Suchbegriff:

Regionalliga West

Lottes Trainerin Imke Wübbenhorst ist weiterhin optimistisch.
Foto: Rolf Grundke/Rolfinaction

Eine Frage der Erwartungshaltung


Von Fabian Renger

(02.12.20) Was ist nur am Autobahnkreuz los? Nur ein Sieg und insgesamt fünf Punkte holten die SF Lotte in den vergangenen neun Partien. Aus den Spielen gegen die direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt gegen den SV Bergisch-Gladbach, den SV Stralen, den VfB Homberg oder den Wuppertaler SV gab's nur einen Zähler. Der November verlief nicht so nach dem Plan von Cheftrainerin Imke Wübbenhorst.

Der Job der (noch) 31-Jährigen hätte leichter verlaufen können. Im April wurde sie unter einem großen Medienecho als Übungsleiterin vorgestellt. Als Tabellen-17. (erster Abstiegsplatz) mit nur 13 Zählern schweben die Sportfreunde in akuter Abstiegsnot. 37 Gegentore bedeuten die schlechteste Defensive. Auswärts holten die SFL zudem noch keinen einzigen (!) Zähler in dieser Spielzeit. Zuletzt ging das Spiel bei der U23 des 1. FC Köln trotz engagierter Leistung 0:2 in die Buchse. Auch die Zahl der ausgetragenen Spiele spricht nicht für Lotte.

Zeit für ein Interview und Erklärungsfindung - die obligatorische Geschlechter-Frage haben wir uns bewusst gekniffen. Da gibt's im Jahr 2020 wesentlich Spannenderes.

Frau Wübbenhorst. Wurde eigentlich schon ein Antrag gestellt, künftig mit den SF Lotte nur noch Heimspiele austragen zu dürfen?
Wübbenhorst: Der könnte uns helfen. Auswärts lief's bislang noch nicht so gut...

...ja, ich habe mal nachgeschaut: Der letzte Auswärtssieg datiert vom 25. Januar diesen Jahres. Ein 3:0 in Homberg.
Wübbenhorst: Damit hatte ich nichts zutun. Vielleicht bin auch ich diejenige, die kein Glück bringt auswärts. (lacht) Bislang haben wir es noch nicht hinbekommen. Obwohl wir aus meiner Sicht in Ahlen hätten gewinnen müssen, auch in Straelen und auch gegen Köln haben wir ein sehr gutes Spiel gemacht. Da haben wir uns wirklich viele Torchancen erspielt, die wir einfach nicht gemacht haben. Sechs Punkte hätten wir uns da holen können. In Düsseldorf war nichts drin, in Münster war nichts drin, in Wuppertal auch nicht...

Ist diese Auswärtsschwäche irgendwie noch erklärbar?
Wübbenhorst: Ich glaube, auch wenn's nur 300 Zuschauer waren, hat uns das zuhause schon gepusht und ein bisschen Sicherheit gegeben. Wir haben eine sehr, sehr junge Mannschaft, die sich zuhause sicherer fühlt. Zuhause sind wir mutiger aufgetreten, das ist uns auswärts nicht gelungen. Und wenn, dann wie in Wuppertal oder jetzt in Köln nur in der zweiten Hälfte, wo wir gemerkt haben: Hey, das ist ja doch nur Fußball. Vielleicht ist es auch einschüchternd, wenn wir in Münster oder so spielen. Wir sind natürlich gewillt, das zu ändern. Sonst wird's schwer mit dem Klassenerhalt, wenn wir auswärts gar nichts holen.

Was kann man da als Trainer machen? Thematisiert man das überhaupt noch vor einem Auswärtsspiel?
Wübbenhorst:  Ich glaube, dass man das nicht so thematisieren, sondern eher von der Ausrichtung etwas machen sollte. Dass man sofort vorne drauf geht, dass man versucht, von Beginn an der Mannschaft so ein bisschen Sicherheit zu geben. Das ist natürlich blöd, wenn das direkt in die Büchs geht. Aber nein, thematisieren ist nicht gut. Das wäre ja genauso, wenn man ein paar Standard-Tore gegen sich bekommt und man sagt immer und immer wieder: Ihr müsst bei Standards aufpassen, ihr müsst bei Standards aufpassen. Sowas ist dann direkt im Kopf.

Allgemein betrachtet lief's ja auch bisher noch nicht ganz so rund, um es nett auszudrücken. Oder?
Wübbenhorst: Es kommt ja darauf an, was die Erwartung ist. Dann muss man das einordnen können, ob die Platzierung mit der Mannschaft oder die Punktausbeute gut oder schlecht ist. Gegen Lippstadt hätten wir gewinnen müssen, gegen Bonn kriegen wir in der 96. Minute das Tor. Wenn wir in den Spielen, in denen wir besser waren, gepunktet hätten, würden wir irgendwo im gesicherten Mittelfeld stehen. Das wäre mit der Mannschaft mehr als sehr gut. Da, wo wir jetzt stehen, war es ja eigentlich zu erwarten. Es geht im Fußball auch gar nicht unbedingt ums Alter. Obwohl wir ja vom Alter locker eine U-Mannschaft hätten sein können. Es geht auch um die Qualität von Erfahrung. 

An dieser Stelle wird Wübbenhorst verweist auf die mangelnde Erfahrung ihrer Truppe. Nur Kapitän Timo Brauer verfüge über große Erfahrung in der Regionalliga-West. Sie verweist auf die Kontrahenten in der Spielklasse. "Da haben viele Spieler schon 200 Spiele oder mehr in der Regionalliga auf dem Buckel."


Den Punkt mit der Erfahrung vergisst man schnell.
Wübbenhorst: Das wissen die meisten einfach nicht. Die Mannschaft hat Potenzial, ich arbeite sehr, sehr gerne mit den Jungs und man sieht individuelle Entwicklungen. Natürlich passieren immer wieder gravierende Fehler, die zu Toren führen. Vorne nutzen wir unsere Chancen häufig nicht eiskalt. In Köln müssen wir nach 40 Sekunden in Führung gehen. Und für Köln fällt da so ein Traumtor hinten rein.

Liest du in den sozialen Medien, was so geschrieben wird? Da ist schon jetzt oft von der Oberliga zu lesen.
Wübbenhorst: Ich lese keine Artikel, ich lese keine Statements unter irgendwelchen Bildern oder Artikeln. Weil die meisten Leute, die sich eine Meinung erlauben, sind nicht gut genug informiert. Das würde mich sonst wohl nur aufregen.

Aktuell ist Wübbenhorst vor allem auf der Suche nach einem gestandenen Innenverteidiger.  "Gerade hinten fehlt uns die Stabilität. Nicht, weil die Spieler nicht in der Lage sind, das auf dem Niveau umzusetzen. Sondern weil keiner den Mund aufmacht", sagt die Trainerin.

Ist die Abwehr zu leise?
Wübbenhorst: Das ist eher das Schweigen der Lämmer. Es ist still, da redet keiner. Wir haben in den letzten Spielen mit einem 21- und einem 20-jährigen Innenverteidiger gespielt. Wer von denen soll Verantwortung übernehmen? Das liegt ja auf der Hand, dass das nicht gut funktioniert. Dementsprechend ist unsere Rest-Verteidigung selten bis nie organisiert. So bekommen wir am häufigsten unsere Gegentore.

Das erklärt dann auch die hohe Anzahl an Gegentreffern.
Wübbenhorst: Im organisierten Defensivsspiel haben wir weniger Probleme. Wenn wir selber im Angriff sind und den Ball verlieren, haben wir riesen Probleme. Weil niemand Verantwortung übernimmt, die Außenverteidiger oder den Sechser zurückholt. Wir machen viele Spiele auf Augenhöhe, wo wir es aber in den entscheidenden Momenten nicht gut gelöst bekommen und vorm Tor nicht abgezockt sind.

Leben kann man der Mannschaft aber ja nicht absprechen, gegen Köln war das ja ein munterer Auftritt.
Wübbenhorst: Klar, die Jungs geben alles und schmeißen alles rein. Das kann und will ich denen gar nicht absprechen. Wenn die Rückrunde gespielt wird, wird das gut für unsere Mannschaft sein. Ich glaube, wir werden da mehr Punkte holen. Weil wir schon ein halbes Jahr Männerfußball gespielt haben. 

Die Cheftrainerin freut sich vor allem über die Rückkehr von Conrad Azong ist. Der 27-järhige Angreifer sahnte zu Saisonstart richtig ab: Im ersten Saisonspiel gegen Bonn brach er sich den Oberkiefer, das Jochbein und das Nasenbein, er fiel fast die gesamte Hinrunde aus. In den vergangenen drei Partien spielte er wieder durch. "Er bringt für vorne drin eine andere Physis mit", erhofft sich Wübbenhorst vor allem mehr Durchschlagskraft. 

Man kann die Spieler ja nicht leider älter machen.
Wübbenhorst: Auch nicht kräftiger oder schneller. Vieles ist nicht möglich. Deswegen ärgert mich das immer so, wenn man fragt, ob man mit dem Tabellenplatz zufrieden ist. Das liegt immer an den Erwartungen, die man hat.

Ich höre aber weiter Optimismus raus.
Wübbenhorst: Ja, klar! Ich gehe davon aus, dass wir es in der Rückrunde ändern und auch vorm Winter noch ein paar wichtige Punkte holen.

Wegberg-Beeck am Freitag wäre auch so ein Gegner, den man schlagen muss - oder sollte.
Wübbenhorst: Müssen ist immer eine blöde Voraussetzung für eine junge Mannschaft. Es wäre gut, wenn wir drei Punkte mitnehmen. Es wäre gut, wenn wir einen Punkt mitnehmen. Alleine für die Moral. Aber ein Muss kann's bei uns einfach nicht geben. Weil auch Wegberg mit älteren Spielern gespickt ist.

Und Essen am Wochenende danach ist wahrscheinlich ein Selbstläufer, wo man eh nicht viel sagen muss...
Wübbenhorst: Ne, da müssen wir halt auch drei Punkte holen. (lacht)

Es gibt nichts Leichteres in der Liga, als gegen den ungeschlagenen Tabellenführer zu gewinnen.
Wübbenhorst: Wir haben gegen Aachen gewonnen, Essen spielt gegen Aachen Unentschieden. Jetzt mal ehrlich: Warum sollten wir nicht auch gegen Essen gewinnen können? Wir haben gegen Fortuna Köln gewonnen, wir haben gegen Gladbach gewonnen, gegen Schalke Unentschieden gespielt. Gegen gute Mannschaften fällt uns das leichter, da muss man nicht so viel fürs Spiel tun. Da kann man sich vielleicht ein bisschen mehr auf Konter verlassen. Wir müssen gegen Essen keine drei Punkte holen, aber wir wollen. Wir spielen zuhause, also warum nicht?

Leon Demaj und Justin Plautz fehlen euch am Freitag.
Wübbenhorst: Genau, das ist bitter. Bei uns hat sich im Laufe der Vorbereitung keine klare Hierarchie herausgestellt, auch weil einige Spieler später dazu kamen. Wir hatten jetzt das Gefühl, dass wir eine Mannschaft gefunden haben, die wir jetzt wieder auf mindestens zwei Positionen verändern müssen.

Ist Massih Wassey denn wieder ein Thema für Wegberg? Gegen Köln fehlte er ja.
Wübbenhorst: Er hat immer noch muskuläre Probleme, die vom Rücken ins Bein runter ziehen.



Top-Klicker der letzten 7 Tage
1 Bezirksliga 12: Kortevoß hat sich entschieden
» [mehr...] (1.578 Klicks)
2 Landesliga 4: Dreamteam des Jahres 2020
» [mehr...] (841 Klicks)
3 Westfalenliga 1: Borussia holt sich die pure Erfahrung ins Boot
» [mehr...] (824 Klicks)
4 Bezirksliga 12: Concordia setzt auf Verbindlichkeit und Mentalität
» [mehr...] (587 Klicks)
5 Westfalenliga 1: SuS Neuenkirchen holt auch Jörg Husmann und Witali Ganske zurück
» [mehr...] (557 Klicks)

» Mehr Top-Klicker

Kreisliga A Münsterland

Pl. MannschaftSp. TorePkt.
1    SC Münster 08 II 19    65:11 55  
2    TGK Tecklenburg 20    81:24 51  
3    SV Bösensell 19    49:10 49  
4    Neuenkirchen II 20    71:25 46  
5    Arm. Ibbenbüren 19    63:31 45  

» Zur kompletten Tabelle