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Thies Kambach (2.v.l.) kann nur kicken, wenn es das Wetter wie hier anno 2014 in Gievenbeck, zulässt.

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In diesem Jahr bestreitet der Torjäger seine letzte Sasion für den VfL Theesen, dann wird er Trainer beim TuS Dornberg. Foto: VfL Theesen.

Der Mann, der nicht schwitzen kann


von Mario Witthake

(30.09.15) Viele Fußballer, gerade im gehobenen Alter, leiden unter dem einen oder anderen Wehwehchen. Bei Thies Kambach ist das anders. Er leidet seit seiner Geburt an einer Ektodermalen Dysplasie. Für die Nicht-Mediziner unter uns: Kambachs Schweißdrüsen haben eine Fehlfunktion, der inzwischen 33-jährige Stürmer kann nicht schwitzen, sein Körper heizt sich deshalb extrem auf. Und trotzdem ist Thies Kambach - mal wieder - die Hoffnung des VfL Theesen in der Westfalenliga.

"Ich brauche eine externe Abkühlung für meinen Körper, etwa alle zehn Minuten durch einen Eimer Wasser", erklärt Kambach, der in der Sommervorbereitung zum Zuschauen verdammt ist und sich nach und nach immer rankämpfen muss. "Ab einer Außentemperatur von 23 Grad wird's schwierig für mich", sagt er. Deshalb musste sein Trainer Andreas Brandwein auch in den ersten fünf Saisonspielen auf seinen Torjäger verzichten, weil es draußen zu heiß war. Theesen holte nur zwei Punkte, stand zwischenzeitlich am Tabellenende. Seit zwei Spielen darf Kambach wieder ran - und trifft! Doppelt beim 2:1 gegen Preußen II, doppelt beim 2:2 in Nottuln. "Thies hat einfach immer noch ne super Qualität", lobt Brandwein.

In der Jugend verschmäht

Das fanden anno 2007 auch die Fans des Regionalligisten SC Verl. Nachdem Kambach in der Jugend ausschließlich Kreisliga gekickt hatte, weil nach Aussage des Spielers Vereine wie Arminia Bielefeld "trotz meines Talents wegen meiner Krankheit Abstand von mir genommen haben", holte ihn Brandwein beim TuS Dornberg als 18-Jährigen in die erste Mannschaft. Die Dornberger legten einen famosen Run hin, stiegen von der Kreisliga C schnurstracks in die Verbandsliga auf - mit Kambach als Torgarant.

2005 wechselten Brandwein und Kambach nach Theesen, der Stürmer machte weiter auf sich aufmerksam und schaffte in der Winterpause der Saison 2006/07 den Sprung zum Oberligisten nach Verl. Am 18. März 2007 legt er die nach eigener Aussage "33 besten Minuten meiner Laufbahn" hin. Im Stadion des SC Preußen Münster schießt er vor 3350 Zuschauern das 1:0 und bereitet den zweiten Treffer vor. Dann die Schrecksekunde: Kambach rasselt mit SCP-Torwart Michael Joswig zusammen und zieht sich einen offenen Schien- und Wadenbeinbruch zu. Das Spiel gewinnt Verl mit 2:1 und steigt in die Regionalliga auf, doch Kambach kommt nicht mehr auf die Beine. 18 Monate Pause - der Traum von der Profikarriere ist dahin.

"Vielleicht hätte mehr geklappt"

"Schon in Dornberg hieß es, es würde schwierig für ihn", erinnert sein langjähriger Trainer Brandwein. Wie Brandwein hat nur Verls Trainer Mario Ermisch trotz dessen Erkrankung auf Thies Kambach gebaut. "Wenn das alles nicht gewesen wäre, hätte vielleicht mehr geklappt", sagt der Spieler rückblickend. Er sei aber nicht sauer, sondern habe die Beeinträchtigungen schon als kleiner Junge akzeptiert: "Man lernt damit umzugehen."

In der Westfalenliga will Kambach den Klassenerhalt erreichen und seine beeindruckende Statistik - der Stürmer trifft seit der Saison 2014/15 alle 70 Minuten ins Tor - halten. Im Sommer geht's für ihn dann zusammen mit Kumpel Janis Theermann zurück nach Dornberg. Kambach wird Trainer beim dann runderneuerten Bezirksligisten TuS Dornberg - und lässt andere schwitzen.

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3    SV Bösensell 19    49:10 49  
4    Neuenkirchen II 20    71:25 46  
5    Arm. Ibbenbüren 19    63:31 45  

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