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Querpass

Im September 2016 durften wir das Allerheiligste des SV Mauritz betreten und bei einer Kabinenansprache von Trainer Christopher Dunkel-Steinhoff Mäuschen spielen.

Von Windeln, Hühnern und Schnäppsen


Von Marc Klein und Christian Lehmann

(24.02.20) Ex-Profi Benjamin Siegert, inzwischen beim FC Nordkirchen und in der kommenden Saison Trainer des SV Herbern, plaudert aus dem Nähkästchen: "Einer meiner Trainer hat in der Kabine mal eine Windel mit Nutella vollgeschmiert und uns gesagt 'Jungs, wenn ihr die Hosen voll habt, dann wird das hier nichts!'. Das war schon außergewöhnlich."

Siegert berichtet auch von elf brennenden Kerzen, die einer seiner Coaches bei der Ansprache ausgepustet hat ("Wenn wir nicht brennen, gehen wir unter!"). Vor einem wichtigen Spiel habe einer seiner Trainer den Spielern auch schon Videos von Frauen, Freundinnen und Angehörigen mit emotionalen Botschaften gezeigt.

Ein Schnäppschen vor dem Spiel

Egal ob Hip-Hop-Mucke, lautes Gebrüll und Geklatsche im Spielerkreis oder doch der gute, alte Eimer Schweineblut. Bei unseren Recherchen haben wir sogar von einem Trainer gehört, der vor dem Spiel ein totes Huhn aus dem Hut gezaubert hat - von wegen 'ein Hühnchen rupfen' und so... Es gibt etliche mehr oder weniger umstrittene Methoden, mit denen man seine Jungs und Mädels vor dem Spiel heiß machen kann. Wir fragen uns: Gibt es überhaupt die perfekte Kabinenansprache? Was ist wichtig? Was sollte man lieber lassen? Wir sind durchs Münsterland geschlendert und haben uns viele lustige, aber auch interessante und spannende Anekdoten erzählen lassen. Ausschnitte aus den "Rocky"-Filmen oder motivierende Musik zählen dabei schon fast zum Standard-Repertoire.

Francesco Catanzaro, aktuell Trainer des B-Ligisten Fortuna Emsdetten, ist in seiner Laufbahn schon bei so manchem Verein aktiv gewesen. Vor einigen Jahren kam einer seiner Trainer vor einem wichtigen Spiel im Abstiegskampf mit einer Flasche Schnaps in die Kabine. "Jeder, der wollte, durfte einen Kurzen mit dem Coach trinken", verrät Catanzaro, der sich noch heute köstlich über die Aktion amüsiert. Sinnvoll und zweckmäßig war sie allerdings in "Catsches" Augen ebenso. "Wir hatten damals viele junge Spieler, die ziemlich nervös waren. Ich glaube, der Trainer wollte damit bewirken, dass die Jungs ihre Nervosität ablegen und nicht zu verkrampft an das Spiel herangehen", so der heutige Übungsleiter. 

Ü-Ei als Motivationshilfe

Wenn sich einer mit großen Ansprachen und Motivationsreden vor großen Spielen auskennt, dann ist das Ralf Spanier. Der Coach trainierte den FFC Heike Rheine in der Frauen-Bundesliga und führte ein paar Jahre später die TSG Burg Gretesch in die Hauptrunde des DFB-Pokals der Frauen. Vor allem nach Sommer- bzw. Wintervorbereitungen rechnet der Coach gerne die vergangenen Trainingseinheiten und Testspiele in Stunden, Minuten und Sekunden aus. "Den Spielerinnen will ich damit verdeutlichen, welchen Aufwand sie in einer Vorbereitung aufbringen. Diesen Aufwand sollen sie sich in den nächsten 90 Minuten nicht kaputt machen", so Spanier. Um seine Spielerinnen besonders zu motivieren, legt der Coach ihnen ab und zu mal ein Ü-Ei auf den Platz.

Wolbecks spielender Co-Trainer Florian Quabeck erzählt uns eine Anekdote aus seiner Zeit bei Emsdetten 05, damals noch in der Landesliga. Sein damaliger Coach Christian Bienemann hielt die Ansprache vor einem Auswärtsspiel auf einem Basketballplatz. "Es war damals so heiß in der Kabine, dass Biene uns an die frische Luft geschickt hat", so Quabeck. Auf einem kleinen Tartanplatz versammelte sich die Mannschaft und der Trainer schwor seine Jungs auf das Spiel ein. "Biene hat eine richtige Brandrede gehalten. Wir befanden uns damals mitten im Abstiegskampf. Das hat uns extrem motiviert." Das Spiel in Coesfeld gewannen die Dettener seinerzeit.

Bierkiste fliegt durch die Kabine

Ein besonderes Geheimnis hat SV Mauritz-Coach Christopher Dunkel-Steinhoff: "Ich halte meine Ansprachen generell nackt, dann hören die Jungs besonders gut zu." Spaß beiseite. Nicht immer ist in der Mauritz-Kabine nur Jux angesagt. Vor wichtigen Spielen hat der Übungsleiter seine Jungs auch schon in der Dusche versammelt, weil die inbrünstigen Motivations-Schreie dort noch deutlicher hallen. Das soll den Gegner verunsichern. "Ich habe auch schon die Tür geknallt und bin einfach raus gegangen", erinnert sich der Coach. Besonders sauer war "CDS" bei einem Ligaspiel gegen Sassenberg, in dem sein Team eine 4:1-Führung zwischenzeitlich verspielt hatte. Da flog dann in der Pause eine (zum Glück leere) Bierkiste durch den Raum. Gebracht hat's was: Mauritz gewann die Partie letztlich noch mit 6:5.

Die Wortwahl ist nicht immer das A und O - manchmal aber schon. "Es ist ein Unterschied, ob man von einer schweren Aufgabe spricht oder von einer großen Herausforderung", verdeutlicht Öffnet externen Link in neuem FensterMentalcoach Frank Pudel. Entscheidend sei vor allem, wie man die Dinge, die man vermitteln möchte, rüber bringt. Aufrechte Körperhaltung und eigene innere Überzeugung sind für Pudel unabdingbar, wenn man eine Ansprache hält.

An einem Strang ziehen

Gerade im Jugendbereich erachtet es der Kommunikationsprofi überdies als sinnvoll, mit Bildern, Assoziationen und Metaphern zu arbeiten. Bei der Arbeit mit Erwachsenen sei es wichtig, gemeinsame Ziele zu verfolgen. "Wenn ein Spieler sich nicht mit deinen Worten identifiziert, wirst Du ihn nicht mitreißen. Wenn aber alle an einem Strang ziehen, ist eine ganz andere Dynamik drin", so Pudel.

Der gebürtige Berliner Benjamin Siegert, der in etlichen Ansprachen auch etliche Anregungen für seine bevorstehende Trainer-Laufbahn mitgenommen hat, weiß: "Die schönsten Sachen kommen sowieso spontan." Generell gilt nicht nur im Profifußball, sondern auch bei den Amateuren in der Kabine die Devise, die auch für die Mannschaftsfahrten nach Mallorca gültig ist: Was dort passiert, bleibt auch dort. 

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