unglücklich: „Egal ob wir da hinfahren, oder aber nicht antreten – irgendwie sind wir so oder so die Deppen!“ Im Sinne des Sports wäre vor dem Hintergrund, der seit Sonntagabend besteht (nämlich dem unumkehrbaren sportlichen Abstieg von Rot-Weiß), ein Dialog der beteiligten Parteien wünschenswert.



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