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Querpass

Die einzige Alternative zur "Missionarsstellung" des Einwurfs: Der Flip-throw. Foto: Flickr

Spieler fragen, Heimspiel antwortet – diesmal nicht wirklich


Von Lutz Hackmann

(15.11.12) Bisweilen schneien Heimspiel-online Fragen aktiver Fußballer ins Haus. Um eine Antwort sind wir nie verlegen gewesen. Wenn wir´s nicht wussten, haben wir Leute gefragt, die es von Amts wegen wissen müssen. Auch in dieser Woche erreichte uns eine Frage. Wenn Leser Eugen gewusst hätte, was er damit auslöst…

Zuerst schien die Frage banal. „Warum ist die Einwurfregel so wie sie ist?“, formulierte es Eugen und wurde konkreter: „Warum muss ich beidhändig einwerfen, warum müssen beide Füße Bodenkontakt haben?“ Die Redaktionsmitarbeiter hoben an zu dozieren – und merkten: So banal ist es nicht. Die Recherche brachte uns bis in die heiligen Hallen des Deutschen Fußball-Bundes. Doch eine konkrete Antwort auf die Frage konnte man uns auch an der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise nicht liefern.

Alles auf Null

Also, alles auf Null erstmal. „Der Einwurf ist eine Spielfortsetzung“, erklärt uns zunächst Gereon Melchers, Schiedsrichterobmann des Fußball-Kreises Münster/Warendorf. Nachzulesen unter „Regel 15“ des Regelwerks. So weit, so gut. Aber, potzblitz, warum muss der Spieler
- sein Gesicht dem Spielfeld zuwenden,
- mit einem Teil jedes Fußes entweder die Seitenlinie oder den Boden außerhalb des Spielfelds berühren und
- den Ball mit beiden Händen von hinten über seinen Kopf werfen?
„Das müssen Sie die Herren von der FIFA fragen“, gesteht Melchers und sucht Erklärungsansätze: „Der Einwurf ist wie ein Elfmeter oder ein Freistoß oder ein Abstoß eine Art der Spielfortsetzung. Also ein ruhender Ball, damit das Spiel ordnungsgemäß fortgesetzt werden kann“, so Melchers, der weiter sinniert: „Beim Abstoß fragt auch kein Schwein, warum der Ball im Fünfmeterraum liegen muss.“

Vorschlag FIFA – wir wollen´s erstmal ne Nummer kleiner angehen und sehen vom Anruf bei Obermotz Sepp Blatter erstmal ab. Der hat jetzt sowieso genug um die Ohren. Wir wenden uns an den Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW). Formulieren auf Wunsch die Eugen-Fragen schriftlich. Nach 21 Stunden bekommen wir das Re: „Leider können wir Ihnen auch nach Rückfrage bei unserem Verbands-Schiedsrichterlehrwart zu Ihrer Anfrage nicht helfen. Vielleicht versuchen Sie es einmal beim DFB oder der FIFA.“, schreibt uns FLVW-Mann Gisbert Gondolf zurück. Hm, schon wieder FIFA. Dann lieber DFB, irgendeiner muss das doch beantworten können.

"Warum ist der Himmel blau?"

Am besten wenden wir uns an jemanden, den wir da aus alten Zeiten kennen, denn uns schwant, dass man an anderer Stelle mit dieser Frage sonst nicht ernst genommen wird. Zack, Daniel Feld, gebürtiger Münsterländer und beim DFB in Frankfurt für das Feld „Spielleitung/Organisation“ zuständig, hebt sofort ab – und leiht uns sein Ohr. „Da kann man auch fragen: Warum ist der Himmel blau?“, ist seine erste Reaktion. Will heißen: Wer beim DFB soll das wissen? Also doch FIFA? „Ich glaube nicht, dass das einer von der FIFA beantworten kann“, meint Feld. Doch ihm gelingt der Durchbruch in Sachen Denkansatz: „Der Engländer, der sich das damals ausgedacht hat, hat offenbar wenig falsch gemacht“, sagt Feld in Anlehnung daran, dass die FIFA Jahr für Jahr das Regelwerk auf zu säkularisierende Paragrafen und Absätze durchforstet, und da steht alles auf dem Prüfstand. Man hat in den letzten 100 Jahren alles Mögliche im Regelwerk geändert, Abseits und Ecken erfunden, Gelbe und Rote Karten, Einwechselungen, Rückpassregel und, und, und. Dem Einwurf sind die Verantwortlichen noch nie auf die Pelle gerückt. Und diese Regel gibt es seit 1882, also noch Jahre bevor die Herren Benz und Daimler eine ziemlich gute Idee hatten. Anscheinend hat Felds logischer Umkehrschluss des Pudels Kern getroffen. Zudem ergänzt Feld – ganz ohne Regelbuch: „So wie es ist, ist es zweckmäßig und dient dem Spiel.“ Geben wir uns damit einfach mal zufrieden. Den Einwurf-Erfinder können wir schließlich nicht mehr fragen, der dürfte vor mindestens einem Jahrhundert das Zeitliche gesegnet haben.

Und für alle, die uns jetzt mit dem Beispiel der Salto-Einwürfe Marke Leah oder Ásta Árnadottír kommen: Okay, sieht sensationell aus. Aber erfüllt alle im Regelwerk geforderten Kriterien. Sei´s drum, die konkrete Antwort auf das „Warum?“ haben wir nicht gefunden. Andere aber auch nicht. Nur Interpretationen. Sorry Eugen…

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