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Querpass

In der vergangenen Saison feierte Mirko Kalter nach langer Verletzung sein Comeback. Nun ist er wieder topfit - Kicken kann er dennoch nicht.

Die Lunge mit dem großen Herzen


Von Christian Lehmann

(22.02.21) Für seinen Co-Trainer und langjährigen Mitspieler Klemens Vermillion ist Mirko Kalter (30) einfach nur "Die Lunge". "Wahnsinn, was der Junge für Meter auf dem Platz macht", sagt er. "Es ist total beeindruckend, wie er wieder zurück gekommen ist." Nach komplizierten Verletzungen, die ihn in den vergangenen Jahren immer wieder zurückgeworfen haben, war der Mittelfeldmotor von Eintracht Rodde zuletzt wieder voll da. In dieser Saison stand er beim A-Ligisten durchgehend auf dem Feld. Dann kam Corona...

"Es ist schon schade. Wir waren gerade wieder richtig in Tritt. Man hat in den letzten Wochen vor der Pause gemerkt, dass die ganze Truppe immer fitter wird", sagt Kalter. Nicht "Ich", sondern "Wir" und "Die Truppe" - Das sind typische Kalter-Vokabeln. "Mirko ist die Loyalität in Person. Einer, der alles für den Verein tut", sagt sein ehemaliger Coach und Kegelbruder Meik Edelbusch über den früheren Schützling. Ein Tapetenwechsel wäre für den Ur-Rodder, dessen gesamte Familie mit dem Klub verbandelt ist, deshalb nie infrage gekommen. "Wieso auch? Meine Kumpels spielen hier, ich wüsste nicht, was mich hier wegziehen sollte...", sagt er.

Mit "Tunnelblick" die "Schöne Aussicht"

Auch mit nun 30 Jahren hat der Mittelfeldspieler kaum ein Gramm zu viel auf den Rippen, läuferisch hat ihm im Team in den vergangenen Jahren ohnehin so gut wie niemand etwas vorgemacht. Edelbusch erinnert sich noch an zahlreiche Ausflüge seiner Mannschaft zu den Riesenbecker Treppen hoch zur "Schönen Aussicht": "Da hatte er immer den Tunnelblick. Während die anderen nur zwei, dreimal hoch- und runtergelaufen sind, war Mirko acht, neunmal unterwegs. Der Bengel ist eine absolute Maschine..."

Eintracht Rodde, das ist ein Stück weit auch das Familienunternehmen Kalter. Vater Uwe ist seit vielen Jahren schon erster Vorsitzender des kleinen Klubs vom Kanal, Bruder Leon und Schwester Laura kicken ebenfalls schon lange im Verein. Als 2019 ein Nachfolger für Siegbert Lübke für Vereinskassierer gesucht wurde, übernahm Mirko Kalter, der beruflich im Controlling eines großen Landmaschinen-Herstellers in Spelle tätig ist, ganz selbstverständlich den Vorstandsposten. Vom Papa gezwungen wurde er nicht, erklärt er lachend: "Nee, nee, das war schon freiwillig."

2015 und 2018 stieg Mirko Kalter mit Eintracht Rodde in die Kreisliga A auf, 2014 scheiterte er mit seinem Team im Relegationsspiel in Wettringen an Arminia Ochtrup II.

Freiwillig nahm das Rodder Urgestein vor einigen Jahren nach einem Aufruf der "Rodde Eagles" auch an einer Typisierungsaktion teil, um anschließend mit einer Knochenmarkspende ein Leben retten. "Es gibt Menschen, die nach so einer Aktion sagen: 'Hey, ich habe gespendet!' Mirko tickt da anders, das zeigt seinen Charakter. Er spricht eigentlich gar nicht darüber, aber ihm war es wichtig - auch auf die Gefahr hin, dass es seine Leidenschaft, Fußball zu spielen, beeinträchtigt", erzählt uns Edelbusch.

Im folgenden Winter begannen die Beschwerden. Leistenprobleme, eine Entzündung im Hüftbeuger - ob diese wirklich durch die Knochenmarkspende, durch Kalters Bürotätigkeit oder etwas ganz anderes hervorgerufen wurden, ist nicht geklärt. Kalter, 2015 bei seinem ersten Aufstieg unter Daniel Apke noch mittendrin, war 2018 jedenfalls plötzlich nur noch als Zuschauer dabei. Aber er kämpfte sich zurück, blieb stets bei der Truppe, kam zum Training, kapselte sich nicht ab. "Mirko ist ein echter Teamplayer. Er denkt immer zuerst an die Mannschaft, dann an den Verein und dann an sich", sagt Vermillion. Hendrik Krümberg, Mitspieler und Sportlicher Leiter bei der Eintracht, zeichnet das gleiche Bild: "Mirko tut wahnsinnig viel im Hintergrund. Er organisiert sehr viel mit, ist bei allen Arbeitseinsätzen dabei und ein absolutes Vorbild." Zuletzt half er etwa bei der Renovierung des Schiedsrichter-Raums und der Umsetzung der Corona-Schutzverordnung mit. Krümberg: "Auf den kannst Du voll setzen!"

Keiner, der nackig auf dem Tisch tanzt

Nur in einem einzigen Punkt passt Kalter nicht so recht nach Rodde: Er trinkt kein Bier. Wenn sich die Kollegen nach dem Training ein kühles Blondes gönnen, nippt er stets an seiner kalten Cola. Eskapaden oder Anekdoten über ihn sucht man vielleicht auch deshalb vergeblich. "Ich glaube, ich habe schon so ziemlich jeden meiner ehemaligen Spieler betrunken gesehen, Mirko nicht. Er ist keiner, der nackig auf dem Tisch tanzt", sagt Edelbusch lachend. 

Das Jahr 2020 war trotz Corona ein besonders schönes für Kalter, denn er hat im vergangenen Jahr seine langjährige Freundin Julia geheiratet. Im Mai 2021 soll noch einmal kirchlich gefeiert werden - dann am liebsten mit den Kumpels aus der Mannschaft. Mit denen möchte er auch in den nächsten zwei, drei Jahren noch beschwerdefrei auf dem Platz stehen. Nach der aktiven Fußballer-Laufbahn plant Kalter, wie sein Vater einen Marathon zu laufen. Damit nicht genug: Die Bestzeit von 3 Stunden und 25 Minuten möchte er auch knacken. Da ist er wieder, der Tunnelblick der "Lunge mit dem großen Herzen".



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