Oberliga Westfalen/Westfalenliga 1 - Anschwitzen
Direkt voll eingeschlagen
von Fabian Renger
(06.11.25) Zu was Jordi Dindic imstande ist, blitzte vergangene Woche auf. Kurz vor Schluss – im Heimspiel des SV Mesum gegen den VfL Theesen stand es 3:3 – bekam Dindic die Kugel. Etwa 25 Meter vor dem Theesener Strafraum war das. Dindic gab Gas und setzte zum Tempodribbling an, ließ drei Leute stehen und schickte einen vierten Theesener mit einer Finte ins Leere. Plötzlich stand er etwa sieben Meter allein vor dem Theesener Torwart. Nur der Schuss ging dooferweise geschätzte vier Zentimeter am rechten Pfosten vorbei. „Das wäre natürlich geil gewesen“, schaut Dindic zurück. Es wäre sein erstes Tor im Mesumer Trikot gewesen. Aber er hat noch ein bisschen Zeit: Der Youngster ist erst 19.
Aktuell läuft seine erste Saison bei den Senioren – und es läuft super. Zehnmal war er bislang dabei, achtmal über die volle Distanz. Das spricht für ihn und seine Qualitäten. „Ich bin mit meinem Wechsel sehr, sehr zufrieden“, findet der Mann fürs Zentrum. „Die Liga war passend und der Verein war passend. Ich find’s ganz amüsant mit der Mannschaft. Ich glaube, ich konnte mich auch ganz gut integrieren – sowohl als Person als auch mit meinen fußballerischen Qualitäten.“ Das mit der Integration ist tatsächlich super gelungen. Wir könnten an dieser Stelle Frisur-Stories auspacken, die von Dindic, David Katerkamp und irgendwelchen „Taper Fades“ (fragt uns nicht!) handeln. Aber bleiben wir lieber beim Sport.
Bundesliga-Erfahrung als Junior
Dindic selbst kam im Sommer aus der Meppener U19 nach Mesum an den Hassenbrock. Er könnte sich selbst als Bundesliga-Spieler bezeichnen. Sowohl in Meppen als auch bei seiner vorherigen Station beim VfL Osnabrück spielte er in der höchsten deutschen Jugendspielklasse. Sowieso: Im zarten Alter von zehn (!) Jahren entdeckte ihn der VfL Osnabrück und lotste Dindic von dessen Heimatverein Arminia Ibbenbüren rüber zu den Lila-Weißen. Das ist bemerkenswert.
Inzwischen ist er Westfalenliga-Stammspieler. „Der breiteste bin ich nicht“, räumt er ein und korrigiert gleich mal das Internet. Da steht was von 1,83 Meter. In Wahrheit misst er aber ungefähr 1,87 Meter. Man könnte ihn ruhigen Gewissens als schlaksig bezeichnen. „Am liebsten bewege ich mich auf der Sechs“, erklärt unser heutiger Anschwitzpartner. Wenn der SVM in der Dreierkette agiert, fungiert er dort aber auch als Mann in der Mitte. „Man merkt schon, dass der Fußball in der Westfalenliga weniger taktisch-technisch geprägt ist, es mehr um Zweikämpfe und zweite Bälle geht als in der Jugend. Das ist schon ein Unterschied, aber ich habe mich dem gut angepasst“, berichtet Dindic von seinen ersten Eindrücken bei den Großen.
"Ich habe mich ganz gut angepasst"
In den Zweikämpfen ist er eher derjenige, der antizipiert. „Ich versuche, vom Kopf her einen Schritt weiter zu sein als mein Gegenspieler.“ Was gerade beim SVM ratsam ist – wenn im Training ein Julin Muthulingam mit 100 km/h auf dich zugerast kommt und du es drauf ankommen lässt, gehen relativ schnell die Lampen aus. „Viel Spaß macht das nicht gegen ihn, aber man kann jede Menge von lernen“, so der FSJ’ler an einer Grundschule, der definitiv nicht auf den Kopf oder Mund gefallen ist. Was wohl beim ersten Tor passieren würde?!
Abschließend die obligatorische Namensfrage: Dindic – ist er verwandt oder verschwägert mit dem bekannten Fußballtrainer Vladan Dindic? Ja. Der Ex-Coach von Cheruskia Laggenbeck oder Arminia ist sein Onkel. Wieder was gelernt. Nun ab zum Tippspiel. „So eine verrückte Liga habe ich selten gesehen“, hat er bereits festgestellt. In der Tat.
Die Westfalenliga ist völlig gaga, las ich kürzlich beim Kollegen Marius Holthaus (Grüße!) von der Emsdettener Volkszeitung. Das ist ein Satz, den man besser kaum formulieren könnte. Neuenkirchens Jan Wiegers und ich blamierten uns hier beide in der Vorwoche mit einem 2:2.
Oberliga Westfalen
SG Wattenscheid - FCE Rheine (Donnerstag, 19 Uhr)
Der FCE gewann nur eines der vergangenen fünf Ligaspiele und rutschte auf Platz 16 ab – sicherlich zu wenig. Aber noch sind wir relativ früh in der Saison. In der Oberliga ist’s zudem ähnlich eng wie in der Westfalenliga: Zwischen den Rheinensern und dem Achten aus Gievenbeck liegen nur sechs Punkte. Startet der FCE also ’ne kleine Serie, sieht die Welt schnell wieder besser aus. Problem: Wattenscheid ist ungeschlagener Tabellenführer.
Heimspiel-Tipp: 1:1. Ein Zähler, hart erkämpft, glücklich, schmutzig, aber einer, der gut tut.
Dindic: 4:2. Wattenscheid ist bisher überragend drauf. Der FCE hat zwar nach vorne echt gute Zocker und brutale Qualität. Aber das wird nicht reichen.
RW Ahlen - 1. FC Gievenbeck (Samstag, 19 Uhr)
Samstagabend, Wersestadion, Flutlicht – mit Sicherheit keine 25 Grad: Dafür spielen wir doch alle Fußball, oder? Also, ich bin jedenfalls neidisch auf den FCG. Dem stehen allerdings noch schweißtreibende Wochen bevor: Sieben (!!!) Pflichtspiele warten noch bis zur Winterpause. Ich bin doch nicht mehr neidisch.
Heimspiel-Tipp: 2:0. Kellerkind und Schießbude Ahlen verschafft sich erneut etwas Luft. Gievenbeck erwischt den nächsten schlechten Tag.
Dindic: 0:2. Gievenbeck hat eine super Truppe und mit Steffen Büchter einen guten Trainer.
SpVgg Vreden - Arminia Bielefeld U21 (Sonntag, 14.30 Uhr)
Auch die Vredener stellen sich auf ihrer
Instagram-Seite in schöner Regelmäßigkeit einer „Frage der Woche“. Bei der Frage nach dem Schwiegermutters Liebling gab es beispielsweise keinen eindeutigen Favoriten. Das war beim Punkt „Wer dürfte nie deine Tochter daten?“ schon klarer. Hier gewinnt – oder verliert … – definitiv Kilian Heisterkamp.
Heimspiel-Tipp: 1:1. Kampfspiel. Die Vredener gleichen spät aus.
Dindic: 1:2.
Preußen Münster II - Westfalia Rhyern (Sonntag, 15 Uhr)
Könnte torreich werden: 27 Tore treffen hier auf 29 Tore. Die zweitbeste Offensive hat Besuch von der besten. Der Fünfte empfängt den Vierten. Die Münsteraner haben fünfmal in Folge nicht verloren, Rhynern ist seit drei Spielen ungeschlagen. Man kann also getrost von einem Spitzenspiel sprechen.
Heimspiel-Tipp: 3:3.
Dindic: 1:1.
SG Finnentrop/Bamenohl - TuS Hiltrup (Sonntag, 15 Uhr)
Der TuS wartet noch immer auf den ersten Auswärtssieg. Fraglich, ob das ausgerechnet im Sauerland etwas wird – schließlich hat der sonntägliche Gastgeber bislang noch kein Heimspiel verloren.
Heimspiel-Tipp:1:2. Hiltrup liegt lange Zeit 0:1 und nimmt dann die Festung ein. Die Rückfahrt, inklusive Stau, wird besonders lustig.
Dindic: Ein klassisches 50:50-Spiel. Aber ich sympathisiere einfach mal mit Hiltrup. 1:2.
Westfalenliga 1
SuS Neuenkirchen - GW Nottuln (Freitag, 19.45 Uhr)
Zwei Teams, bei denen alles klar ist: Sowohl Alex Zerche als auch Darius Schwering sind für die Saison 2026/27 unter der Haube – was jeweils nicht überrascht. Realtalk: Ich hätte weder den Neuenkirchenern den zweiten Rang zugetraut noch den Nottulnern den dritten Platz. Beide haben übrigens fast die identische Tordifferenz, beide die gleiche Punktzahl. Wer das Spiel entscheidet? Die berühmt-berüchtigte Tagesform.
Heimspiel-Tipp: 2:2. Muss ein Remis werden.
Dindic: 1:3. Nottuln hat gegen uns ein kein schlechtes Spiel gemacht, war auch mit dem Ball gut. Neuenkirchen ist eher eine Kontermannschaft. Bei Nottuln sehe ich eher die fußballerischen Veranlagungen. 1:3.
SC Peckeloh - Westfalia Kinderhaus (Sonntag, 14.30 Uhr)
Die Gäste aus Peckeloh galten ja als Aufstiegskandidat Nummer eins. Es wurde viel in Beine und Steine investiert. Nur dauert der Findungsprozess erstaunlich lange. Peckeloh hinkt als Neunter den Erwartungen hinterher.
Am Sonntag steht übrigens ein besonderes Spiel an: Nach 53 Jahren verabschiedet sich der Club von seinem Wöstenstadion. Es gibt 53 Liter Freibier. Demnächst spielt Peckeloh dann im Edeka Farthmann Sportpark (schmissiger Name!) am Wiedenfeld.
Heimspiel-Tipp: 3:2. Ich hoffe auf Spannung in der Liga! (Philip und Massih, bitte geht Sonntag trotzdem an euer Handy...)
Dindic: 2:2. Ich hoffe natürlich, dass Peckeloh Kinderhaus Punkte klaut. Kinderhaus ist für mich bisher die beste Mannschaft gewesen, gegen die wir bisher gespielt haben.
Westfalia Soest - Eintracht Ahaus (Sonntag, 14.30 Uhr)
Eintrachts Frank Wegener sprach nach der erneuten Packung in der Vorwoche von altbekannten Herbst-/Winter-Depressionen seiner Mannschaft. Das sei jedes Jahr so, berichtete er. Stimmt tatsächlich: Im Vorjahr gewann Ahaus nur eines der letzten sechs Ligaspiele vor der Winterpause. Aktuell steht der Aufsteiger bei vier sieglosen Partien. Hmm. Spielen in Ahaus also nur Schönwetter-Fußballer? Den Eindruck hatten wir bisher nicht.
Heimspiel-Tipp: 1:2. Muss doch auch mal im November was werden.
Dindic: 1:1.
Borussia Emsdetten - FC Nordkirchen (Sonntag, 14.30 Uhr)
Die Emsdettener stehen zwar auf dem ersten Abstiegsplatz – aber was heißt das schon in dieser Liga? Ostinghausen hat beispielsweise als Tabellensechster zwei Spiele mehr absolviert und sechs Zähler mehr gesammelt. Heißt: Emsdetten kann mit zwei Siegen in Folge durchaus wieder Boden gutmachen. Überhaupt beträgt der Rückstand des 14. vom Teekotten auf den Neunten aus Peckeloh nur zwei Punkte. Nach Nordkirchen trifft Emsdetten bereits am kommenden Donnerstag auf Schlusslicht Preußen Espelkamp. Zwei Partien mit maximal wichtiger Bedeutung.
Heimspiel-Tipp: 1:0. Das Tor fällt irgendwann kurz vor Toreschluss.
Dindic: 0:0.
SV Rödinghausen II - SV Mesum (Sonntag, 15 Uhr)
„Ist immer die Frage, wer da bei einer Zweiten von oben runterkommt“, weiß Dindic. Die Rödinghausener Regionalliga-Elf spielt am Samstag gegen die U23 des 1. FC Köln. Hmm. Aber: Qualitäten hat der SVM selbst genug. Seit vier Spielen sind die Mesumer unbesiegt, zuletzt gab es zweimal ein 3:3 – und alle sechs Tore gingen aufs Konto von Muthulingam. Ihm hätte Dindic auch erst einen Doppelpack zugetraut. „Das wäre ja langweilig“, schiebt er dann hinterher und ändert seine Torschützen-Tipps nochmal ab.
Heimspiel-Tipp: 3:2. Die letzten Wochen liefen zu gut für die Mesumer.
Dindic: 1:3. Kevin Ostendorf ist mal wieder dran mit einem Tor, Muthulingam macht einen und Chris Strotmann trifft auch.








































