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Querpass: Warum der Frauenfußball noch nicht angekommen ist

Frauen- und Männerfußball vergleichen? Das kann man laut André Frankrone nicht.

"Die Vereine interessiert es nicht"


Von Helena Wilmer

(22.03.20) Noch immer wird der Frauenfußball von vielen unterschätzt und erhält oft nicht die Anerkennung, die sich einige wünschen. Davon können auch André Frankrone und Andre Kuhlmann ein Liedchen singen. Im ersten Teil der kleinen Serie berichten die Trainer, die in ihrer Karriere schon Frauen- und Männerteams gecoacht haben, von ihren Erfahrungen. Frankrone trainierte bis zum vergangenen Sommer die Mädels von der Egelshove, die in der Westfalenliga kicken. Dann ging es für ihn nach Amelsbüren. Dort trainiert er nun nicht nur Männer, sondern musste sich in der Kreisliga B auch auf andere Bedingungen einstellen. Kuhlmann schaffte es mit den Frauen der Warendorfer SU sogar in die Regionalliga. Seit dem vergangenen Sommer kämpft er dagegen mit den Männern von BW Aasee in der Bezirksliga um den Klassenerhalt. Im kurzen Interview sind sich beide bei einem Thema einig: Vergleichen kann und sollte man Männer- und Frauenfußball nicht miteinander.

André Frankrone

Wo siehst du die deutlichsten Unterschiede im Spiel zwischen Frauen und Männern?

Die deutlichsten Unterschiede sehe ich in der Schnelligkeit und Härte, die das ganze Spiel verändern. Bei der Technik sind allerdings Frauen und Männer auf einem Niveau und das hängt meiner Meinung nach nicht mit der Liga zusammen. Außerdem ist bei den Männern die Emotionalität beziehungsweise die Lautstärke deutlich ausgeprägter.

Was findest du besser/schlechter bei den Männern?

Einfacher ist die Kommunikation. Bei den Männern kann man Probleme besser ansprechen oder klare Ansagen machen, ohne das es eine Diskussion gibt. Da sind Männer sicherlich einfacher strukturiert. Die Mädels finde ich dagegen deutlich ehrgeiziger und das liegt auch hier nicht an der Liga. Die hören mehr zu, setzen das besser um was man erwartet und arbeiten sauberer.

Woran glaubst du liegt es, dass der Frauenfußball in Deutschland noch nicht wirklich angekommen ist und was kann man daran ändern?

Als erstes darf man nie den Fehler machen, Männer- und Frauenfußball zu vergleichen. Es ist utopisch zu denken, dass der Frauenfußball irgendwann so erfolgreich sein wird, wie der Männerfußball. Trotzdem gibt es bei den Frauen zu wenig Förderer und Sponsoren und somit ist zu wenig Geld da, um was draus zu machen. Zudem ist der Schalter bei vielen noch nicht umgelegt. Vor allem viele Vereine interessiert der Frauenbereich nicht und keiner kümmert sich darum. Es gibt kaum Trainer, die richtig gut sind und so hören Mädchen schon oft frühzeitig auf, weil sie keine Lust mehr haben zu trainieren.

Andre Kuhlmann

Wo siehst du die deutlichsten Unterschiede im Spiel zwischen Frauen und Männern?

Es wird ja immer gesagt, dass die Herren athletischer sind, aber das ist in meinen Augen der falsche Ausdruck. Frauen sind auch athletisch, aber in einem anderen Tempo. Ich finde man kann das am Beispiel eines 100 Meter Laufs immer ganz gut erklären. Die Frau ist zwar langsamer als ein Mann, aber niemand spricht ihr ab, dass sie trotzdem am Optimum von dem ist, was aus ihr rauszuholen ist. Mich stört einfach, dass die Geschlechter im Fußball immer verglichen werden, denn in anderen Sportarten ist das nicht so. 

Was findest du besser/schlechter bei den Männern?

Egal in welcher Liga, der Männerfußball ist geldverseucht. Es ist absurd, welche Beträge über den Tisch gehen. Grundsätzlich sehe ich sonst keinen Unterschied, obwohl es bei den Männern für mich geselliger ist, da ich zum Beispiel mit in der Kabine bleiben kann und da natürlich mehr mit bekomme als bei den Frauen. Trotzdem war es mir schon immer egal, ob ich Frauen oder Männer trainiere.

Woran glaubst du liegt es, dass der Frauenfußball in Deutschland noch nicht wirklich angekommen ist und was kann man daran ändern?

Es fängt schon beim Kinderfußball an. Das wichtigste wäre die absolute Chancengleichheit. Das die Mädchen nicht auf irgendeinen Nebenplatz abgeschoben werden, das sie qualifizierte Trainer bekommen und so eine gute Ausbildung erhalten. Bis ein körperlicher Unterschied da ist, können Mädchen nämlich voll bei den Jungs mithalten. Außerdem muss sich der Frauenfußball natürlich selbst besser vermarkten. Man muss Stars hervorbringen und auch Jungs müssen weibliche Vorbilder haben dürfen. Auf Münster bezogen müssen die Vereine mehr zusammenarbeiten und nicht jeder sein eigenes Süppchen kochen. Ich bin mir sicher, dass wir mit dem Potenzial was da ist, im Umkreis von 50 Kilometern eine U-17 Mannschaft bilden könnten und damit ein absolutes Top-Team in Deutschland wären. Aber so kommen nur wenige Talente oben an.



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