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Westfalenliga 1

Machen Schluss in Nottuln: Jens Niehues (r.) und Dirk Nottebaum.

Raus aus der kompletten Verantwortung


von Fabian Renger

(20.10.20) Sie sind dann bald mal weg aus den Baumbergen: Jens Niehues und sein Co-Trainer Dirk Nottebaum Öffnet externen Link in neuem Fensterbeenden zum Saisonende ihre Trainertätigkeit bei GW Nottuln. Niehues war erst zur Saison 2019/20 bei GWN auf Oliver Glaser gefolgt, Nottebaum kam etwas früher noch unter Glaser als Assistent.

Keine besonders lange Amtszeit. Wurde also Zeit, sich mit Niehues über die Hintergründe auszutauschen.

Jens, nach deiner Zeit in Ahaus wolltest du ein Sabbatjahr einlegen - stattdessen bist du 2019 in Nottuln Trainer geworden. Wird das Sabbatjahr jetzt nachgeholt?
Niehues: Da war geplant, gegebenfalls eine Auszeit zu nehmen. Jetzt ist das aber nicht zwingend geplant.

Sondern? Einfach ein Abschied aus der ersten Reihe?
Niehues: Genau. Ich bin nicht geboren, um mich an Erfolgen zu orientieren. Ich bin ein Ausbildungstrainer. Erfolg wird bei mir im Kopf mit 'Liefern' und 'Hinterfragen' verknüpft. Das strengt mich an. Ich würde meine Idee vom Fußball gerne weiter vermitteln. Es muss natürlich im Gesamt-Kontext passen. Vom Grundgedanken her möchte ich gerne andere Menschen unterstützen, wenn jemand Interesse hat, um meine Idee weiter zu tragen oder vielleicht auch selbst was zu lernen von anderen Kollegen. Da spielt die Liga keine Rolle. Das kann im Jugendbereich sein, das kann auch ein Spielertrainer sein, der jemanden an der Seite braucht und wo ich das Gefühl habe, dass es als Team funktionieren kann. Aber es kann auch einfach sein, dass ich sonntags mal zuhause im Garten sitze oder spazierengehe. Fakt ist, dass ich aus dieser kompletten Verantwortung raus möchte.

Und das nach dieser relativ kurzen Zeit in Nottuln - dank Corona werden es dann ja nicht komplett 24 Monate gewesen sein...
Niehues: Vom Prinzip her ist man immer on fire und unter Strom, auch in der Zeit, wo wir nicht trainiert haben. Da haben wir relativ viel organisatorische Dinge mit unserer Spendenaktion gehabt. Das hat uns auch fast jeden Tag wieder beschäftigt, das alles zu dokumentieren. Da sind 7.500 Euro zusammengekommen, da darf ja kein Cent unter den Tisch fallen.

Ist aber eine lange Abschiedstournee - falls alles trotz Corona so zuende gehen darf wie geplant. Warum hast du es so eilig gehabt, jetzt schon im Oktober diese Entscheidung zu fällen...?
Niehues: Warum sollte ich denn warten? Was hat es denn für einen Mehrwert, wenn ich die Entscheidung weiter mir herum trage? Corona hat mir einfach gezeigt, wie es denn überhaupt ist, loszulassen. Davor hatte ich Angst, aber es ging relativ gut klar. Ich  konnte es schon ganz gut verarbeiten, sonntags nicht am Platz zu sein. Natürlich hatte ich Bock, als es wieder los ging. Dann habe ich explizit die ersten Spiele abgewartet, um zu schauen, ob dieses Feuer wieder entfacht wird, voll und ganz in der ersten Reihe stehen zu wollen. Aber: Wenn wir im Herbst und Winter die 25 Gespräche mit den Spielern führen müssen, sonntagmorgens um 8 Uhr nach Nottuln fahren, um mit Spielern zu sprechen und der Rest der Familie sitzt am Frühstückstisch...die Energie kommt nicht wieder. Wenn ich samstags bei meinem Jungen die F-Jugend gucken möchte, aber einfach nur am telefonieren bin mit dem Trainer der Zweiten oder einigen Spielern... Da kommen dann Dinge zu kurz...

...die wichtiger sind.
Niehues: Bei mir ist es sonntagmorgens ab 10 Uhr vorbei mit Familienleben. Da bin ich voll im Fokus und mache mir Gedanken übers Spiel. Das habe ich in zweiter Reihe - wenn ich das denn so machen wollen würde - nicht mehr so in diesem Maße. Es ist nicht so, dass ich gar nichts mehr machen will - aber ein bisschen mehr Verantwortung abzugeben, wäre ganz nice.

Was wäre mit einer Kreisliga B-Mannschaft? Oder in einer Reserve-Mannschaft, da könnte man ja auch thereotisch was entwickeln...?
Niehues: Es muss einfach passen. Da muss ich ein gutes Gefühl haben.

Bei dir in der Mannschaft hat sich keiner gefreut, als ihr eure Entscheidung verkündet habt?
Niehues: Da müssen wir uns nichts vormachen, es gibt in jeder Mannschaft jemanden, der zu sich sagt, so schlimm ist das nicht. Es gibt auch andere, die interessiert's eh nicht. Aber wir hatten eine sehr gute Bindung zur Mannschaft, das Feedback in den letzten Tagen war durchaus schmeichelhaft. Die größte Belohnung für uns waren die Gespräche mit den Spielern im letzten Winter. Da ging es dann einfach nur: Ich bleib dabei. Direkt mit einem Handschlag bei dem Gespräch und ohne große Verhandlung. Viel mehr Feedback kann man nicht bekommen. Für dieses Jahr hatte ich auch ein gutes Gefühl. Aber ich wäre auch blöd, wenn ich sagen würde: Da sind jetzt nach unserer Entscheidung alle 25 Spieler nach Hause gegangen und haben geweint. 

Sportlich lief es aber.
Niehues: Unterm Strich ist es jetzt zwar nicht der Abschluss, an den ich gedacht hätte. Da hätte es sicherlich noch ein oder zwei Jahre gebraucht. Persönlich für mich ist es aber wichtig, festzuhalten: Dass wir uns etabliert haben in der Westfalenliga. Der Weg ist der richtige, wir haben es hinbekommen, die Jungs zu festigen und das fortzuführen, was aufgebaut wurde. Losgelöst davon, ob es zu früh ist, haben wir gute Schritte nach vorne gemacht und uns ein stückweit eingegroovt in der Liga. 

Wie weit gehen die Schritte in den nächsten Monaten noch, wenn du dir das ausmalen dürftest?
Niehues: Wir müssen noch konstanter werden und nicht nur eine Halbzeit spielen. Mit so einer Pleite wie gegen Erkenschwick habe ich kein Problem, nach fünf Spielen einen auf die Mütze zu bekommen. Aber wir hatten ein paar Unentschieden, wo wir hätten gewinnen können und vielleicht 30 Minuten fehlten. Die Einstellung und das Engagement waren immer top, aber die letzte Konsequenz und Konzentration im letzten Drittel fehlten manchmal. Ansonsten geht's weiter darum, individuell auf Situationen zu reagieren.  Pokern zum Beispiel ist ja auch ein Spiel, wo man nicht weiß, was der Gegner macht oder hat. Trotzdem kriegen es einige Menschen richtig gut hin, Turniere zu gewinnen und Erfolge zu haben. So ähnlich sehe ich das, wenn man es hinbekommt, Einfluss auf Situationen zu nehmen, weil man es simuliert und erklärt bekommt. Dann kann man seinen Teil dazu beitragen, das Spiel positiv zu gestalten. Das ist weiterhin mein Antrieb.

Bist du denn ein guter Poker-Spieler?
Niehues (lacht): Ich spiele eher ungerne mit Geld, weil die Chance zum Verlieren da ist. Wir haben früher gespielt, aber ich bin kein Poker-Guru. 

Vielleicht hast du ja bald mehr Zeit dafür, deine Fähigkeiten dazu auszutesten.
Niehues: Ich muss nach draußen und bin kein Pokerspieler. Gerne an die frische Luft und gerne mal wieder eigenen Sport treiben. Wichtig ist uns, dass früh jetzt einfach Klarheit herrscht, sodass der Verein da gegen arbeiten kann. Du musst ja bald in die Gespräche gehen. Und dann fängt irgendwann einer an, zu knabbern - ohne Trainer fällt das Knabbern an den Spielern etwas leichter.

Westfalenliga 1



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