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Westfalenliga 1

Kumpels und Trainerkollegen: Benjamin Brinkmann (l.) und Thomas Feldkämper liegen auf einer Wellenlänge. Foto: Renger

"Nur den Stuhl warmgehalten"


Von Christian Lehmann

(09.06.21) In nur acht Meisterschaftsspielen des SV Mesum haben Benjamin Brinkmann und Thomas Feldkämper an der Linie gestanden, ehe sie ihren Posten wieder räumten. Eine derart kurze Amtszeit - die Statistiker mögen uns das Gegenteil beweisen - hat wohl noch nie ein Trainerteam im Hassenbrock gehabt. Und doch war ganz schön viel los in diesen wenigen Wochen für die beiden jungen Coaches, die nun den Stab wieder an Marcel Langenstoer zurückgeben, um mehr Zeit mit ihren Lieben verbringen zu können. Im Doppel-Interview haben wir mit dem Duo die Zeit beim SVM noch einmal Revue passieren lassen und unter anderem gefragt, ob es irgendwann noch einmal einen Weg zurück gibt.

 

Benny, Thommy, eure Zeit als Cheftrainer beim SV Mesum ging ziemlich schnell wieder vorbei. Was nehmt ihr mit aus den wenigen Wochen mit der Mannschaft?

Brinkmann: Es ist schwer, das in ein paar Worten zusammen zu fassen. Es war eine schöne, erfolgreiche Zeit. Ich fand's mega schade, dass die Saison nach acht Spielen abgebrochen wurde, da wir zu diesem Zeitpunkt richtig gut drin waren und die Jungs genau verstanden haben, was wir von ihnen erwarten. Wir waren gerade so richtig im Flow, ich erinnere mich noch gut an das 5:2 gegen Theesen und den 4:2-Sieg eine Woche davor in Kinderhaus - das waren richtig gute Gegner. Es tut schon weh, dass es dann dabei geblieben ist und wir nicht weiterspielen konnten. Wir hätten uns oben festsetzen können.

Feldkämper: Ich gebe dir Recht, das war wirklich nicht der Abschluss, den ich, den wir uns für die Mannschaft gewünscht hätten. Es waren zwar nicht viele Spiele, aber es waren echt verrückte Spiele dabei - zum Beispiel das 4:4 in Herford. Das war alles andere als 0-8-15. Wir haben unsere Entscheidung, wieder aufzuhören, damals schweren Herzens getroffen, weil wir sportlich ja richtig gut da standen und alles passte. 

 

Nehmt ihr noch die Möglichkeit wahr, euch von der Mannschaft zu verabschieden?

Brinkmann: Für den 19. Juni haben wir uns - wenn das alles möglich ist - zum Beachvolleyball spielen und Grillen verabredet. Außerdem gucken wir das EM-Spiel von Deutschland gegen Portugal. Darauf freue ich mich riesig, weil ich mit Ausnahme einiger Nachrichten in der WhatsApp-Gruppe seit Monaten kaum Kontakt zu den Jungs hatte. Das letzte Team-Event war unsere Online-Bierprobe im Winter.

Feldkämper: Eine Jux-Einheit wird es aus gegebenem Anlass nicht geben. Im vergangenen Jahr hat sich dabei ja Nils Wiethölter das Kreuzband gerissen. Vor diesem Hintergrund haben wir gesagt, das lassen wir lieber, einfach nur den Ball in die Mitte zu legen. Wir machen noch diese eine Spaßveranstaltung und Cello kann die Jungs dann fit und unversehrt in Empfang nehmen. 

 

Ihr habt damals familiäre Gründe für euren Ausstieg als Trainer angegeben. Mal ehrlich: Habt ihr nach den vielen Corona-Monaten daheim nicht inzwischen genug von der Familie?

Brinkmann (lacht): Ich war auch noch über ein Jahr lang im Home Office und hab das volle Programm mitgenommen. Ganz ehrlich: Ich hatte damals ein paar schlaflose Nächte, es gab eigentlich überhaupt keinen Grund, nicht weiter zu machen. Die Truppe hat echt Spaß gemacht, war charakterlich super. Ich habe bei einigen ein riesiges noch nicht ausgeschöpftes Potenzial gesehen, bei Elias Strotmann zum Beispiel. Es ist und bleibt aber einfach ein enormer zeitlicher Aufwand, den man mit einer jungen Familie nicht so einfach meistern kann, wenn man auch beruflich eingespannt ist. Mir ist die Entscheidung echt schwer gefallen, aber ich muss auch sagen, dass es sich heute richtig anfühlt.

Feldkämper: Es ist ja auch so, dass wir schon zu unserer aktiven Zeit dem Fußball extrem viel Zeit gewidmet haben. Danach gab's den direkten Übergang zum Trainer-Dasein. Ich habe noch im November zu Benny gesagt, es würde richtig peinlich rüber kommen, wenn es das jetzt schon war für uns nach den paar Spielen. Trotzdem bin auch ich absolut mit mir im Reinen. Die Corona-Zeit hat mich sogar in meiner Entscheidung bestärkt. Ich genieße es total, nicht mehr so viele Verpflichtungen zu haben und dass die Woche nicht mehr so stramm durchgetaktet ist.

 

Könnt ihr euch vorstellen, irgendwann nochmal als Trainer zu arbeiten?

Feldkämper: Wenn sich die familiäre Situation ändert, will ich das nicht ausschließen. Ich werde mich auch in den nächsten Monaten hier zuhause in der Jugendabteilung des SC Spelle-Venhaus etwas einbringen - aber längst nicht mit dem zeitlichen Aufwand, den wir in Mesum hatten. Vielleicht mal ein Förder-Training leiten oder so...

Brinkmann: Ich mache jetzt bald in Münster meine B-Lizenz - übrigens zusammen mit Timo Scherping (Oberliga-Spieler des FCE Rheine, Anm.). Das ist nicht so weit und entsprechend familienfreundlich. Ich kann mir auf jeden Fall vorstellen, irgendwann nochmal etwas als Trainer zu machen. Es ist aber wirklich so: Man lernt die Zeit, die man mehr zur Verfügung hat, zu schätzen. Die Situation in Mesum war besonders, da haben Thommy und ich unter der Woche je zwei Einheiten unter uns aufgeteilt. Ich hätte im Vorfeld nicht gedacht, dass die Jungs das akzeptieren und so gut mitziehen. Das funktioniert wahrscheinlich auch nicht mit jeder Mannschaft.

 

Zwei gute Kumpels als gleichberechtigte Trainer - ist das nicht gefährlich?

Brinkmann: Wir sind schon lange freundschaftlich verbunden, unternehmen auch viel mit unseren Familien gemeinsam. In der Funktion als Trainer war es auch nicht immer ganz so leicht, das auszublenden, aber es hat letztlich richtig gut geklappt.

Feldkämper: Wir sind zwar richtig dicke, waren aber bei bestimmten Entscheidungen auch nicht immer einer Meinung. Wichtig war, dass wir immer offen damit umgegangen sind und uns auf die Argumente des anderen eingelassen haben. Gerade weil uns die Meinung des anderen immer wichtig war, hat es letztlich so gut geklappt, glaube ich.

 

Der Vorgänger wird der Nachfolger - ihr habt schon mehrfach deutlich gemacht, dass ihr die Lösung mit Marcel Langenstroer nicht für die schlechteste haltet...

Feldkämper: Man kann wirklich sagen, wir haben ihm nur den Stuhl ein wenig warmgehalten. An niemanden würde ich den Posten lieber abgeben als an Cello. Er ist extrem beliebt in der Mannschaft und im Verein. Ich bin überzeugt davon, dass es eine super Lösung ist. Unter diesen Voraussetzungen fällt es auch nicht ganz so schwer, zu gehen.

Brinkmann: Das Umfeld und die Leute in Mesum sind allesamt total bodenständig, deswegen bin ich überzeugt davon, dass es funktionieren wird. Für die Jungs, die nach fünf Jahren mit Cello ein wenig neuen Input brauchen, ist mit Rainer Weikert ja auch ein neuer Co-Trainer mit dabei. Die Truppe hat eine richtig gute Mischung aus erfahrenen, gestandenen Spielern und solchen, deren Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen ist. Mit Cello verstehe ich mich gut, wir telefonieren noch immer regelmäßig. Wenn er sagen sollte, 'Guck dir mal den nächsten Gegner an', dann werde ich das natürlich tun.

 

Wenn denn doch noch etwas Zeit ist, was werdet ihr dann mit der Zeit ohne Fußball anfangen?

Brinkmann: Ich muss noch ein paar Stunden auf dem Tennisplatz investieren, damit ich Thommy auch mal schlagen kann. Der hat früher selbst aktiv gespielt und ist richtig gut, da habe ich bisher noch absolut keine Chance. Vielleicht kann ich ihm ja mal zumindest einen Satz abnehmen.

Feldkämper: Naja, das mag aus Benny Perspektive vielleicht so aussehen, dass ich gut bin. Stimmt aber nicht. Er hat nämlich schlicht und ergreifend einfach gar nichts auf der Pfanne. In den Spielen gegen ihn kann ich mir immer ein bisschen Selbstvertrauen holen. Aber ich muss schon sagen: Er kommt näher. Irgendwann könnten es vielleicht wirklich mal enge Spiele werden. Mit seinem Ehrgeiz wird er das bestimmt schaffen. Wenn es soweit ist, dann gehe ich vielleicht wieder zum Fußball...

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