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Catia Rodrigues ist in Portugal geboren und lebt seit ihrem vierten Lebensjahr in Deutschland. Bei der Frage, für welche Fußball-Nation ihr Herz schlägt, muss sie nicht lange nachdenken.

Das Herz sagt Portugal

 

Von Theresa van den Berg

(15.06.21) Passend zur Europameisterschaft sprechen wir mit Trainer*innen und Spieler*innen, die ihre Wurzeln in einem der teilnehmenden Länder haben. Los geht es mit Portugal und Catia Raquel Rodrigues Santos. Die 23-jährige steht bei den Frauen der SG Telgte zwischen den Pfosten - doch das war nicht immer so. "Angefangen habe ich im Sturm, dann ging es ins Mittelfeld, in die Abwehr und irgendwann musste ich ins Tor. Wir hatten in Handorf keine Tohüterin und so musste jeder mal ran. Am Anfang fand ich das gar nicht witzig, aber nach einiger Zeit hatte ich richtig Spaß daran", konnte sie sich dann doch mit der Position anfreunden. 

Aufgewachsen ist Rodrigues in Handorf, geboren ist sie allerdings in Portugal. "Vier Jahre habe ich dort gelebt, bis mein Vater uns nach Deutschland geholt hat. Er hat in Deutschland gearbeitet und gesagt, dass wir hier eine bessere Perspektive haben." Nachdem auch der Rest der Familie mit Land und Leben Bekanntschaft machte, entschied die große Schwester, dass sie bleiben will. "Ich war damals noch zu klein, um das zu entscheiden." Und so führte sie ihr Weg nicht nur von Portugal nach Deutschland, sondern auch mit 13 Jahren über Handorf nach Mauritz und in die Regionalliga nach Warendorf, bis die duale Studentin vor drei Jahren nach Telgte kam.  

Fangen wir direkt mal mit der wichtigsten Frage an. Für wen schlägt dein Herz bei der EM - für Deutschland oder für Portugal? Oder kannst du das gar nicht so genau sagen?

Rodrigues: Oh doch, das kann ich ganz gut sagen. Ich bin eindeutig Team Portugal. Generell verfolge ich eher den portugiesischen Fußball als die deutsche Bundesliga und bin Porto Fan. 

Sehr gut, dann hätten wir das schon mal geklärt. Was ist denn dein Tipp, wie Portugal bei der EM abschneidet? Glaubst du, ihr könnt den Titel verteidigen? 

Rodrigues: Mein Herz sagt ja. Natürlich wünsche ich mir das, aber die Vorrundengruppe ist extrem hart und spannend. Mal gucken, was passiert, wenn wir das erste Spiel gegen Ungarn gewinnen. Ich hoffe natürlich, dass wir weit kommen, aber die Titelverteidigung ist sehr optimistisch. Das Halbfinale sollte es aber schon werden.

Du hast die starke Gruppe bereits angesprochen. Was glaubst du, wie diese am Ende ausgeht?

Rodrigues: Auch hier hofft mein Herz natürlich wieder, dass Deutschland und Portugal Erster und Zweiter werden. Aber auch Frankreich ist mega stark und hat durch die Final-Niederlage von 2016 noch etwas wiedergutzumachen. Ich glaube, dass das Spiel gegen Frankreich das entscheidende für Portugal sein wird.

Warum?

Rodrigues: Weil wir uns gegen Deutschland immer sehr schwer tun und ich nicht weiß, ob wir uns da gut präsentieren. Ich vermute, dass es da eine Niederlage geben wird und wir deswegen die Punkte gegen Ungarn und Frankreich brauchen. Auch, wenn ich mir natürlich etwas anderes wünsche, glaube ich, dass Portugal mit 0:2 gegen Deutschland verliert.

Du hast die ersten Jahre deines Lebens in Portugal verbracht, bist Portugal-Fan, deine starke Verbindung zu diesem Land lässt sich nicht leugnen.

Rodrigues: Definitiv nicht. Ich lebe gerne in Deutschland, aber ich brauche auch sehr viel Urlaub in Portugal (lacht). Ich liebe es, dort zu sein und es ist definitiv auch meine Heimat. Zu Deutschland habe ich einfach ein anderes Heimatgefühl. Hier lebe ich, hier arbeite ich, aber in Portugal habe ich auch Familie, ich mag die Menschen und die Mentalität und komme dort aus dem Alltag raus. 

Du bist also durch und durch für Portugal. Wie sieht's da bei dir zu Hause aus? Hattest du überhaupt eine Wahl?

Rodrigues: Mein Vater ist absolut fußballverrückt. Er liebt es und guckt jedes Spiel. Das hat mich natürlich schon sehr geprägt. 

Und die EM-Spiele guckst du zusammen mit deiner Familie? 

Rodrigues: Das Deutschland-Spiel am Dienstag werde ich mit Freunden gucken, Portugal schaffe ich leider nicht. Dafür gucke ich Deutschland gegen Portugal sehr wahrscheinlich mit Filipa (Filipa da Silva Campos, SC Gremmendorf), damit wenigstens ein paar Portugiesen vertreten sind. Früher haben wir oft in portugiesischen Bars geguckt, aber durch Corona gucke ich wahrscheinlich die meisten Spiele mit meiner Familie oder meinen Freunden zu Hause. Auf jeden Fall mit meinem Papa, der wird kein Spiel verpassen.

Sind deine Schwester und deine Mutter genauso fußballverrückt wie ihr zwei?

Rodrigues: Meine Schwester hat gar nichts mit Fußball zu tun und guckt nur die EM-Spiele von Portugal. Und meine Mutter wird irgendwie so mitgezogen. Eigentlich guckt sie eher meine Spiele. Da ist sie in der Meisterschaft und bei den Turnieren immer dabei. 

Mal abgesehen von deiner Familie, wie fußballverrrückt ist das Land Portugal?

Rodrigues: In Portugal ist es eigentlich genauso wie in Deutschland. Wenn nicht Corona wäre, würden alle zusammen gucken. Gerade durch Ronaldo, der in Portugal sehr angesehen und schon so etwas wie ein Nationalheld ist. Aber es gibt auch andere gute Spieler, die in England spielen oder auch André Silva, der bei Frankfurt sehr erfolgreich ist.

Und wie bist du beim Fußball gelandet?

Rodrigues: Ich bin quasi durch meinen Onkel in den Sport reingewachsen. Ich habe als Kind schon gespielt. Allerdings nicht im Verein, sondern in der Grundschule mit den Jungs. Irgendwann hat mich dann eine Freundin gefragt, ob ich mit zum Probetraining nach Handorf kommen möchte und so bin ich bei einem Verein gelandet. Jetzt ist es für mich definitiv eine Leidenschaft und ein Ausgleich zum Alltag. 

Im Sommer beginnt deine vierte Saison in Telgte. Wie würdest du deine Zeit bis jetzt dort beschreiben?

Rodrigues: Das war bis jetzt eine sehr coole Zeit. In Warendorf war alles sehr leistungsbezogen, man musste immer darum kämpfen, dass man spielt. Natürlich haben wir in Telgte auch Ehrgeiz und wollen unsere Leistung bringen, aber auf einer anderen Basis und viel entspannter. Abgesehen davon sind wir untereinander alle miteinander befreundet. Das Verhältnis in Telgte ist viel enger und wir unternehmen auch außerhalb vom Fußball mal etwas miteinander oder trinken das ein oder andere Bierchen zusammen. 

Einige Trainer, auch deiner, Sebastian Wende, haben die Sorge geäußert, dass sie nicht wissen, wie groß die Lust und die Motivation der Spielerinnen nach Corona noch ist. Wie sieht's da bei dir aus? Hast du gelernt, dass es auch ohne ganz gut geht oder hast du mehr Lust als zuvor?

Rodrigues: Auf jeden Fall letzteres. Während Corona habe ich so wenig Sport gemacht, weswegen ich jetzt richtig motiviert bin. Und nicht nur ich, die Beteiligung beim Training ist jetzt schon gut, obwohl wir noch nicht offiziell in die Vorbereitung gestartet sind. Alle wollen wieder und sind mit Spaß, aber auch mit Ehrgeiz dabei. Bis auf Katja Laukötter hat niemand aufgehört und auch aus der U-17 sollen ein paar Mädels mit trainieren. Ich freue mich auf den frischen Wind. 

Apropos frischer Wind. Ihr habt euch in den vergangenen Jahren immer wieder verstärkt, auch aus höherklassigen Ligen. Wie sieht's da mit den Zielen aus? Ist der Aufstieg ein Thema?

Rodrigues: Unserem Trainer ist es immer sehr wichtig, dass wir Ziele definieren. Damit er weiß, wie er das Training gestalten soll, aber auch, wie er mit uns umgehen soll. In der vergangenen Saison wollten wir unter die ersten drei und auch der Aufstieg war schon einmal Thema. Dann kamen aber einige Verletzungen, die es uns nicht leicht gemacht haben. Der obere Bereich sollte mit unserem großen Kader und den richtig guten Spielerinnen aber drin sein. Mal gucken, wie gut wir wieder reinkommen und wie fit wir - auch die Langzeitverletzten - in den nächsten Wochen so werden. Es kommt immer auch auf die ersten Spiele an, damit man mit einem guten Feeling startet.

Wer ist deiner Meinung nach euer größter Konkurrent in der Liga? 

Rodrigues: Nottuln ist richtig gefährlich, aber auch Gremmendorf im Derby und Amelsbüren mit dem starken Kader sind nicht zu unterschätzen.

Konkurrenz herrscht nicht nur in der Liga - auch auf der Torhüterin-Position bei euch in Telgte mit dir, Vera Heinker und Marie Salomon. Eine feste Nummer eins gibt es nicht. Wie kommst du damit zurecht?

Rodrigues: Ich finde die Situation sehr entspannt. Durch mein duales Studium bin ich eh nicht immer beim Training, von daher ist es für mich völlig ok, auch mal nicht zu spielen. Wir tauschen immer wieder, gucken wer wann kann und haben ja auch noch eine Zweite, in der wir spielen können. Am Ende entscheidet natürlich der Trainer, aber Sebi macht das sehr gut und jeder bekommt seine Spielzeit. 

Also hast du bei der Verpflichtung von Vera Heinker im vergangenen Jahr nicht über einen Wechsel nachgedacht?

Rodrigues: Nein, die Truppe ist mega cool, wir wollen alle einfach nur kicken. Nicht falsch verstehen, ich bin sehr ehrgeizig, beruflich und privat, und gebe immer alles, um zu zeigen, dass ich spielen möchte. Aber wenn ich mal auf der Bank sitze, dann komme ich mittlerweile damit klar. Das war früher schwieriger. 



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