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Frauentraining als Strafe?


Von Christian Lehmann

(17.02.21) Öffnet externen Link in neuem Fenster"Du bist so eine Hu (...) pe. Frauen haben auf dem Fußballplatz einfach absolut nichts zu suchen." Das soll Heiko Vogel am 30. Januar beim Regionalliga-Spiel zwischen Borussia Mönchengladbachs U23 und dem SV Bergisch Gladbach zu Schiedsrichter-Assistentin Vanessa Arlt aus Greven gesagt haben. Das Sportgericht des Westdeutschen Fußballverbands (WDFV) hat den Übungsleiter daraufhin für zwei Spiele aus dem Verkehr gezogen und zu einer Geldstrafe von 1.500 Euro verdonnert. Und: Vogel, der unter anderem mit dem FC Basel Schweizer Meister wurde, den Nachwuchs des FC Bayern betreute und zuletzt als Interims-Nachfolger für den wankenden Gladbacher Erstliga-Coach Marco Rose gehandelt wurde, muss bis zum 30. Juni sechs Trainingseinheiten einer Mädchen- oder Frauenmannschaft leiten. 

Erstens: Es heißt ja, in den höheren Spielklassen sei der Ton auch gegenüber SchiedsrichterInnen ganz selbstverständlich etwas rauer. Das habe auch ich in der Regionalliga am Spielfeldrand schon erlebt. Und ich finde es gut, dass nicht jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird. Aber: Es handelt sich bei Vogels verbalen Entgleisungen nicht nur um "unsportliches Verhalten", wie es in der Urteilsbegründung steht, sondern um eine zutiefst diffamierende, frauenfeindliche Beleidigung. Bei der Sportgerichtsverhandlung hat sich der 45-jährige Fußballlehrer bei Arlt entschuldigt. Trotzdem: Ich maße mir mal an, dieses Strafmaß auch ohne (sport-)rechtlichen Hintergrund als unzureichend zu bezeichnen. Wenn jemand, egal in welcher Liga, eine/n Schiedsrichter/in übelst beleidigt, kommt er/sie doch nicht mit zwei Spielen Sperre vom Hof, oder? TrainerInnen, die ja schließlich Vorbildfunktion haben, sollten in solchen Fällen mit noch strengerem Blick beäugt werden.

Zweitens: Wieso bitte - und für wen? - ist das Trainieren einer Frauen- oder Mädchenfußball-Mannschaft eine Strafe? Es hätte auch andere Wege gegeben, dem Trainer deutlich zu machen, dass Frauen sehr wohl etwas auf dem Fußballplatz zu suchen haben. Stattdessen geht Vogel seinem Job statt bei seiner eigenen eben bei einer anderen Mannschaft nach. Die allerdings dürfte ihn nicht gerade mit offenen Armen empfangen, wenn sie hört, warum er sie trainieren "muss". Leider befeuert dieses Urteil die Gender-Diskussion im Fußball, die es eigentlich gar nicht mehr geben dürfte, wieder einmal massiv.  

"Dieses Verständnis von Sanktionen ist frauenfeindlich und reproduziert sexistische Bilder, die weder in der Gesellschaft noch im Sport etwas zu suchen haben sollten", kommentiert der Öffnet externen Link in neuem FensterTagesspiegel. "Nicht genug, dass Frauenfußball auf vielen Ebenen gegenüber dem Männerfußball Benachteiligung erfährt. In diesem Fall müssen Spielerinnen auch noch dafür herhalten, Männer für ihr Fehlverhalten zu 'bestrafen'."

Bis zum Jahr 1970 war Frauenfußball in Deutschland noch gänzlich untersagt. Mehr als 50 Jahre später gibt es zwar auch im Profifußball Schiedsrichterinnen und Trainerinnen, doch von  Gleichbehandlung oder einem selbstverständlich respektvollen Umgang sind wir noch immer meilenweit entfernt. Es geht ja gar nicht darum, ob man Frauen- oder Männerfußball besser findet oder miteinander vergleicht. Beiderseitige Akzeptanz und Respekt sollte man aber schon erwarten dürfen. Es wird wohl noch eine ganze Weile dauern, bis Mädchen und Frauen ohne Missgunst und Vorurteile der Murmel hinterherjagen. Der Umgang mit der "Causa Heiko Vogel" trägt leider nicht zur Beschleunigung des Prozesses bei.  

Christian Lehmann
- Redakteur - 

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