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Westfalenliga 1

"Ein Fachmann durch und durch": Borussia holt "Jogi" zurück


Von Fabian Renger

(05.07.22) Am Montagvormittag ruft uns Henrik Helmer, 1. Vorsitzender von Borussia Emsdetten, an. Die Trainersuche sei beendet, er habe den Nachfolger von Steffen Molitor gefunden. Verraten wollte er partout noch nichts. Zu frisch war die Sache. Auch die Mannschaft wurde erst am Abend zum Trainingsauftakt informiert. Helmer ließ dann die Katze aus dem Sack: Hans-Dieter "Jogi" Jürgens (68) kehrt zurück an den Teekotten. Nach achtjähriger Abstinenz in offizieller Funktion stellt er sich wieder auf den Platz. Eine Trainer-Neubesetzung, mit der wir nicht unbedingt gerechnet hatten. 

Schnell sei es gegangen, erzählt Helmer. Freitags nahmen beide Parteien erstmals den Kontakt auf, am Wochenende wurden die Dinge vertieft - und schon folgte die endgültige Übereinkunft. "Ein Fachmann durch und durch", sagt Helmer im Gespräch mit uns am Dienstagmorgen. "Jogi ist ja von Haus aus Borusse, war als Spieler hier aktiv und hatte eine erfolgreiche Zeit als Trainer bei uns." Alles korrekt, was der Vereinschef sagt. Jürgens' Laufbahn startete einst bei der Borussia, später war er von 1995 bis 1999 schonmal ihr Cheftrainer. Er war der erste Trainer, dem mit der Borussia der Aufstieg in die Westfalenliga gelungen war, beinahe sogar der Sprung in die Oberliga. Lange Geschichte. Zu lang für heute. 

Erfolgreiche Trainerlaufbahn

Erfolg - damit kennt sich Jürgens aus. Und damit übertreiben wir nicht. Mit fünf seiner neun Vereine sei er aufgestiegen, streicht der Übungsleiter hervor. "Das ist sicherlich so, dass ich mit meiner Trainerlaufbahn zufrieden war", sagt er. Eigentlich hätte er damit aber bereits abgeschlossen gehabt. 2014 endete seine bisher letzte Station beim SV Burgsteinfurt. Seitdem war er nirgendwo mehr tätig. Was nicht heißt, dass er sich vom Fußball ferngehalten hat. Anfragen für verschiedene Funktionen (Sportliche Leitung, Trainer) habe es immer mal wieder gegeben. Gepasst habe es aber nie so wirklich, sagt Jürgens. Was hat er sonst so getrieben? "Ich hab schon den einen oder anderen Trainer beraten, Spielbeobachtungen übernommen", berichtet er. Auch am Teekotten war der Schulleiter im Ruhestand immer mal wieder. Allerdings eben als Zaungast. 

"Persönlich kenne ich fast keinen Spieler", räumt er nun ein. Aber wie sollte er das auch? "Das ist eine Aufgabe, die ich bewältigen muss." Dafür stürzt er sich in die Arbeit. Am Montagmorgen sei er um 9 Uhr angefangen mit Tätigkeiten für Borussia. "Feierabend hatte ich um 22 Uhr." Zeit hat er aber ja als Ruheständler. "Zum ersten Mal in jetzt 28 Jahren als Trainer mache ich es ja hauptberuflich", witzelt der Rückkehrer. "Profi." Humor hat er.

Das, was gewesen ist in puncto Molitor-Trennung, will er hinter sich lassen. "Das ist gar nicht mein Thema. Mein Thema ist es, nach vorne zu gucken. Es geht jetzt darum, die Mannschaft körperlich fit zu kriegen und taktisch auf die neue Saison einzustellen." Bestimmte Ideen habe er natürlich, die müsse er jetzt natürlich abgleichen mit den vorhandenen Mannschaftsstrukturen. Bei Null muss er aber nicht beginnen. Bei seinen Spielbesuchen hatte er in Sachen Coaching "nichts feststellen können, was ich großartig anders gemacht hätte."

Lürwer ist auch weg - Meß überlegt noch

Dass die Borussia an ihn dachte, ehrt ihn. "Das ist mein Heimatverein. Wenn die meinen, ich kann denen helfen, dann kann ich das auch tun. Es sind natürlich Verbindungen gewachsen, die nicht verloren gegangen sind."

Am Montag waren viele ehemalige Weggefährten vor Ort. Helmer nahm nur positives Feedback auf. Und hat noch etwas Arbeit vor sich. Neben Molitor hat ja auch Sportleiter Helge Wolff seinen Hut genommen, Molitors Co Florian Lürwer ist ebenfalls nicht mehr Borusse. Molitors zweiter Co Alex Meß überlegt noch. "Wir von Vereinsseite aus möchten ihn gerne behalten", betont Helmer. Das sei aber natürlich Meß' Entscheidung. Ein Co-Trainer unter Vorbehalt also. Die Chemie muss stimmen. "Mein Ziel ist es, in einer Viergruppe zu arbeiten, um dann auch Aufgaben, gerade im Trainingsbetrieb, zu delegieren", sieht sich Jürgens zunächst vor allem in der Beobachterrolle. Vier? Ja, zwei Co-Trainer und ein Torwarttrainer. Der ist und bleibt Holger Minnebusch.

UPDATE, 6.7.2022, 20.11 Uhr:
Wie Alex Meß unserer Redaktion gegenüber am Mittwoch erklärte, hat er ebenfalls die Segel gestrichen. "Zu groß sind die Bauchschmerzen, die ich habe, weiter zu machen, und zu kurz die Zeit, nach dem, was passiert ist."

Helmer zum Aus von Molitor und zur Sportleiter-Suche

Natürlich mussten wir Borussias 1. Vorsitzenden Henrik Helmer bei der Gelegenheit nochmal kurz fragen, was genau denn jetzt eigentlich zur absolut überraschenden Trennung von Molitor geführt hat. Die Gerüchteküche brodelte gewaltig in den vergangenen Tagen. Auch wir wurden fast täglich gefragt, was denn jetzt eigentlich genau geschehen sei. Helmer hält sich hier aber weiterhin zurück und lobt erstmal: "Wir werfen Steffen sportlich nichts vor, er hat alles erreicht, was wir erreichen wollten. Wir haben fünf Spieltage vor Schluss die Klasse gehalten. Das ist sicherlich ein Verdienst vom Trainerteam und der Mannschaft. Für die neue Saison haben wir eine sehr guten Kader zusammengestellt. Das ist der Arbeit von Helge [Wolff, Ex-Sportleiter, d. Red.] und Steffen geschuldet. Sportlich hätten wir keinen Grund gehabt den Trainer zu wechseln."

Aha. Heißt? "Letztendlich sind Stimmen aus der Mannschaft gekommen, nach denen wir nach einer Bedenkzeit uns entschieden haben, uns zu trennen." Näher auf die Hintergründe will Helmer an dieser Stelle nicht eingehen. Es seien auch einige Dinge zu hören gewesen, die ins Reich der Fabel gehören, stellt Helmer klar. Er betont noch einmal: "Fachlich ist Steffen ist ein richtig guter Trainer, der unter Beweis gestellt hat, dass er es in der Westfalenliga hinbekommt." Alles weitere bleibt Verschlusssache.

Kommen wir zum zweiten noch offenen Punkt. Helge Wolff warf ja auch hin. Die Stelle des Sportlichen Leiters ist weiterhin vakant. "Wir haben noch keine Entscheidung getroffen, der Fokus lag ganz auf dem Trainerposten", erklärt Helmer hier. "Helge hat überragende Arbeit gemacht, überragend vorgearbeitet." Ein paar Dinge werde er noch finalisieren müssen. Aber das ist jetzt nicht außergewöhnlich. Anfallende Arbeiten in diesem Bereich müsse man nun intern erst einmal auffangen und in Ruhe nach einem geeigneten Kandidaten suchen. "Wenn es September wird, wird's September", will Helmer hier keinen Schnellschuss vollziehen.



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