Bezirksliga 7

Vermisst: Wo war Westfalen Liesborn in den ersten 20 Minuten?


Von Fabian Renger

(25.10.21) Es ist nicht überliefert, ob jemand eine Vermisstenanzeige aufgegeben hat. Denn augenscheinlich war Westfalen Liesborn daheim gegen den SV Neubeckum zunächst gar nicht auf dem Platz. Nach 18 Minuten lag die Truppe von Cheftrainer Elmar Kirsch bereits mit 0:4 (!!!) hinten. Da ist es ja fast schon als Erfolg zu werten, dass Liesborn unterm Strich "nur" mit 1:6 unterlag.

"Wir waren zu keinem Zeitpunkt im Spiel drin", war Kirsch gefrustet. "Es fehlte eigentlich alles, was den Abstiegskampf ausmacht." Zumindest er meldete also einige Eigenschaften als vermisst an. Kompakt wollte seine Elf stehen, den Gästen mit einer aggressiven Ordnung und Spielweise den Spaß nehmen. Doch Körpersprache und Co? Nichts passte. Die Abstände zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen waren zu groß. "Wenn du so auftrittst, holst du keinen Sieg mehr, das war schon extrem enttäuschend", ärgerte sich Kirsch. Dabei nahm er niemanden raus. Nach vorne waren zwar durchaus helle Momente dabei, aber: "Das war ein Kollektivversagen, wenn du von der eins bis zur elf keinen Druck auf den Ball kriegst."

"Wir wollten schnell klare Verhältnisse schaffen"

Mit Alten Herren und Leuten aus der zweiten Mannschaft waren die fast schon traditionell personell gebeutelten Hausherren in das Spiel gegangen. Mit Lust und Galligkeit wäre aber auch mit dieser Combo zumindest ein akzeptables Ergebnis drin gewesen, betonte Kirsch. Gänzlich anders war logischerweise die Stimmungslage im Neubeckumer Lager. "Wir wollten schnell klare Verhältnisse schaffen", berichtete SVN-Coach Ole Pfeiffer. Diesen Plan haben seine Jungs erfolgreich in die Tat umgesetzt.

Sie sollten mit Ruhe das Spiel angehen, auf die eigenen Chancen lauern und rasch einnetzen. Die Lücken in der Heim-Abwehr nutzten die Gäste richtig konsequent aus. Einwurf, schnell in die Lücke rein und ab dafür. Die ersten Buden fielen auf diesem Wege nach super Steckpässen. Kemal Ustaoglu (4.), Davin Wöstmann (6.), Timo Wagner (14.) sowie nochmals Wöstmann (18.) trafen. Dann ging es für Ustaoglu früh nicht mehr weiter, er wirkte angeschlagen, Pfeiffer nahm ihn vorsichtshalber runter (25.). Seine Kollegen schenkten ihm zwei weitere Hütten zur Genesung. Michael Wiemann erhöhte auf 5:0 (43.), Stefanos Dontsis auf 6:0 (65.). Klare Nummer.

Ein Ehrentreffer, der (wohl) keiner war

Was Pfeiffer etwas sauer aufstieß: Hinten wehrte seine Elf nicht alle Angriffe ab.  "Das Spiel hätte auch 9:4 ausgehen können", kommentierte der SVN-Übungsleiter. Der Schlusspunkt gehörte übrigens den Hausherren. Ein Fernschuss von Liesborns Frerik Eugen Drügemöller klatschte von der Unterkante der Latte wohl im Tor (87.). Meinte jedenfalls Schiedsrichter Juan Vicente Querol Martinez. Diese Meinung hatte er allerdings ziemlich exklusiv. Macht aber auch den Braten nicht mehr fett.

Westfalen Liesborn - SV Neubeckum 1:6 (0:4)

0:1 Ustaoglu (4.), 0:2 Wöstmann (6.)
0:3 Wagner (14.), 0:4 Wöstmann (18.)
0:5 Wiemann (43.), 0:6 Dontsis (65.)
1:6 Drügemöller (87.)