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Querpass

Begehrt, aber aus unterschiedlichen Gründen wohl nicht zu haben (v.l.n.r.): Marcel Pielage (Westfalia Kinderhaus), Florian Reckels (TuS Altenberge/mit David Marx) und Benjamin Heeke (1. FC Gievenbeck).

Zwischen Sabbatjahr und Trainersuche


Von Alex Piccin 

(19.12.18) Die Fußballschuhe stehen geputzt im Schrank, die Sporttasche ist geleert und der Eigentümer gönnt sich die Ruhe am Jahresende: Es ist Winterpause. Dafür sind die Schreibtischtäter mitten im Trubel. Es geht darum, den Chef an der Linie für die kommende Saison zu finden und/oder den Kader zusammenzustellen. Eine Woche vor Weihnachten sind die Gespräche bei den Münsterländer Teams unterschiedlich weit geführt. Manche haben das Paket bereits geschnürt, woanders wahren die Verantwortlichen die Traditionen, bei anderen soll eine schnelle Lösung her. Wie genau funktioniert dieses Prozedere? Und nutzt sich ein Trainer nach einer gewissen Halbwertszeit ab? Wir haben nachgebohrt.

Öffnet internen Link im aktuellen FensterUwe Laurenz (sechseinhalb Jahre) und Altenberges Florian Reckels (drei Jahre) sind nach ihren letzten oder aktuellen Stationen nicht scharf darauf, sogleich das nächste Trainerpferd zu satteln. Es gebe Öffnet internen Link im aktuellen FensterAngst vor Abnutzungen und die Notwendigkeit, durchzupusten, andere Prioritäten zu setzen. Hiltrups Carsten Winkler (drei Jahre) spricht von Öffnet internen Link im aktuellen Fensterneu zu schaffenden Reizen und der Suche nach neuen Herausforderungen. Am Osttor wurde die Suche nach einem neuen Chefcoach bereits eingestellt, in Altenberge, Nottuln, Neuenkirchen oder am Aasee wird dagegen noch gesucht. Dass andere Szenarien möglich sind, beweist Oberligist 1. FC Gievenbeck. Er stellt ein beinahe einzigartiges Beispiel dar.

Nicht amtsmüde

Der ließ sich nämlich in der Vergangenheit gerne bis zum nahenden Saisonende Zeit, das Arbeitspapier mit Benni Heeke um jeweils eine Spielzeit zu verlängern. Seit 2014 ist er der Coach der ersten Mannschaft, hat zuvor eine Saison lang die U23 trainiert und war seit der Jahrtausendwende im Jugendbereich tätig. Da fallen Außenstehenden schnell die Vokabel "amtsmüde" oder "Tapetenwechsel" ein. Dem 33-Jährigen nicht. Nach fast 20 Jahren beim FCG sieht sich Heeke dort noch nicht am Ende angekommen, obwohl die Belastung mit 30 Arbeitsstunden pro Woche nicht gerade gering ist: "Es gibt viele Baustellen bei uns und ich sitze nicht auf einem Schleudersitz." Die offizielle Entscheidung darf man wohl erst im Frühjahr erwarten. Die Zeichen deuten nicht auf eine Trennung hin. 

Dieter Hanebuth aus der sportlichen Leitung von Westfalia Kinderhaus kennt solche langen gemeinsame Wege. Er selbst war einmal sieben und einmal acht Jahre am Stück Trainer beim jetzigen Landesliga-Zweiten: "Persönlich halte ich nichts davon zu sagen, ein Trainer würde sich mit der Zeit abschleifen. Dadurch, dass es in der Mannschaft einen laufenden Austausch gibt mit jungen Spielern oder jenen, die kommen oder gehen, kann man das auffangen." Es müsse zwischen Übungsleiter und Kickern fachlich wie menschlich passen. "Dann sind auch fünf, sechs Jahre drin. Gerne auch mehr. Otto Rehagel in Bremen oder Torsten Lieberknecht in Braunschweig haben gezeigt, dass dies auch auf hohem Level geht. Es gibt aber kein Patentrezept." Mit dem aktuellen Coach Marcel Pielage sei die Vertragsverlängerung "Formsache", da es eine gemeinsame Basis gebe und beide weitermachen wollen. 

Langfristiges Projekt

Freilich kann Hanebuth nur aus Kinderhauser Sicht sprechen. Doch auch er war in der Situation, der Truppe einen neuen Vorturner zu suchen. Die Westfalia zapft in diesen Fällen zuerst ihr Netzwerk an. "Gerade in Münster ist die Szene bekannt", sagt Hanebuth. Zudem blieben Gästetrainer, deren Mannschaften in Kinderhaus Eindruck hinterlassen haben, im Gedächtnis. Eine Dauerbewerbung sozusagen. Auf langfristiger Ebene hofft Westfalia auf ein internes Projekt. So werden Jugendtrainer aus dem Kader der Ersten rekrutiert, wie zum Beispiel Nick Rensing, der für A-Junioren verantwortlich ist. Möglicherweise rückt er eines fernen Tages ins allererste Trainerglied. Oder Gerrit Göcking, aktuell Pielages Co und immer wieder verletzungsgeplagt, den Hanebuth irgendwann gerne stärker in die Vereinsarbeit integrieren würde: "Wenn seine Gesundheit es nicht mehr zulässt, finden wir ihm bestimmt einen Platz im Verein oder auf der Trainerbank."

Eine ähnliche Philosophie verfolgt bei einer Trainersuche Ligakonkurrent TuS Altenberge. Die Jungs vom Großen Berg suchen nach einem Nachfolger für Reckels. Sie zapfen ebenso bekannte Kanäle an oder fragen den scheidenden Coach selbst, ob er einen Vorschlag für den Nachfolger habe. Der Blick geht aber auch in die eigenen Reihen. Wichtig findet Sportleiter Erwin Hammer, die Spieler selbst zu hören: "Wir sprechen mit den Mannschaftsräten der Ersten und Zweiten und möchten nicht von oben herab entscheiden, ihnen jemanden vorsetzen, den die Jungs nicht leiden mögen."

Aufreibend und spannend

Die Entscheidung Reckels', sich eine Auszeit zu nehmen, kann er durchaus nachvollziehen, schließlich hat der heute 68-Jährige von 1985 bis 1988 als Spielertrainer die Altenberger Geschicke selbst geprägt: "Ich brauchte danach auch eine Pause. Die Zeit als Trainer ist aufreibend, auch aber spannend, sie kann Frust wie Freude hervorrufen. Florian steckt viel Power und Herzblut in die Sache und ist zusätzlich auch noch Lehrer."

Die Altenberger folgen bei der Suche ihrer Abteilungsphilosophie und stricken ein bestimmtes Anforderungsprofil. So soll der Coach theoretisches Wissen praxisbezogen übermitteln können, idealerweise ist dies durch ein Trainerschein belegt. Gewisse Referenzen muss er mitbringen, das Vereinsleben zufriedenstellend gestalten. Und nach Möglichkeit auf Jungs aus dem eigenen Stall setzen, wie Hammer ausführt: "Wir wehren uns nicht gegen externe Neuzugänge, aber uns ist es wichtig, dass ein Trainer unsere Spieler weiterentwickelt. Das hat mit Florian gut geklappt." Schriftliche Bewerbungen gingen übrigens auch immer wieder mal ein.

Deadline ohne Druck

Hammer und Hanebuth haben eine einfache Erklärung, warum Trainer- und Spielergespräche in der Winterpause Hochkonjunktur haben: Der Spiel- und Trainingsbetrieb ruht, die einzelnen Personen haben Zeit. Der Altenberger Funktionär findet den Gievenbecker entschleunigten Weg gut. "Manche Vereine planen die neue Saison bereits ein dreiviertel Jahr im Voraus. Das finde ich übertrieben", sagt er. Dezember oder Januar seien dazu völlig ausreichend. Da fast alle Vereine auch diesen Zeitraum für die Saisonplanung nutzen, kann eine Drucksituation entstehen, die frühes Handeln erfordert, um nicht vor einem leeren Buffet oder einer leeren Kabine zu stehen. Nicht so beim TuS, versichert Hammer: "Das ist nicht unsere Motivation." Durch die Gespräche vermittele Altenberge dem eigenen Personal Sicherheit und Anerkennung.

In Kinderhaus nehmen sie sich vor, im Januar die Gespräche mit dem eigenen Kader über die folgende Spielzeit abgeschlossen zu haben. "Hier können wir Erfahrungswerte aus der ersten Saisonhälfte lassen und gegebenenfalls reagieren", schildert Hanebuth. Um zügig Planungssicherheit zu haben, bekommen die Kicker eine Deadline gesetzt. Diese kann aber auch einige Monate in der Zukunft liegen: "Studium, Beruf oder das Private kann sich schnell verändern. Das ist wichtiger und wir respektieren das. Wenn jemand Bedenkzeit benötigt, soll er sie bekommen." Die Spieler sollen mit Überzeugung und nicht aus einer Drucksituation heraus zusagen und dann mit Begeisterung und Freude auf den Platz gehen.

Interview mit Benni Heeke: Öffnet internen Link im aktuellen FensterNoch nicht am Ende angekommen



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