Querpass
FLVW in finanzieller Schieflage - Beiträge werden massiv erhöht
Von Christian Lehmann
(15.12.25) Alles wird teurer. Daran haben wir uns in den vergangenen Jahren schon fast gewöhnt. Trotzdem birgt die Pressemitteilung, die uns am Sonntagmittag erreicht, durchaus Zündstoff. Der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen gibt darin bekannt, dass die Mitgliedsbeiträge im kommenden und darauffolgenden Jahr erhöht werden - und das auf den ersten Blick ziemlich heftig.
"Die Ständige Konferenz des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW), bestehend aus Präsidium und den Vorsitzenden der 29 FLVW-Kreise, hat am Samstag (13.12.2025) die Erhöhung der Beiträge beschlossen", heißt es in der Nachricht des Verbands. Zum 1. Januar 2026 steigen demnach die Mitgliedsbeiträge für die Vereine um 40 Prozent - sowie um weitere 60 Prozent zum 1. Januar 2027. Dies betrifft alle Fachschaften von Fußball- über Leichtathletik- bis hin zu Freizeit- und Gesundheitssport-Vereinen. Der Einzug der Gelder erfolgt durch den FLVW ab Februar 2026.
FLVW-"Präsi" Schnieders: Laufender Betrieb "stabil und gesichert"
"Durch konsequente interne Einsparmaßnahmen hat der FLVW gewährleistet, dass der laufende Betrieb stabil und gesichert ist. Mit Blick auf die allgemeine Kostenentwicklung und die zwingend notwendigen Investitionen können wir die Beiträge leider nicht mehr auf dem Niveau der vergangenen Jahre halten", wird FLVW-Präsident Manfred Schnieders in der Mitteilung zitiert. "Wir investieren die Beitragserhöhung gezielt in die Sportinfrastruktur der SportSchule und der Sportanlagen, wovon alle Mitglieder profitieren", ergänzt Peter Wolf, FLVW-Vizepräsident Finanzen.
Dass sich der Verband in einer prekären Finanzlage befindet, war schon länger bekannt. Steigende Kosten und unumgängliche Investitionen vor allem rund um die SportSchule in Kaiserau sorgen nun dafür, dass die Vereine stärker zur Kasse gebeten werden. Die Beitragserhöhungen richten sich nach der Spielklassenzugehörigkeit der Vereine. So werden zum Beispiel A-Ligisten statt bisher mit rund 485 Euro im nächsten Jahr mit 697 und im Jahr darauf mit 979 Euro jährlich belastet, für Oberligisten steigen die Abgaben von 3055 auf 6110 Euro. Klar, dass auch in der Ständigen Konferenz intensiv über das Thema diskutiert werden musste, ehe die Erhöhung mit der erforderlichen Zwei-Drittel-Mehrheit beschlossen wurde.
Krevert: "Leider unumgänglich"
"Auch aus unserer Sicht ist dieser Schritt leider unumgänglich", betont Münsters Kreisvorsitzender Norbert Krevert. "Der Verband hat sich das nicht leicht gemacht. Die Beiträge wurden in den vergangenen Jahren kaum nennenswert erhöht. In der Corona-Zeit wurde darauf geachtet, die Vereine nicht zusätzlich zu belasten. Man muss auch sehen, dass die Vereine von einem starken Dachverband stets profitiert haben", so der Funktionär. "Es ist viel Geld, aber wir erwarten, dass unsere Vereine damit umgehen können. Es nützt ja nichts. Was bringt es uns, wenn der Verband nicht mehr existiert? Es stehen Investitionen an, damit die Sportschule weiterhin das Niveau hat, um eine angemessene Talentförderung durchzuführen." Dass ihn von der Basis auch kritische Töne erreicht haben, will Krevert nicht verhehlen. "Nach der ersten Aufregung sollten die Vereine aber das Vertrauen haben, dass wir das nicht tun, um ihnen die Kassen leer zu machen. Ich kann verstehen, dass das viele unvorbereitet getroffen hat. Man kann schlechte Nachrichten nicht schönreden, aber wenn man sich näher mit dem Thema befasst, wird man feststellen, dass das Ganze unumgänglich ist."
Das sieht auch Ali Pish Been, Vorsitzender des Fußballkreises Steinfurt, nicht anders. "Es ist ja bekannt, dass sich die wirtschaftliche Situation in den letzten Jahren verändert hat. Es war ein schwieriges Jahr. Die Inflation trifft nicht nur Privatpersonen, sondern auch die Verbände", sagt er. Nur durch Kosteneinsparungen seien die gewaltigen Herausforderungen, vor denen der Verband steht, nicht zu wuppen. Dass er und seine Kollegen aus den Fußballkreisen nun den Unmut der Klubvertreter abfedern müssen, ist auch Pish Been bewusst. "Dafür sind wir ja da. Ich stehe dafür gerade und erkläre es den Vereinen gerne. 100 Prozent mehr in zwei Jahren - das ist eine beträchtliche Erhöhung. Auch wir haben vieles hinterfragt. Es war aber klar, dass es Steigerungen geben muss. Am Ende trifft es die Mitglieder in den Vereinen. Wir werden nicht drumherum kommen, dass auch dort möglicherweise die Beiträge erhöht werden müssen..."

































