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Der neue Vorstand von Grün-Weiß Amisia Rheine (v.l.n.r.): Sebastian Albers (Organisatorisches), Ralf Schneider (2. Vorsitzender), Klaus Bönninghoff (1. Vorsitzender), Stefan Schulze Diekhoff (1. Geschäftsführer), Rainer Int-Veld (Finanzen), Bernhard Grotholt (2. Geschäftsführer), Thomas Bertels (kommissarischer Jugendobmann). Foto: Oliver Wulff (Grün-Weiß Amisia Rheine)

Bönninghoff will hinhören, wenn es knirscht


von Christian Lehmann

(04.03.20) Der erste ganz große Schritt ist getan. Aus Grün-Weiß Rheine und Amisia Rheine ist nach jahrelangem Hin- und Her nun doch ein gemeinsamer Verein entstanden. Dass die Fusion letztlich völlig komplikationslos und entspannt über die Bühne gegangen ist, war auch ein Verdienst von Klaus Bönninghoff. Wir haben uns mit dem neuen 1. Vorsitzenden unterhalten. 

 

Herr Bönnighoff, herzlichen Glückwunsch zur erfolgreichen Fusion und zur Ernennung zum 1. Vorsitzenden! Das war ein voller Erfolg, oder?

Bönninghoff: Vielen Dank. Ja, ich glaube, sowohl das Fusionsgremium als auch Karin Schulze-Kersting vom Landessportbund und Notar Ingo Holtfester haben da im Vorfeld einen guten Job gemacht und die Leute frühzeitig und vollumfänglich informiert, sodass wir jetzt den Startschuss für etwas gemeinsames Neues legen konnten.

 

Wie haben Sie den Moment der Abstimmung erlebt? Waren Sie nervös - oder doch entspannt, weil man davon ausgehen konnte, dass nichts mehr schief geht?

Bönninghoff: Ich persönlich konnte im Vorfeld die Stimmung bei Grün-Weiß natürlich nicht ganz einordnen. Bei uns allen habe ich schon eine kleine Anspannung gespürt. Natürlich können immer unvorhergesehene Dinge passieren, aber ich hatte im Vorfeld eine kleine Vorab-Kalkulation gemacht, wie viele Nein-Stimmen es denn maximal bei uns sein könnten. Dann war leicht auszurechnen, wie viele Teilnehmer wir brauchen, um eine Dreiviertel-Mehrheit zu erreichen. Als ich gesehen habe, dass wir 103 Stimmberechtigte von Amisia im Saal hatten, war mir klar, dass das schon gut geht. Dass es im Endeffekt nur zwei Gegenstimmen gab, hat mich selber ein wenig überrascht. 

 

Steffen Molitor, Trainer der ersten Mannschaft von Grün-Weiß, hat es seinen Spielern freigestellt, an der Versammlung teilzunehmen. Es ist niemand erschienen, stattdessen hat das Team trainiert. Waren Sie darüber im Vorfeld informiert?

Bönninghoff: Ich kenne die genaue Teilnehmerliste nicht. Es ist uns aber bekannt, dass es dort Überlegungen gab, zur Versammlung zu kommen oder abends zu trainieren. Bei Grün-Weiß hat es eine Probe-Abstimmung mit über 90 prozentiger Zustimmung gegeben. Man war ja auch geneigt, nicht zu kommen und zu glauben, das Ding läuft schon...

 

Was waren in den vergangenen Wochen und Monaten die größten Herausforderungen im Fusions-Gremium?

Bönninghoff: Es gab natürlich eine recht lange To-Do-Liste, die abzuarbeiten war. Es gab den Notar-Termin, es mussten Jahresabschlüsse erstellt und gegenseitig geprüft werden, die Einladungen mussten raus... Am Ende haben diejenigen, die ihre Köpfe aneinander gerieben haben, um einen tragfähigen Fusions-Kompromiss zu erreichen, sogar noch gemeinsam zusammen gesessen, um die Einladungen einzutüten. Das zeigt auch, wie wichtig es ist, dass man die Kräfte der Enthusiasten, die man noch hat, bündelt. Die Vorbereitungen für diesen Abend waren schon nicht ganz ohne, aber wir haben uns im Gremium in den vergangenen acht Monaten sehr gut kennengelernt und sehr konstruktiv miteinander gearbeitet. 

 

Gab es Momente, in denen sie gedacht haben, dass die Fusion scheitert? Hätten Sie rückblickend Dinge anders gemacht?

Bönninghoff: Es war für uns alle ein sehr aufreibendes und zeitintensives Projekt - vor allem, wenn man bedenkt, dass ich in meiner Funktion als Sportlicher Leiter von Amisia Rheine parallel auch noch Aufgaben und Termine hatte. Zum Glück haben mir Thorsten Schmidt und Edgar Kortenhorn in diesem Bereich sehr viel abgenommen. Viel mehr wäre als Berufstätiger mal eben so nebenbei nicht möglich gewesen. Natürlich hat es vieles gegeben, das wir versäumt haben in der Kürze der Zeit. Wir sind nicht souverän und geübt in solchen Dingen. Frau Schulze-Kersting, die durch den Abend geleitet hat, hat über 300 Fusionen hinter sich. Für jeden anderen wird so etwas vermutlich nur einmal im Leben vorkommen. Beim nächsten mal wüssten wir, was auf uns zukommt und könnten einige Dinge ganz anders vorbereiten. Wir haben uns im September zusammengesetzt und gesagt 'Jetzt wird es aber Zeit'. Unter diesem Zeitdruck sind sicherlich auch Dinge passiert, die man hätten anders machen müssen. 

 

Wo wird in den nächsten Jahren ihr Schwerpunkt in der Arbeit als 1. Vorsitzender liegen?

Bönninghoff: Das Wichtigste ist jetzt die Zusammenführung der Menschen, die diese Fusion begleitet haben. Wir haben nach der Abstimmung noch mit 40, 50 Leuten an der Theke gestanden und mit einem Bier angestoßen. Wir haben ja auch im Vorfeld schon Arbeitsgruppen gebildet und Ideen gesammelt. Man merkt, dass es eine kleine Aufbruchsstimmung gibt. Da, wo es mal knirscht, muss man genau hinhören und Kompromisse finden. Meine Haupt-Aufgabe wird sein, dafür zu sorgen, dass wir uns gegenseitig kennen lernen und gemeinsame Interessen verfolgen - sei es bei Veranstaltungen wie unserem Stiftungsfest oder beim Maika und Band-Cup. Ich hoffe, dass wir in drei Jahren zusammenstehen und uns darüber freuen, dass wir genau das Richtige gemacht haben. Man muss aber auch an diejenigen denken, die immer noch gerne ihren alten Verein hätten. Auch die haben ein Recht darauf, ihre Meinung so zu äußern. 

 

Derzeit gibt es bei beiden Vereinen zusammengerechnet fünf Seniorenteams und eine Frauen-Mannschaft. Ist bereits abzusehen, in welcher Konstellation und Stärke ihr in die kommende Spielzeit gehen wollt?

Bönninghoff: Was schon feststeht, ist, dass wir mit mindestens drei Herren- und einer Damen-Mannschaft weitermachen wollen. Dafür gibt es auch genügend Spieler. Die Liga-Zugehörigkeit der einzelnen Teams wird sich dann in den kommenden Wochen klären. Dann wird es sicherlich auch noch einen gewissen Zulauf oder auch Abwanderung geben.   

 

Das sportliche Ziel mit der ersten Mannschaft bleibt mittelfristig die Bezirksliga?

Bönninghoff: Ja, es muss das Ziel sein, in einem Verein mit über 700 Mitgliedern überkreislich Fußball zu spielen. Vor drei, vier Jahren, als die ersten Fusionsgespräche angegangen wurden, hatten wir allerdings auch noch zwei Bezirksliga-Mannschaften. Da haben wir uns auf dem Vereinsgelände von Grün-Weiß die Terrasse angeschaut und gesagt 'In zehn Jahren sitzen wir gemeinsam hier oben und gucken Landesliga'. Es hat sich seither vieles in eine andere Richtung entwickelt, genau deshalb war die Fusion ja auch so wichtig. Dass wir aber irgendwann auch an der Ligazugehörigkeit der ersten Mannschaft gemessen werden, ist klar. Im Moment sieht es der geschäftsführende Vorstand aber vor allem als seine Aufgabe an, die Menschen zusammen zu führen. Wenn wir das jetzt nicht gemacht hätten, wäre von beiden Vereinen nicht mehr viel übrig geblieben. Der 3. März 2020 soll als ein Tag in die Lokalsport-Geschichte eingehen, an dem zwei Vereine die Zeichen der Zeit erkannt und die Zukunft realistisch eingeordnet haben. Dafür gibt es schon jetzt erste Anzeichen. Ein Beispiel: Mich hat vor wenigen Tagen Andreas Sandmann angerufen, der dem Verein als B-Jugendtrainer weiterhelfen möchte - ein sehr anerkannter, engagierter Mann. Er hat gesagt, ohne die Fusion und ohne Aussicht auf Nachhaltigkeit hätte er es wahrscheinlich nicht gemacht.



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